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Handball:Schock am Freitagabend

Handball, 2. Bundesliga, TuS Fürstenfeldbruck - Wilhelmshavener HV Im Bild Trainer des TuS Fürstenfeldbruck Fuerstenfel

„Auf das Spiel hat das Team wirklich gebrannt“: Trainer Martin Wild muss mit seiner Mannschaft nun aber 14 Tage zuhause bleiben.

(Foto: Markus Fischer/imago)

Das Spiel gegen Rimpar fällt aus, die Fürstenfeldbrucker Zweitliga-Handballer müssen nach vier Corona-Fällen in Quarantäne.

Von Thomas Jensen, Fürstenfeldbruck

Am Samstagabend gibt sich Michael Schneck, der Abteilungsleiter der Fürstenfeldbrucker Handballer, ruhig. Zumindest schwingt über die Telefonleitung keine Aufregung mit. Hauptsächlich liegt das wohl daran, dass keiner der mit dem Coronavirus Infizierten aktuell Symptome aufweist. Es besteht also kein dringender Grund zur Sorge. Insgesamt vier Ergebnisse der am Donnerstag im Mannschafts-, Trainer- und Betreuerkreis durchgeführten Routinetests sind positiv ausgefallen.

Außerdem könnte die Ruhe auch an einer möglichen Erschöpfung Schnecks liegen. Er hat einen "kleinen Telefonmarathon", wie er es bezeichnet, hinter sich. Nachdem die Testergebnisse am Freitagabend gemeldet wurden, kommunizierte Schneck mit dem Gesundheitsamt, der Liga und mit der DJK Rimpar. Samstagvormittag wurde schließlich offiziell, was allen Beteiligten wohl sofort klar war: Das für den Abend geplante Zweitligaspiel der Panther gegen die Rimparer Wölfe wird verschoben.

Nicht nur beim Abteilungsleiter liefen die Telefonleitungen heiß, auch der Brucker Cheftrainer Martin Wild verbrachte viel Zeit am Hörer. Er sprach hauptsächlich mit seinem Team, das sich, inklusive Wild, in häusliche Quarantäne begeben hat: "Dass wir nach den Testergebnissen alle sofort in Quarantäne gegangen sind, war erst einmal freiwillig. Aber wir haben vom Gesundheitsamt schon mündlich die Aussage, dass es auf zwei Wochen Quarantäne herauslaufen wird und das wird dann bald noch offiziell nachkommen."

Die Quarantäne prägte auch die Gespräche, die Wild am Samstag mit seinen Schützlingen führte: "Tatsächlich ging es mit meinen Spielern heute nicht ein Mal ums Sportliche. Es wurden einfach so Sachen besprochen, wie wohl der Arbeitgeber reagieren würde und wie man das jetzt daheim mit der Familie am besten handhabt." Denn obwohl es den Betroffenen soweit gut geht und man damit rechnen konnte, dass es den einen oder anderen trotz aller Vorsichts- und Hygienemaßnahmen früher oder später erwischt, waren die Testergebnisse "auf jeden Fall ein Schock", wie Wild zugibt.

Auch wenn dieser inzwischen verdaut ist, gibt es noch ein anderes Thema, das für Bauchschmerzen an der Amper sorgt: "Wir beobachten mit großer Sorge, dass der Spielplan durch die Nachholspiele jetzt noch enger wird. Es wird dann wohl zu noch mehr Spielen unter der Woche kommen. Und das trifft unseren Verein natürlich besonders hart," führt Abteilungsleiter Schneck aus. Etwa die Hälfte des Kaders besteht aus Studenten, die andere Hälfte jedoch aus Vollzeitarbeitenden. Diese mussten sich für die Saison ohnehin schon etwa zehn Urlaubstage nehmen, nun stehen zusätzlich noch zwei Nachholspiele an: Jenes gegen Rimpar und das am 31. Oktober angesetzte Spiel beim TuS Ferndorf, das die Brucker auch nicht bestreiten können, weil die Quarantäne bis mindestens Anfang November dauert.

Der Terminplan wird ohnehin für die gesamte Liga dichter. Insgesamt acht Partien der letzten beiden Spieltage wurden verschoben. Neben dem Aufsteiger Fürstenfeldbruck befinden sich ja auch die erwähnten Ferndorfer in Quarantäne, sowie Teile der Hamburger Mannschaft. "Auf die Liga kommen im Allgemeinen noch große Herausforderungen zu. Aber für uns als Amateurmannschaft in einer Profiliga im Speziellen," sagt Wild, der selbst Sportlehrer ist.

Nun wird er sich um einen Trainingsplan kümmern, der auf die eigenen vier Wände angepasst ist. Am Samstag ist er dazu noch nicht gekommen, aber irgendwas werde man sich einfallen lassen, sagt der 41-Jährige. Schließlich will er erreichen, dass die nach oben zeigende Formkurve möglichst wenig unter der Zwangspause leidet. Denn auch wenn die Gesundheit und nicht das Sportliche für ihn im Vordergrund stand, bezeichnete er einen Aspekt als besonders ärgerlich: "Einen guten Zeitpunkt gibt es für so etwas natürlich nie. Aber nach den letzten beiden Spielen hatten wir, auch wenn es noch nicht für Punkte gereicht hat, das Gefühl, in der Liga angekommen zu sein. Es war überhaupt nicht so, dass die Mannschaft in einem Loch war, außer nach den ersten beiden ernüchternden Spielen vielleicht ein bisschen. Aber auf das Spiel heute hat das Team wirklich gebrannt."

Dieses Feuer über die Zeit der Quarantäne am Leben zu halten, dürfte nicht leicht werden. Zumindest müssen Brucks Handballer nicht direkt nach der Isolation einen kompletten Kaltstart hinlegen, denn übernächstes Wochenende hat der TuS spielfrei. In das planmäßig nächste Spiel am 14. November gegen Elbflorenz Dresden ginge man im Optimalfall also mit einer Woche Training. "Das ist das einzig Positive," fügt Wild noch an.

© SZ vom 26.10.2020

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