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Hockey:Tag der Geschenke

Feldhockey Bundesliga der Damen Kampf um den Ball zwischen Emily Wolbers vom Club an der Alster l

„Das muss in die Köpfe“: Jacqueline Dorner kämpft nach der Pleite gegen Alster um den Klassenerhalt.

(Foto: imago/Tischler)

Nach den Männern müssen nun auch die Hockey-Frauen des Münchner SC um den Erstliga-Verbleib zittern - weil sie in Hamburg verlieren und eine schwache Feldrunde spielen.

Die Stimmung beim Münchner Sportclub (MSC) passte am vergangenen Samstag zum frühsommerlichen Wetter. Die Gästefans aus Oberhausen hatten Vuvuzelas und Feierlaune mitgebracht, während sich ihre Mannschaft auf dem Hockey-Rasen überaus höflich präsentierte und den Münchnern mit 1:7 (0:1) unterlag. Der Haken an der Sache aus Sicht der Bundesliga-Teams des MSC? Sie hatten mit all dem nichts zu tun, denn sie waren nicht da. Sie hatten ihre Anlage an die Münchner Seniorenauswahl verliehen, die erfolgreich den Löwenpokal verteidigte. Die Bundesliga-Teams verloren derweil jeweils deutlich beim Club an der Alster in Hamburg; die Männer 0:5 (0:3), die Frauen 0:2 (0:2).

"Das war ein Tag der Geschenke", sagte Männer-Trainer Patrick Fritsche, "wer seine wenigen Chancen nicht nutzt, kann auch nicht gewinnen", resümierte Frauen-Coach Benjamin Lang. Obwohl sich Analyse und Ergebnisse beider MSC-Teams ähnelten, sind sie Teil eines gegenläufigen Trends. Denn während sich die Männer nach einer schwachen Hinrunde zuletzt immer besser an das Niveau der ersten Liga anpassten, geht den Frauen zunehmend die Luft aus. Zum Vergleich: Die Aufsteiger um Kapitän Felix Greffenius holten in der Rückrunde bereits genauso viele Punkte wie in der kompletten Hinrunde (5). Die Frauen dagegen gingen mit 13 Punkten und einem komfortablen Vorsprung auf die Abstiegsplätze in die Winterpause, seither kamen aus sieben Spielen aber lediglich drei weitere Punkte dazu.

Die als Konsolidierungssaison ohne besondere sportliche Brisanz eingeplante Spielzeit ist somit spannender geworden als erwünscht. Lediglich ein Punkt trennt die MSC-Frauen noch vom TSV Mannheim auf dem ersten Abstiegsplatz, der allerdings ein Spiel mehr absolviert hat und am kommenden Wochenende zum direkten Duell nach München kommt. Kapitänin Hannah Krüger mochte die Situation deshalb nicht "überdramatisieren". Zwar räumte sie ein, nicht erwartet zu haben, "dass wir wirklich noch gegen den Abstieg spielen", sie gehe aber fest davon aus, "dass wir das packen, und dann kann die junge Mannschaft daran wachsen".

Den verlorenen Punkten bei Tabellenführer Alster trauerte sie weniger nach als jenen, die ihr Team zu Hause beim 2:3 gegen Aufsteiger Raffelberg verschenkt hatte. "Damals haben wir nicht unsere Leistung gebracht", sagte sie, "aber wenn wir spielen wie am Samstag gegen Alster, sind wir stärker als unsere Mitkonkurrenten, und dann passiert da gar nichts." All das klang sehr entspannt, Krügers Nachsatz "das muss einfach in die Köpfe" verdeutlichte indes, dass Gelassenheit und Selbstvertrauen in der stark verjüngten Mannschaft offenbar kein Selbstläufer sind. Denn es ist ja nicht so, dass der MSC die Tabellensituation auf die leichte Schulter nehmen würde. Druck sei jedoch der falsche Ratgeber, betonte Krüger, "wir müssen bei uns bleiben und dürfen nicht groß auf die anderen schauen".

Diesen Luxus können sich die Männer nicht leisten, die vor einer Woche zwar auf vier Punkte an das rettende Ufer heranrückten, für den Klassenerhalt aber unverändert auf Patzer der Konkurrenz angewiesen sind und "zusätzlich noch irgendwo eine Überraschung schaffen müssen", wie Kapitän Felix Greffenius vorrechnete. Nachdem der unerwartete Erfolg gegen Mülheim vor einer Woche die Hoffnungen auf ein zweites Jahr in der ersten Liga wiederbelebt hatte, war die klare Niederlage in Hamburg ein Dämpfer. Die wichtigen Heimspiele gegen den Vorletzten TSV Mannheim sowie den Viertletzten Nürnberg stehen aber noch aus.

Mathematik-Krimis im Tabellenkeller kennen die MSC-Männer ohnehin aus der Halle, wo sie sich in den vergangenen Jahren immer wieder aufs Neue darin überboten, den Spannungsbogen bestmöglich auszureizen - und stets das bessere Ende für sich hatten. Deshalb darf man Greffenius auch tatsächlich glauben, wenn er mit Blick auf Spiele, die anderswo kollektives Nervenflattern auslösen würden, sagt: "Wir freuen uns da richtig drauf."

Ob die Verantwortlichen beim MSC ihr Grün im Herbst erneut zur Verfügung stellen werden, wenn die Münchner Stadtauswahl Braunschweig zur nächsten Titelverteidigung empfängt, ist noch offen. Sicher ist dagegen, dass sie den Termin gerne mit zwei Erstliga-Spielplänen abgleichen würden.