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Handball:Lob vom Weltmeister

TuS Fürstenfeldbruck Handball

Einer für die Zukunft: Stephan Seitz ist eigentlich noch für die A-Junioren des TSV Allach spielberechtigt - hat sich aber auch per Zweitspielrecht für den TuS in der zweiten Bundesliga zur Stammkraft entwickelt.

(Foto: Felix Müller/oh)

Klub-Legende Kurt Klühspies sieht frech aufspielende Brucker, die das Spiel beim TV Großwallstadt dennoch klar verlieren und damit wohl auch endgültig die Chance auf den Klassenerhalt.

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Die Erinnerungen an Pierre Busch waren nicht die besten, zumindest aus Sicht der Fürstenfeldbrucker Handballer. Der 21-jährige Jugendnationalspieler hatte am zweiten Weihnachtsfeiertag elfmal auf das Brucker Tor gezielt und elfmal getroffen. Buschs Anteil am 40:31-Sieg des namentlich großen TV Großwallstadt über den Mitaufsteiger war damit nicht ganz unmaßgeblich. Nur wenige Tage später riss bei Busch im Training das Kreuzband, und seither füllt Michael Spatz, 38, die Lücke auf Rechtsaußen. Der zwölfmalige deutsche Nationalspieler, der seit 2007 mit einjähriger Unterbrechung durchgehend für Großwallstadt am Ball war, hatte vor einem Jahr seine Position im Team gegen die des sportlichen Leiters eingetauscht. Nun ist er zurück auf dem Spielfeld. Für den TuS Fürstenfeldbruck gab es wieder nichts zu holen, auch weil Senior Spatz als bester Schütze seines Teams sechs Tore - darunter fünf Siebenmeter - machte. Der Tabellenletzte verlor das Zweitliga-Rückspiel mit 21:32 Toren.

Erst zeigen sich die Brucker Panther reanimiert, dann geht ihnen die Kraft aus

Dabei zeigten sich die Brucker Panther zunächst reanimiert gegenüber den vergangenen beiden Partien gegen Aue und Ferndorf, die deutlich verloren gegangen waren und wohl den Klassenerhalt gekostet hatten. Im anstrengenden Samstag-Mittwoch-Samstag-Mittwoch-Rhythmus, den die TuS-Handballer derzeit absolvieren, waren die knapp 400 Kilometer nach Elsenfeld, wo die Großwallstädter ihre Heimspiele austragen, eine der weniger strapaziösen Anreisen. Die Brucker holten einen frühen Rückstand bis zum 4:4 (9.) wieder auf und blieben in der ersten Hälfte in Schlagdistanz, auch ihr Kampfgeist war zurück. "Absolut ordentlich" fand Trainer Martin Wild die Vorstellung seines Teams vor der Pause. Und sogar Kurt Klühspies, 69, ewiger Großwallstädter und als Handball-Weltmeister von 1978 zu den Legenden seiner Sportart zählend, sprach im Halbzeitinterview mit dem Streamingdienst sportdeutschland.tv von einem Gegner, der "frech aufspielt". Der Pausenstand von 14:11 ließ noch alles offen.

Doch schon kurz nach Wiederbeginn verspielten die Brucker ihre gute Ausgangslage. Durch fünf Gegentore in Folge gerieten sie binnen fünf Minuten 11:19 in Rückstand, und das Spiel bekam auf einmal eine Dynamik, die der der vergangenen beiden Partien ähnelte. "Das hat mir nicht gefallen", sagte Martin Wild hinterher. Denn man sei eigentlich gut im Spiel gewesen. Doch wieder häuften sich überhastete und unvorbereitet vorgetragene Würfe und riskante Kreisanspiele, die ihr Ziel verfehlten. "Wir haben uns um den Lohn der ersten Halbzeit gebracht", befand Wild. Am Ende war auch diese Niederlage mit ihren elf Toren Differenz deutlich.

Seit sich der wahrscheinliche Abstieg in den Köpfen der Spieler verfestigt hat, geht es bergab

Der Kräfteverschleiß der Brucker Panther nach mittlerweile 32 von 36 Punktspielen quer durch die Republik macht sich indes immer deutlicher bemerkbar. Der Verschleiß hat aber auch die Köpfe erreicht: Das Eingeständnis, dass es am Ende wohl doch nicht reichen wird für den Verbleib in der zweiten Bundesliga, zeige wohl auch seine Wirkung, mutmaßt Wild. Dennoch verlangt er, "dass wir uns jetzt schon noch zusammenreißen - bei allem Verständnis für die Lage". Als Ziel gibt er aus, in den ausstehenden vier Spielen noch mal zu Punkten zu kommen und sich "ehrenvoll zu verabschieden". Das letzte Zweitliga-Spiel wird am 26. Juni ein Heimspiel gegen den ASV Hamm/Westfalen sein.

Kreisläufer Johannes Borschel geht zum TSV Allach - als Trainer

Wilds Gedanken gelten derweil schon der nächsten Saison. Nach knapp 40 Minuten durfte deshalb auch der junge Louis Oberosler gegen Großwallstadt das Brucker Tor hüten. Der 18-Jährige soll mit Michael Luderschmid künftig das Torhüter-Duo bilden. Oberosler, Rechtsaußen Stephan Seitz und Kreisläufer Cedric Riesner (verletzt) gehörten per Doppelspielrecht zuletzt sowohl zum Allacher A-Jugend-Bundesliga-Team als auch zur Zweitligamannschaft des TuS Fürstenfeldbruck, nun stößt in Rückraumspieler Philipp Hlawatsch ein Vierter aus Allach dazu. Neben Falk Kolodziej, Johannes Stumpf und Torhüter Stefan Hanemann wird sich indes auch Johannes Borschel verabschieden. Der ehemalige Unterhachinger ist - wie Michael Spatz auf der anderen Seite - 38 Jahre alt und hat das Abenteuer zweite Liga im Herbst seiner aktiven Laufbahn gerne mitgenommen. In fast allen Partien wurde der Kreisläufer eingewechselt, meist nur für wenige Minuten, doch fast immer steuerte er ein, zwei Tore bei. In der neuen Saison wird er Allachs Landesliga-Handballer trainieren - und den Bruckern fehlen. Vor allem abseits des Spielfelds. Denn Borschel ist "ein lustiger Typ", sagt Wild. Eine Art Vergnügungswart, der gute Stimmung verbreitet.

© SZ/toe
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