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Handball:Harter Realitäts-Check

Fürstenfeldbruck verliert zum Saisonauftakt in der zweiten Liga mit 26:36 gegen Eisenach. Trotz des ernüchternden Abends vor 200 lärmenden Zuschauern blickt der Aufsteiger optimistisch in die Zukunft.

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Martin Wild geht an der Seitenlinie auf und ab, sein Blick schweift über die Tribüne. Der Handballtrainer wirkt ein wenig gedankenverloren wenige Minuten vor seinem ersten Zweitligaspiel. Der TuS Fürstenfeldbruck, den der 41-jährige Sportlehrer seit zehn Jahren trainiert, hat es tatsächlich geschafft, ist am Ende der coronabedingt im März abgebrochenen Drittligasaison als überlegener Tabellenführer in die zweite Liga aufgestiegen. Und da sind sie nun, als Brucker Panther, wie sie sich nennen. Sie starten in eine neue Spielzeit, in der wegen der neuen Ligazugehörigkeit, aber auch wegen Corona vieles anders ist als vorher. Der Auftakt läuft alles andere als nach Maß, beim 26:36 in der heimischen Wittelsbacher Halle gegen den ThSV Eisenach kassieren sie eine Niederlage in lange nicht erlebter Größenordnung. Eisenach ist demnach erster Tabellenführer der Saison, Fürstenfeldbruck erstes Schlusslicht.

Fürstenfeldbruck, Wittelsbacher Halle, 03.10.20, 1. Spieltag, Handball, 2. Bundesliga Herren, TuS Fürstenfeldbruck vs Th

Kaum ein Durchkommen: Max Horner (rechts hinten), der vier Tore für Bruck erzielte, wird von Eisenachs Kreisläufer Kristian Beciri heftig bedrängt.

(Foto: imago images/HMB-Media)

"Es war der Realitäts-Check", wird Spielgestalter Falk Kolodziej hinterher sagen. Willkommen in der rauen Wirklichkeit des Profihandballs, soll das heißen. Zehn Tore Differenz zeigen in aller Deutlichkeit auf, dass die Brucker am Tag der Deutschen Einheit zu zahm sind gegen die erfahrenen Thüringer, die seit der Wiedervereinigung vor 30 Jahren mit nur einer einjährigen Unterbrechung stets in erster und zweiter Bundesliga spielten. Man habe die Grenzen aufgezeigt bekommen, fasst Martin Wild die Partie zusammen. Der Euphorie, mit der sie durch die Vorjahressaison geflogen sind, folgt die Ernüchterung.

Allachs A-Junioren siegen

38:34 im Heimspiel gegen Balingen/Weilstetten

Die A-Junioren des TSV Allach haben ihr erstes Heimspiel der neuen Bundesligasaison gewonnen. Die Mannschaft von Trainer Andreas Krauß bezwang in einem von Angriffshandball geprägten, ausgeglichenen Spiel die JSG Balingen-Weilstetten mit 38:34 (20:17). Auch der Rahmen passte, da die Stadt anders als befürchtet immerhin 150 Zuschauer in der Halle an der Eversbuschstraße erlaubte. In der ersten Halbzeit gingen die Gäste nur einmal in der 15. Minute mit 10:9 in Führung. Allachs Topscorer Stephan Seitz (10 (Tore) und Matthias Schimpf (7) von der Siebenmeterlinie sicherten den Allacher Erfolg in der zerfahrenen zweiten Halbzeit. Nach dem Auswärtserfolg zum Saisonauftakt in Oftersheim/Schwetzingen hat sich Allach nun in der Spitzengruppe festgesetzt. sewi

Wobei: Konnte man mehr erwarten von einem Aufsteiger, für den die Profiliga trotz eines einjährigen Zweitliga-Gastspiels vor 28 Jahren Neuland ist? "Wir haben heute kein gutes Spiel gemacht", bekennt Wild: "Aber es hat trotzdem Spaß gemacht." Die Partie hinterlässt auch beim Trainer einen gemischten Eindruck: Hohe Niederlage, ärgerlich, klar. Aber nach sechsmonatiger Corona-Spielpause hat man nun die neue Umgebung kennengelernt. "Es ist keine komplett andere Welt", sagt Wild, "aber wir müssen uns steigern."

