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Handball:Die Planungssicherheit wächst

Per Kempa-Trick erzielte Johannes Stumpf das entscheidende Tor zum 26:24, es war sein viertes in einer zähen und engen Partie.

(Foto: Günther Reger)

Fürstenfeldbrucks Drittliga-Handballer schlagen die Reserve der Rhein-Neckar Löwen mit 26:25 Toren und bauen die Tabellenführung weiter aus.

Pressekonferenzen können eine zähe Angelegenheit sein. Nicht selten nuscheln die Trainer nach Spielschluss ein paar vorformulierte, nichtssagende Sätze ins Mikrofon, um schnell in der Kabine zu verschwinden. Bei den Handballern des TuS Fürstenfeldbruck ist das derzeit anders. Eiltempo legen die Brucker nur auf dem Weg Richtung zweite Liga an den Tag, die Trainergespräche nach dem Spiel werden zum Event. So blieb auch am Samstagabend gut die Hälfte der 800 Zuschauer auf ihren Plätzen sitzen, um zu hören, was Martin Wild zum nervenaufreibenden 26:25-Erfolg über die Rhein-Neckar Löwen II zu sagen hatte. Und als dieser endlich dran war, applaudierten die Brucker Handball-Fans lang und laut. Alles wie immer also?

Nicht ganz, denn über den knappen Sieg wollte Wild zunächst gar nicht sprechen. "Die schönste Geschichte ist das Comeback von Max Horner", sagte er und bekam großen Beifall. Der Rückraumspieler hatte sich im letzten Spiel der vergangenen Saison das Kreuzband gerissen, danach viel Zeit mit Reha verbracht und bei seiner Rückkehr nahezu nahtlos an seine starke Vorsaison angeknüpft. Vier Tore gelangen dem 21-Jährigen, jedes davon konnten die Brucker dringend gebrauchen. Horner selbst war die Aufmerksamkeit fast etwas unangenehm. "Da waren auch einige einfache Treffer dabei", relativierte er seine Leistung. Aber klar: "Es ist super, wieder voll dabei zu sein." Nicht minder erfreut zeigte sich Trainer Wild, dass seinem ausgedünnten Kader wieder ein Linkshänder zur Verfügung steht. "Er war von Anfang an voll da", sagte Wild, "er hat überhaupt nicht gezögert." Eine Aussage, die nicht für alle Spieler gelten konnte.

Der Tabellenführer machte es spannender als nötig. Nach einer schnellen 3:0-Führung zu Beginn schlichen sich Fehler ins Spiel der Brucker ein, die Anfangseuphorie verpuffte bald. "Da hat der Kopf angefangen zu arbeiten", sagte Wild. Seine Spieler hätten die letzte Konsequenz vermissen lassen: "Wir wirkten in manchen Aktionen nicht entschlossen genug."

Dennoch deutete lange vieles auf einen ungefährdeten Heimsieg hin. Die Bundesliga-Reserve der Rhein-Neckar Löwen war mit einem Minikader angereist, Gästetrainer Michael Abt konnte lediglich auf neun Feldspieler zurückgreifen. Diese aber machten dem Tabellenführer mit zunehmender Spieldauer das Leben schwer. Immer wieder nahmen die Gäste das Tempo aus dem Spiel und wechselten ihren Torhüter aus, um eine Überzahlsituation zu schaffen. Fürstenfeldbruck nutzte dieses Manöver zwar für zahlreiche einfache Treffer ins verwaiste gegnerische Tor, entscheidend absetzen konnte sich der Spitzenreiter aber nicht. 13:11 stand es zur Pause.

Applaus, Applaus: Max Horner ist zurück, Trainer Wild versprüht Zuversicht in Sachen Aufstieg

Auch nach dem Seitenwechsel war der TuS das stärkere Team, agierte aber weiter zu unentschlossen. Die Löwen um Toptalent Philipp Ahouansou (zehn Treffer) nutzten das aus - und führten acht Minuten vor Ende plötzlich mit 22:21. Sollte die Serie von zwölf Siegen am Stück gegen den Tabellensiebten reißen? Wild nahm eine Auszeit. "Ich wollte, dass sie mutig spielen", sagte er. Und seine Mannschaft setzte diese Vorgabe um. Zunächst erzielte Felix Kerst den Ausgleich, ehe Falk Kolodziej per Siebenmeter das Spiel drehte. Zwar schlugen die Junglöwen nochmals zurück, Fürstenfeldbruck drängte aber auf den Sieg. Die Entscheidung gelang Johannes Stumpf knapp zwei Minuten vor Schluss, als er ein Anspiel in der Luft fing und sofort ins Tor warf. Der nach der Handball-Legende Bernhard Kempa benannte Trick gehört zu den schwierigsten Übungen, dementsprechend selten sieht man ihn in entscheidenden Situationen kurz vor Ende in einem solch engen Spiel. "In dieser Situation einen Kempa zu machen, das zeugt schon von Qualität und Mut", sagte Wild.

Der Aufstieg scheint für Bruck in dieser Verfassung fast schon Formsache zu sein. "Wir gewinnen auch Spiele, in denen wir nicht unsere beste Leistung zeigen", erklärte Wild. Außerdem hilft die Konkurrenz mit: Verfolger Pfullingen kam gegen Oppenweiler/Backnang nicht über ein 30:30-Unentschieden hinaus und hat nun acht Punkte Rückstand. Davon wusste Wild nach Spielschluss noch nichts, die Planungen für die zweite Liga laufen aber ohnehin auf Hochtouren. "Wir arbeiten sehr fleißig", sagte Wild, es gab erneut lauten Applaus in der Wittelsbacherhalle. "Wir sind dabei, es auch finanziell auf die Beine zu stellen, wenn wir den sportlichen Aufstieg schaffen."

© SZ vom 17.02.2020
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