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Hockey:Der letzte Biss fehlt

Schwarzes Wochenende für die Hockey-Männer des Münchner SC: Sie verspielen eine 2:0-Führung gegen Meister Mannheim und steigen in die 2. Liga ab.

Eine 2:0-Führung gegen den deutschen Meister verspielt, Abwehrroutinier Nikolai Duda auf dem Weg ins Krankenhaus und der direkte Wiederabstieg zwei Spieltage vor Saisonende: Die Hockey-Männer des Münchner Sportclubs hatten am vergangenen Sonntag alle Zutaten zusammengetragen, die für Frustration und düstere Zukunftsprognosen nötig sind. Unmittelbar nach dem Abpfiff des 2:3 (2:0) gegen den Mannheimer HC war die Ernüchterung auch überall auf dem Klubgelände zu spüren und zu hören.

Ausgehebelt: Sten Brandenstein (li.) und seine Kollegen wehrten sich gegen den deutschen Meister Mannheimer HC nach Kräften, verloren aber nach einer 2:0-Führung das Spiel - und damit den Kampf um den Klassenerhalt.

(Foto: Claus Schunk)

"Super unnötig" kommentierten Zuschauer wie Beteiligte, und meinten damit sowohl das Spiel als auch den Abstieg. Torhüter Frederik Gürtler lehnte derweil einsam am Fangzaun hinter seinem Kasten, seine Mitspieler lagen auf dem Kunstrasen verteilt. "Wir haben eigentlich gedacht, dass Mentalität Qualität schlagen kann, und das auch eine Halbzeit lang gezeigt - wie bitter, dass wir jetzt trotzdem mit leeren Händen dastehen", sagte Trainer Patrick Fritsche angemessen enttäuscht. Doch sein Gesichtsausdruck sagte etwas ganz anderes: Fritsche lächelte. Nicht gequält wie jemand, der die Sache professionell hinter sich bringen will, sondern wie einer, der noch nicht fertig ist und sich darüber freut.

Das Spiel war bezeichnend für die Saison", sagte Kapitän Felix Greffenius, der wohl aufhört

Fritsche steht nach seinem ersten Jahr außerhalb jeder Diskussion, Klub und Spieler sind hoch zufrieden mit ihm. Dass er so kurz nach der schmerzhaften Niederlage aber schon Sinn für die Zukunft hatte, mochte auch daran liegen, dass der Abstieg den MSC nicht unerwartet erwischte. "Das Spiel war bezeichnend für die Saison", sagte Kapitän Felix Greffenius, "man hatte in jedem Spiel das Gefühl, dass wir eine Chance haben, wenn wir am Maximum spielen - aber oft hat das Spielglück oder auch der letzte Biss gefehlt." Keeper Gürtler ergänzte: "Dass die drüben individuell einen Ticken besser sind, ist in der Liga halt so; wir haben es nicht geschafft, über 60 Minuten dagegenzuhalten."

Obwohl der MSC oft unglücklich verlor, war es in der Summe nicht knapp. Bereits am dritten Spielwochenende war der Aufsteiger in die Abstiegszone gerutscht und hatte sie nicht wieder verlassen. In der Rückrunde hatte sich das junge Team an das Niveau gewöhnt und insbesondere gegen stärkere Gegner ansehnliche Vorstellungen abgeliefert. Gegen direkte Konkurrenten blieben Punkte dagegen Mangelware. Auch am vergangenen Wochenende hatte der MSC das wichtigere Samstagsspiel gegen Tabellennachbar TSV Mannheim mit 1:3 (1:1) verloren.

Für einen optimistischen Blick nach vorn spricht jedoch, dass der MSC im männlichen Bereich, über dem der unvermeidliche Umbruch jahrelang wie ein Damoklesschwert schwebte, wieder eine Perspektive hat. Der Aufstieg platzte mitten in den Verjüngungsprozess und kam für die Jüngsten im Kader damit womöglich ein Jahr zu früh. "Zumindest, um gleich in der Liga zu bleiben", schränkte Greffenius ein. Auf Sicht hätten seine Mitspieler, von denen einige halb so alt sind wie der 34-Jährige, dagegen "brutal viel gelernt". Er betrachtet das Team deshalb für die kommende Saison gleich wieder als Aufstiegskandidaten.