„Mit uns ist schon noch zu rechnen“: Brucks Trainer Martin Wild (l.) mit Torhüter Michael Luderschmid.

(Foto: Günther Reger)

Schon der Beginn der Partie misslingt, die Gastgeber sind nervös, nach einer Viertelstunde liegen sie 6:13 zurück. So viele Tore aufzuholen, passiert im Handball zwar immer wieder, doch an diesem Tag vermitteln Fürstenfeldbrucks Handballer nicht den Eindruck, als ob sie den Vorsprung des abgeklärten, reaktionsschnellen Teams aus Eisenach würden wettmachen können. Zu viele Versuche beim Wurf aufs Tor werden vergeben, die Handball-Bundesliga (HBL) untermauert jedes Detail mit der entsprechenden Statistik. 55 mal haben die Brucker auf des Gegners Tor geworfen und nur 26 mal getroffen - eine Quote von 47 Prozent. Eisenach hat es besser gemacht mit 75 Prozent Trefferquote. Allein 14 mal sind die Thüringer beim Tempogegenstoß erfolgreich, allen voran der Linkshänder Willy Weyhrauch, der unter den Hünen seines Teams eher klein und schmächtig wirkt, dennoch 13 Tore macht und die Brucker Torhüter Michael Luderschmid und Stefan Hanemann gerne auch mit einem Heber überrascht. Andererseits klappt der Brucker Positionsangriff bisweilen gut, das Anspiel auf die Kreisläufer Julian Prause und Johannes Borschel funktioniert und führt auch zu sechs Toren. Darauf will man aufbauen.

Hoffnung versprechen die Minuten vor der Pause, als Tim Kaulitz, gerade mal 19 Jahre alter Zugang aus Göppingen, mit zwei seiner insgesamt drei Treffer zum 14:20-Pausenstand verkürzt und der Mann mit dem schönsten Torjubel ist an diesem Abend. Plötzlich scheint Schwung ins Spiel der Gastgeber zu kommen. Nach dem Seitenwechsel arbeiten sie sich auf ein zwischenzeitliches 18:22 (38.) und 20:24 (42.) heran, doch Eisenach baut seinen Vorsprung wieder aus, und die Partie läuft wie zu Beginn. Die Brucker Verteidigung lässt den Gegnern zu viel durchgehen, und auch das Spiel der Torhüter gewinnt an diesem Abend das Duo aus Eisenach. Dennoch habe man, um den Aufsteiger zu bezwingen, eine "hohe Motivation und Spielgenauigkeit mitbringen müssen", analysiert später Eisenachs Trainer Markus Krauthoff-Murfini. Er sei über den Ausgang des Spiels "extremst glücklich", denn er habe einen "Heidenrespekt" vor den Bruckern gehabt, um deren weiteren Saisonverlauf er sich keine Sorgen mache. Auch Martin Wild will das am Ende so sehen. "Mit uns ist schon noch zu rechnen, keine Angst", verkündet er kämpferisch.

Auch die Zuschauer machen ebenso kämpferisch das Beste aus ihrer Rolle. Nur 200 dürfen in die Halle. Sie sitzen auf Abstand und nur im Familienverbund nebeneinander. Sie machen dennoch richtig Lärm. Dass auch ein Fünftel der üblichen Zuschauermenge so laut sein kann, hat auch die sportlichen Protagonisten überrascht. "Das war schon cool, da war richtig was los", erinnert sich TuS-Rückraumspieler Korbinian Lex. Er wolle sich gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn da tausend kämen, sagt Eisenachs Trainer Krauthoff-Murfuni beeindruckt. Corona wird das vorerst noch verhindern.

© SZ vom 05.10.2020

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