Fußball-Bayernliga Pullach spart Energie

Der SV verschwendet "null Komma null" Gedanken an den Aufstieg. Zum Auftakt bekommt es Frank Schmöllers Elf mit dessen "Topfavorit" zu tun.

Von Stefan Galler, Pullach

Da staunte Frank Schmöller nicht schlecht: Sage und schreibe acht Aluminiumkisten schleppten die Spieler und ein halbes Dutzend Betreuer des FC Ingolstadt II vom Mannschaftsbus in die Kabine des SV Pullach. Der Coach des Bayernligisten fragte verblüfft: "Wollt ihr bei uns einziehen oder was?" Es mag nur eine Kleinigkeit sein, doch dieser Auftritt der Ingolstädter vor zehn Tagen beim Testspiel im Isartal verdeutlicht den Unterschied zwischen einer Mannschaft, die unter Profibedingungen arbeitet wie die Regionalliga-Reserve des Zweitligisten - und einem Amateurklub ohne große Ambitionen wie der SV Pullach. "Man muss erkennen, in welche Liga man gehört", sagt Schmöller, dessen Elf das Match knapp mit 0:1 verlor.

Und so hat man eben beim kleinen Isartalklub für sich festgestellt, dass die Bayernliga genau die passende Heimat ist - auch wenn man es womöglich sportlich im Kreuz hätte, den Sprung in die Regionalliga zu wagen: 2017 hat der SV den Meistertitel errungen, 2018, 2016 und 2015 ging der Sportverein von der Gistlstraße jeweils auf Rang zwei ins Ziel. Perspektiven, eine regionalligataugliche Spielstätte zu bekommen, gibt es indes weiterhin nicht. "Wir stecken da mittlerweile null Komma null Energie rein", sagt Schmöller. "Das Beispiel Unterföhring gibt uns Recht." Der FCU hatte sich als Zweiter hinter Pullach 2017 auf das Abenteuer Regionalliga eingelassen, indem er sich auf der Anlage des SV Heimstetten einmietete. Als Tabellenletzte stiegen die Unterföhringer sofort wieder ab.

In Pullach wüssten alle, dass es nicht um den Aufstieg, sehr wohl aber auch in der am Wochenende beginnenden neuen Saison wieder um einen Spitzenplatz geht: "Wir wollen unter die ersten Fünf", sagt Schmöller. "Es ist eine ausgeglichene Liga, auch wenn einige ambitionierte Klubs dabei sind." Gegen den ambitioniertesten treten sie gleich zum Auftakt an: Am Sonntag (13.30 Uhr) gastiert Aufsteiger SV Türkgücü-Ataspor an der Gistlstraße. "Der Topfavorit der Liga", sagt Pullachs Cheftrainer über das mit ehemaligen Profis gespickte Team und will kein Understatement des Neulings gelten lassen: "Wenn ich mir einen Porsche kaufe, bleibe ich auf der Autobahn auch nicht hinter einem Fiat zurück." Schmöller betont, das Projekt Türkgücü keineswegs abzulehnen: "Das ist legitim und eine Bereicherung für die Bayernliga."

Im Pullacher Kader sind zwei Zugänge bemerkenswert: Daniel Brändle, 26, Nationalspieler aus Liechtenstein und der neue Mann für die Mittelfeldzentrale. Und Felix Braun, 19, der vom TSV 1860 II kam, zum Saisonstart wegen einer schon länger gebuchten Urlaubsreise jedoch ausfällt. Er soll mittelfristig in die Fußstapfen von Andreas Roth treten, der zum ASV Dachau wechselte und "sportlich wie menschlich" (Schmöller) eine große Lücke in Pullach hinterlassen hat.

Die ungewöhnliche Anstoßzeit ist übrigens dem Finale der Weltmeisterschaft um 17 Uhr geschuldet: Man möchte der Partie eine Art Vorspielcharakter verleihen und hofft auf guten Besuch, weil die anderen Bayernligaspiele am Samstag stattfinden.