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Fußball-Landesliga:Zwei Fragen der Geduld

TSV Gilching wie SC Olching kommen in der Landesliga Südwest nicht recht vorwärts. Nur Olching hat darauf mit einem Trainerwechsel reagiert - und gewinnt das Derby.

Stimmen die Ergebnisse nicht, ist die Entlassung von Fußballtrainern auch in Amateurligen an der Tagesordnung. Doch es gibt Vereine, die das anders praktizieren. "Wir haben keine Krise", bekräftigt etwa Stefan Schwartling, Fußballchef des Landesligisten TSV Gilching-Argelsried, und er nimmt den Trainer sofort in Schutz. Der mache "eine hervorragende Arbeit". Diese Antwort überrascht ein wenig, hat doch die Mannschaft von Coach Peter Schmidt von den vergangenen zwölf Spielen nur eines gewonnen, gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten SpVgg Kaufbeuren. Am vergangenen Sonntag setzte es im Heimspiel gegen den SC Olching eine weitere Niederlage, diesmal mit 0:1 - und das auch noch mit elf gegen zehn. Und die Olchinger boten auch noch das perfekte Kontrastprogramm - denn sie hatten, um einen Negativtrend zu stoppen, ausgerechnet vor dem Derby in Gilching ihren Trainer Simon Kaltenbach entlassen.

Eine Niederlage trotz fast einstündiger Überzahl hätte angesichts der Gilchinger Serie von Misserfolgen, die seit Anfang September anhält, vielerorts das endgültige Aus für den Trainer bedeutet. Abteilungsleiter Schwartling, 57, aber ist seit zehn Jahren im Amt und hat noch nie einen Trainer entlassen. "Wir stehen immer noch über dem Abstiegsrelegationsstrich", stellt er erst einmal fest und wirkt dabei total unaufgeregt. Gilching rangiert auf Platz 13 in der Landesliga Südwest. Schwartling führt ein paar objektive Gründe für die Misere an, und er macht auch die Spieler für den Tabellenstand verantwortlich. Es fehlten Stürmer, und Spielern unterliefen immer wieder grobe Fehler, die zu vermeidbaren Toren führten. 20 Tore in 20 Spielen sind der zweitschlechteste Offensivwert in der Liga. Schwartling hofft auf die Rückkehr von Ramon Adofo nach der Winterpause, der einst der Ligatorjäger gewesen war.

Auch Trainer Peter Schmidt konstatiert "groteske Fehler" seiner Akteure. "Da kann man schon von Slapstick sprechen", sagt er, ohne seinem Torwart Felix Ruml, der maßgeblich am 0:1 der Olchinger in der 82. Minute beteiligt war, etwas Böses zu wollen. "Wir werden Ruhe bewahren", versichert Schmidt, der im Sommer für den langjährigen TSV-Trainer Wolfgang Krebs gekommen war. Er rechnet fest damit, "dass sich diese Negativphase wieder dreht". Schließlich stand der Verein Ende August nach einer Siegesserie auch schon mal auf Platz vier. Seitdem verbuchte die Mannschaft nur sechs Zähler.

Der SC Olching hatte keine solche Geduld. Nach sieben sieglosen Partien in Serie und auf einem Abstiegsrelegationsplatz angekommen, musste Simon Kaltenbach gehen. Der Trainer war ebenfalls erst im Sommer gekommen, vom Bezirksligisten SV Aubing, als Nachfolger von Dario Casola. "Wir sind schlecht dagestanden", erklärt SCO-Abteilungsleiter Reinhold Miefanger, "und der Trainer hat öffentlich zugegeben, dass er ratlos ist." Die Tendenz sei eindeutig nach unten gegangen. Man habe sich die Entscheidung im Verein keineswegs leicht gemacht, versichert er, und eine Nachtsitzung gebraucht. "Kaltenbach hat die Mannschaft nicht mehr erreicht", versichert Miefanger. Diese Feststellung ist eine beliebte Floskel bei Trainerentlassungen, die auch die Entscheider in Amateurvereinen gerne benutzen. Doch Miefanger berichtet, dass er das Training von Kaltenbach beobachtet und gesehen habe, dass Teile der Mannschaft dem Trainer nicht mehr zugehört hätten. Beim SCO hat nun Co-Trainer Markus Remlein, 38, der ehemalige Torwart des Vereins, den Trainerposten übernommen, mit dem 1:0 in Gilching glückte ihm der Einstand. "Remlein wird das bis zur Winterpause machen", bestätigt Miefanger, "dann sehen wir weiter." Man werde sich aber auch umhören und habe auch schon Anfragen von Trainern erhalten.

Peter Schmidt freut sich natürlich über die Rückendeckung in Gilching. "Das war auch schon in Deisenhofen so. Den Trainer wechselt man nach Saisonende", sagt der 36-jährige Gymnasiallehrer und zeigt sich überzeugt: "Ein Trainerwechsel in der laufenden Spielzeit hat nur einen kurzfristigen Effekt, der bringt gar nichts." Statistiken und wissenschaftliche Untersuchungen belegten das. Er setzt auf die im neuen Jahr anstehende sechswöchige Wintervorbereitung. Schmidt ist sich sicher: "Meine Spieler sind stark genug." Sollte er trotzdem mal vorzeitig entlassen werden, sei das kein Beinbruch. "Dann gehe ich nach Hause und spiele mit meinen kleinen Söhnen", sagt der Studienrat. "Trainer ist nicht mein Beruf."