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Fußball: 3. Liga:Unterhachinger Perlen

Die Finanznot der SpVgg bewegt Präsident Kupka zum Rückzug - Schatzmeister Schrobenhauser sieht den Klub schuldenfrei.

Wer Tumulte oder gar Handgreiflichkeiten erwartet hatte, wurde enttäuscht. Dennoch ist die Jahreshauptversammlung der SpVgg Unterhaching keineswegs so verlaufen, wie man das aus den Jahren zuvor gewohnt war. Erstmals empfing die Verantwortlichen explizite Kritik, erstmals mussten sie sich rechtfertigen für offenkundige Fehler und ihre restriktive Informationspolitik. Und dann gab es da ja auch noch einen echten Paukenschlag - der als solcher im Lauf des Abends wegen all der Aufregung um die angebliche finanzielle Schieflage des Klubs fast ein bisschen unterging: Engelbert Kupka zieht sich im Sommer nach mehr als 37 Jahren von seinem Posten als Präsident der SpVgg zurück.

Unterhaching, SpVgg Unterhaching, JHV, Foto: Angelika Bardehle

Ende einer Ära: Nach 37 Jahren als Präsident der SpVgg Unterhaching kündigte Engelbert Kupka am Donnerstag in der Jahreshauptversammlung seinen Rückzug zum Sommer an. Er wolle die Geschäfte geordnet übergeben.

(Foto: ANGELIKA BARDEHLE)

"Der Entschluss kommt nicht nur von mir, sondern auch von meinen Ärzten", sagte Kupka am Ende der dreieinhalbstündigen Versammlung. "Ich werde im neuen Jahr 72 Jahre alt und arbeite immer noch 60 Stunden die Woche, das geht nicht spurlos an einem vorbei." Die Ärzte hätten ihm geraten, sofort aufzuhören, doch "das hätte dem Verein den Weg zur Lizenz zusätzlich erschwert", so Kupka. Ihm gehe es darum, den Neuanfang vorzubereiten und die Geschäfte geordnet zu übergeben. "Ich werde auch weiterhin alles tun, was dem Verein nützt, und alles vermeiden, was ihm schadet."

Nach diesem Prinzip sollte die Führung eines Klubs eigentlich stets handeln - dem Präsidium der SpVgg Unterhaching ist das im Lauf dieses Jahres jedoch keineswegs immer gelungen. Vor allem die Episode mit dem vermeintlichen Investor Franco Levis, auf dessen Millionen man im Sportpark vergeblich wartete, brachte den früheren Fußball-Bundesligisten an den Rand der Pleite - und die Fans auf die Palme. Einer äußerte in der Versammlung sein Unverständnis darüber, wie man den Versprechungen derart blauäugig habe folgen können: "Als der Name Levis publik wurde, habe ich meine Sekretärin gebeten, im Internet nach ihm zu suchen.

Und nach zwei Minuten hatte sie herausbekommen, dass es keine Steueridentnummer zu ihm gibt", sagte das Mitglied aus Rosenheim. "Von Geschäften mit solchen Leute lasse ich doch die Finger." Kupka rechtfertigte sich leidenschaftlich: "Es war nicht so, dass wir da total deppert reingelaufen sind. Wir haben Anwälte eingeschaltet, den Vertrag von Levis zum Kauf der Praterinsel für 50 Millionen Euro prüfen lassen", sagte Kupka (der Vertrag wurde rückabgewickelt, weil das Geld nie gezahlt wurde, Anm. d. Red.).

Die Posse um Levis sei aber nicht der Hauptgrund für die finanziellen Probleme des Vereins, beteuerte Kupka. Vielmehr gehe es um die mangelhafte wirtschaftliche Ausstattung der Drittligisten - eines von Kupkas Lieblingsthemen. Um sich von den Zuwendungen des DFB unabhängiger zu machen, will man den sportlichen Kurs korrigieren: Die Kosten für den Lizenzspielerbereich sollen um 50 Prozent sinken, der Stamm der ersten Mannschaft aus der Jugend- und Amateurabteilung rekrutiert werden.

Der Aufstieg sei erst dann wieder Thema, wenn potente Sponsoren dahinter stehen, man wolle sportliche Ziele künftig mehr als bisher an die finanziellen Gegebenheiten anpassen. Kritische Nachfragen von Mitgliedern, wie man im Profibereich abspecken wolle angesichts von gültigen Verträgen, blieben unbeantwortet. Zumindest erklärte sich Cheftrainer Klaus Augenthaler bereit, "den Weg mit jungen Spielern mitzugehen". Allerdings betonte der Coach, dass dieser Weg alles andere als leicht werde: "Zu Saisonbeginn haben wir das ja auch schon versucht, da gab es in vier Spielen null Tore und zwei Punkte." Trotz der schwierigen Situation dankte Augenthaler dem Präsidium, "dass der Verein noch besteht".

Zu der ganzen Aufregung um die finanzielle Schieflage passte nicht, was Schatzmeister Anton Schrobenhauser der Versammlung mitteilte. Die Situation sei seit dem Abstieg aus der 2.Liga immer gleich prekär, von einer drohenden Insolvenz habe nie die Rede sein können. "Da hat unser ehemaliger Manager Erich Meidert Halbwahrheiten an die Presse weitergegeben, die Zeitungen haben das aufgebauscht, und damit wurden dann potenzielle Sponsoren abgeschreckt."

Mittlerweile sei der Klub durch die Veräußerung des VIP-Hauses schuldenfrei: "Wir haben erstmals seit Jahren am Saisonende ein positives Ergebnis. Eigentlich müssten wir Champagner ausschenken", meinte Schrobenhauser. Zumal sein Schwiegersohn, Sportdirektor Francisco Copado, auf gutem Wege sei, einen neuen Hauptsponsor für die im Sommer ausscheidende Generali an Land zu ziehen - vor einer Woche hatte es noch so ausgesehen, als stehe Copado vor der Ablösung. Kupka widersprach den Gerüchten: "Es hat nie einen diesbezüglichen Beschluss gegeben. Ich habe lediglich vor den Jugendtrainern angesprochen, dass Copado überlegt, ob er weitermachen soll."

Das Schlusswort gebührt dem mächtigen Mäzen Schrobenhauser: "Wir sind nicht nur ein Verein, sondern auch ein Wirtschaftsunternehmen. Da kann ich nicht alle Betriebsgeheimnisse preisgeben." Mögen die Mitglieder noch so gerne wissen wollen, was mit ihren Beiträgen passiert.