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Handball:Die Kräfte schwinden

Handball, 3. Liga, 1. Heimspiel TuS FFB - TGS Pforzheim

Musste nahezu durchspielen: Fürstenfeldbrucks Rückraumspieler Korbinian Lex (am Ball) erzielte fünf Tore gegen Pforzheim.

(Foto: Matthias Döring)

Drittligist Fürstenfeldbruck hat nach zwei Ausfällen im Rückraum Personalnot. Gegen die TGS Pforzheim wirkt sich das deutlich aus.

Martin Wild versuchte erst gar nicht, die 27:31-Heimniederlage gegen einen Gegner, dem die Konkurrenz Aufstiegspotenzial zutraut, schönzureden. Der Trainer des Handball-Drittligisten TuS Fürstenfeldbruck räumte offen ein, dass sein Team in der Heimspielpremiere gegen die TGS Pforzheim "chancenlos" gewesen sei. Die Badener, erkannte er an, waren spielerisch besser und agierten "abgezockter", daher gelte es für ihn und Mannschaft, die Partie schnell abzuhaken.

Doch eines wurde in diesen 60 Minuten deutlich: Fürstenfeldbruck, das eh in einem kleinen Personalumbruch steht, tut sich schwer, die Ausfälle der Rückraumspieler Alexander Leindl und Johannes Stumpf zu kompensieren, die jeweils länger aufgrund von Nasenbeinbrüchen ausfallen werden. Wild hofft allerdings, dass die Zwangspause bei Stumpf, der um eine Operation herumgekommen ist, nur noch zwei bis drei Wochen betragen wird. Anders die Lage bei Leindl: Der wurde vergangenen Mittwoch operiert und wird laut Trainer wohl erst in knapp zwei Monaten wieder zur Verfügung stehen.

Die Panther konnten vor 650 Zuschauern in der Wittelsbacher Halle nicht annähernd an jene formidable Leistung anknüpfen, die in der Vorwoche zum Saisonauftakt beim TV Willstätt einen 37:22-Kantersieg ermöglicht hatte. Nur war dieser eben teuer erkauft, da Leindl in der Schlussphase einen offenen Bruch des Nasenbeins erlitten hatte. Dabei begann die Partie gegen Pforzheim ebenfalls verheißungsvoll: Bruck führte 2:0, Pforzheims Trainer Michael Rost sagte später, "da hab ich kurz mal durchschnaufen müssen." Doch die Gäste steigerten sich, während Wild sah, wie sein Team "nie so richtig auf Betriebstemperatur" kam und vom 3:4 bis zur Pause ständig einem Rückstand hinterherlief.

Kurz nach Wiederanpfiff keimte kurzzeitig Hoffnung auf, als Felix Kerst das 16:16 gelang. Doch zwischen der 36. und 40. Minute gelang Bruck kein einziger Treffer mehr, Pforzheim zog auf 22:19 davon. Diese Schwächephase, die sich zwischen der 42. und 47. Minute wiederholte, war sicherlich auch darin begründet, dass die Rückraumspieler Korbinian Lex, Sebastian Meinzer, Yannick Engelmann und Falk Kolodziej während der gesamten Partie fast durchgehend auf dem Feld standen und ihnen allmählich die Kräfte schwan-den. Meinzer hatte zudem nicht seinen glücklichsten Tag im Abschluss, für ihn standen am Ende null Treffer auf dem Ergebnisbogen. Kerst mit sieben Toren, Benedikt Hack und Korbinian Lex (je fünf) zielten da schon genauer. Endgültig entschieden war die Partie nach einer knappen Dreiviertelstunde, als nach einer Zeitstrafe für Kolodziej Pforzheim auf 24:19 enteilte.

Mit zunehmender Spieldauer verweilte Wild, der in der ersten Hälfte noch gestikulierend Blickkontakte mit den Unparteiischen aufnahm, dann immer öfter auf der Bank und schüttelte den Kopf. So etwa in jener Szene, die etwas von Slapstick an sich hatte: Nach einem Anwurf wurde der Ball statt in die Hände des Mitspielers an dessen Wade gespielt, was Freiwurf und damit erneuten Ballbesitz für Pforzheim zur Folge hatte. "Das sind Fehler, die jungen Spielern mal passieren", relativierte Wild, 40, Sportlehrer an einem Münchner Gymnasium und früherer Jugend-Nationalspieler.

So richtig festlegen lassen, welche Saisonziele er denn nun ausgebe, wollte sich Wild nach den ersten beiden Saisonpartien weiterhin nicht. "Eigentlich haben wir eine Topmannschaft, aber es dürfen halt keine weiteren Verletzten dazukommen." Pforzheims Coach Rost, der in Michael Schwarz einen Akteur mit Erstliga-Erfahrung in Bietigheim in seinen Reihen hat, bilanzierte die Partie so: "Ich wusste, dass Bruck physisch sehr stark ist und versuchen wird, uns ein Zeitspiel aufzuzwingen. Doch ich war überrascht, dass sie im Rückraum vier Mann haben quasi durchspielen lassen und nicht mehr Alternativen gewählt haben." Am kommenden Samstag gastiert der TuS Fürstenfeldbruck bei der TSG Haßloch.