Hockey Ergebnisoffene Experimente

„In der Vorbereitung ist das Ergebnis noch zweitrangig“: Die deutsche Nationalspielerin Selin Oruz (vorne) beim 1:2 gegen Argentinien.

(Foto: Claus Schunk)

Trotz zweier Niederlagen zum Auftakt des 4 Nations Cups in Grünwald sieht der Bundestrainer die deutschen Frauen eine Woche vor WM-Beginn auf dem richtigen Weg. Nächster Gegner sind die Niederlande.

Von Tobias Wirth, Grünwald

Xavier Reckinger schlendert über den Platz. Einen Schläger in der Hand und ein unbeschwertes Pfeifen auf den Lippen passiert er seine Spielerinnen und macht sich auf den Weg Richtung Trainerbank. Während der deutsche Bundestrainer schlägerschwingend über den Grünwalder Rasen spaziert, ist sein Team hoch konzentriert. In intensiven Kreisspielen bereiten sich die Nationalspielerinnen auf das anstehende Duell vor. Zumindest der Trainer scheint guter Dinge zu sein.

Beim Four Nations Cup auf der Anlage des TSV Grünwald bereitet sich das deutsche Frauen-Hockey-Nationalteam auf die Weltmeisterschaft (21. Juli bis 5. August) in London vor. Mit den Niederlanden, Neuseeland und Argentinien ist bis einschließlich Samstag die Weltspitze zu Gast im Münchner Süden. "Die Entwicklung steht an erster Stelle. Das gute an diesem Vorbereitungsturnier ist, dass man auf höchstem Niveau noch Sachen ausprobieren kann", erklärt Reckinger. Und das tut er. Im ersten Spiel der Deutschen gegen Argentinien am Mittwoch nahmen beide Trainer beim Stand von 1:1 in den Schlussminuten die Torhüterin zugunsten einer weiteren Spielerin vom Feld. Es sollte eine entscheidende Maßnahme sein.

Argentinien bekam in der letzten Spielminute eine Strafecke zugesprochen, die Noel Barrionuevo gegen die torhüterlose deutsche Verteidigung zum schmeichelhaften 2:1-Siegtor nutzte. Zuvor hatten die Gastgeberinnen mehr vom Spiel gehabt. Der vor der Partie so entspannt wirkende Bundestrainer war von der Anfangsnervosität seines Teams zwar überrascht, doch Argentinien konnte daraus kein Kapital schlagen. Bei der Teambesprechung in der ersten Viertelpause wirbelte Reckinger dann seine Taktiktafel immer wieder elegant auf dem Finger - immer noch kein Anzeichen von Nervosität. Auch sein Team wurde jetzt ruhiger und belohnte sich prompt: Erst zwang Cécile Pieper die argentinische Torfrau Grace O'Hanlon zu einer Glanzparade (17. Spielminute), dann überwand Anne Schröder sie nach der ersten deutschen Strafecke (19.) doch noch. Quasi im Gegenzug fiel das 1:1. Nach einem Angriff über links traf Agustina Albertarrio sehenswert (21.). Doch Deutschlan kombinierte sich nun immer wieder zu Chancen. Lisa Altenburger verfehlte das 2:1 nur knapp (39.).

Argentinien zog sich tief zurück und verlegte sich auf Konter. Die Südamerikanerinnen kamen zwar noch zu zwei weiteren Strafecken, die Deutschland jedoch aufmerksam verteidigte. Mit der vierten Strafecke in die deutsche Schlussoffensive hinein hatten die Gäste aber dennoch das bessere Ende für sich. "Natürlich haben wir zwei, drei Dinge ausprobiert. Aber mich ärgert weniger das späte Tor, als vielmehr die Art, wie die Strafecke entstanden ist," sagte Reckinger.

Auch im zweiten Spiel gegen Neuseeland am Donnerstagabend waren die kurzen Ecken entscheidend. Bereits nach zwei Minuten waren die "Black Sticks", so der Spitzname der Neuseeländerinnen, mit der ersten Strafecke erfolgreich. Doch wie Argentinien am Vortag bewies Deutschland Nehmerqualität und reagierte sofort: Lisa Altenburg stand beim Gegenangriff goldrichtig und drückte eine Hereingabe ins neuseeländische Tor (3.) Nach dem fulminanten Beginn konzentrierten sich beide Teams verstärkt auf den Spielaufbau, gefährlich wurde es erst im zweiten Viertel wieder. Neuseeland nutzte seine zweite kurze Ecke zur erneuten Führung (23.), Altenburg scheiterte im Gegenzug knapp. So bauten die Black Sticks im Stile einer Spitzenmannschaft wiederum im direkten Gegenzug ihre Führung aus. Amy Robinson verlängerte einen langen Ball in die deutsche Hälfte mit der Rückhand zum Halbzeitstand von 1:3 ins Tor. Doch das DHB-Team kam schwungvoll aus der Pause. Altenburg bediente Marie Mävers, die den Anschlusstreffer erzielte (33.). Die Gastgeberinnen drückten nun, verpassten aber erneut Zählbares. "In der Vorbereitung ist das Ergebnis noch zweitrangig. Wir wollen jedes Spiel gut spielen, das ist uns bisher gelungen. Wenn wir bei der WM aber nicht das Ergebnis bringen, ist das natürlich etwas anderes", resümierte Reckinger vor dem Finaltag.

Einen Schritt weiter sind schon die Niederlande. Der Weltranglistenerste lag im Auftaktspiel gegen Neuseeland ebenfalls 0:1 zurück, drehte die Partie in der zweiten Halbzeit aber und gewann 3:1. Auch gegen Argentinien wurde Oranje seiner Favoritenrolle am Donnerstag gerecht und gewann 2:1. Ob Reckinger vor dem Spiel gegen den Turnierfavoriten (Samstag, 13.30 Uhr) immer noch so entspannt ist, wird sich zeigen.