Greffenius allerdings geht wohl gemeinsam mit Duda, der am Sonntag einen Ball ans Knie bekam und eine Platzwunde davontrug, Maximilian Stephan und Florentin Burkhardt als einer der letzten verbliebenen Routiniers in Hockey-Rente, auch wenn Trainer Fritsche die Hoffnung auf einen Aufschub noch nicht aufgegeben hat. "Mit denen werde ich auf jeden Fall noch ein Kaltgetränk nehmen, und dann schauen wir mal", sagte er, "denn sie sind einfach prägende Gesichter für diesen Klub." Der Trend beim Rest der Mannschaft geht laut Greffenius in Richtung MSC. "Die Jungen werden weitestgehend zusammen bleiben, die sind alle eng befreundet. Es sollte sich jeder genau überlegen, ob er aus dieser Mannschaft weggeht", sagte er.

Der Verein plant den sofortigen Wiederaufstieg. Und ein zweites, so wichtiges Kunstrasenfeld

Um zu gewährleisten, dass es auch weiterhin ausreichend Talente aus der eigenen Jugend in die Bundesliga-Teams schaffen, will der MSC im kommenden Jahr einen zweiten Kunstrasen bauen. "Wir bewegen uns absolut an der Kapazitätsgrenze", sagte Abteilungsleiter Frank Ommert, der den zweiten Platz "unser derzeit wichtigstes Projekt im Hockey-Bereich" nannte. Der Spendenstand für die Eigenbeteiligung erreichte am vergangenen Wochenende 260 000 Euro, 300 000 hat der Klub als Ziel ausgegeben. Vorbehaltlich der letzten Genehmigungen soll der neue Kunstrasenplatz im Frühjahr 2019 gebaut und außerdem die Matte des aktuellen Platzes ausgetauscht werden, so dass zur Saison 2019/20 zwei Plätze zur Verfügung stehen.

Befreiungsschlag für MSC-Frauen

München - Die Hockey-Frauen des Münchner Sportclubs haben sich beim 1:0 (0:0)-Erfolg gegen den Vorletzten TSV Mannheim am vergangenen Samstag drei wichtige Zähler im Abstiegskampf der ersten Bundesliga gesichert. Bei noch zwei ausstehenden Spielen hat das Team von Trainer André Schriever nun vier Punkte Vorsprung auf den TSV und damit auch auf die Abstiegsplätze. Dass die Partie gegen den drittplatzierten Mannheimer HC am Sonntag mit 0:3 (0:0) verloren ging, konnte Schriever deshalb aus tabellarischer Sicht verschmerzen. "Hätte ich mir einen Sieg aussuchen müssen, hätte ich den am Samstag genommen. Wir haben es jetzt in der eigenen Hand - also alles in Ordnung", sagte er. Das entscheidende Tor gegen den TSV hatte Jacqueline Dorner erzielt (40.).

Angesichts des Spielverlaufs hätte Schriever aber auch am Sonntag gegen den Mannheimer HC gerne mindestens einen Punkt in München behalten, weil er sein Team eine Halbzeit lang als "die klar bessere Mannschaft" gesehen hatte. "Überhaupt waren wir abgesehen von der Frage, wie man Konter ausspielt, auf Augenhöhe", sagte er. "Die waren einfach effektiver als wir", befand auch Kapitänin Michelle Strobel, "aber wir waren gestern auf den Punkt da und haben heute gezeigt, was wir spielerisch können, das war unglaublich wichtig."

Nach der bislang durchwachsenen Rückrunde mit bis zum vergangenen Wochenende lediglich einem Sieg aus sieben Spielen habe sich das Team sein Selbstvertrauen zurückerobert, sagte Strobel weiter. Vor den letzten beiden Saison-Partien sei ihr deshalb nicht bange. KF

Geht es nach Fritsche, weihen seine Spieler ihn mit Erstliga-Hockey ein. Er hoffe, "dass es hier nächstes Jahr eine gute Aufstiegsparty gibt".

Für die anstehende Zweitligasaison stellte er seinem Team neben Erfolgserlebnissen vor allem offensiv größere Entfaltungsmöglichkeiten in Aussicht. "Wir haben im ersten gemeinsamen Jahr geschafft, unseren Charakter zu finden", sagte er bezogen auf die gegen individuell überlegene Gegner sehr defensiv geprägte Spielweise, und fügte hinzu: "Im zweiten Jahr dürfen wir jetzt unsere spielerische Klasse finden." Gewissermaßen eine Art Zirkeltraining mit sehr langen Stationen. Auch emotional.