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Eishockey:Tölzer Löwen kündigen Vertrag mit Hauptsponsor Wee

Eishockey Tölzer Löwen WEE-Aena

Draußen standen am Freitag nur ein paar weiße Wolken am Himmel über der Wee-Arena, drinnen gab es dunkle Neuigkeiten: Die Tölzer Löwen gaben in einer Pressekonferenz das Ende der Partnerschaft bekannt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Saison ist aber nicht Gefahr, Gehälter und Rechnungen würden pünktlich bezahlt. Nun sucht der DEL2-Klub einen neuen Namen für das Eisstadion.

Von Christian Bernhard, Bad Tölz

Der entscheidende Satz fiel schon nach wenigen Sekunden. Herzlich Willkommen im Eisstadion Bad Tölz, "wie wir es ab heute nennen", sagte der Pressesprecher der Tölzer Löwen am Freitag gleich zu Beginn der Pressekonferenz. Und das, obwohl einem am Stadioneingang und im Stadion unübersehbar an vielen Stellen nach wie vor der Wee-Schriftzug ins Auge springt. Seit 2017 ist das in der Schweiz ansässige Unternehmen, das über Lizenznehmer den Online- mit dem stationären Einzelhandel verzahnen will, Hauptsponsor der Löwen.

"Der Hauptsponsor ist uns abhanden gekommen", sagt Löwen-Präsident Hubert Hörmann

Doch damit ist jetzt Schluss. Die Tölzer Verantwortlichen haben den Vertrag mit ihrem Hauptsponsor und Arena-Namensgeber gekündigt, der eigentlich auch in der kommenden Saison noch gültig gewesen wäre. Der Klub spricht bereits vom "bisherigen Hauptsponsor" und verweist darauf, dass das Unternehmen um den Gründer und gebürtigen Tölzer Cengiz Ehliz seinen vertraglich zugesagten Pflichten nicht nachgekommen sei. "Wir haben trotz vieler intensiver Gespräche keine Hoffnung mehr gesehen, die uns zustehenden Beträge noch zu erhalten", sagte Hubert Hörmann, Präsident des EC Bad Tölz und Mitglied im Beirat der Löwen. Hörmann drückte es so aus: "Der Hauptsponsor ist uns abhanden gekommen."

Hörmann saß am Freitag auf einem inmitten der Stadion-Eisfläche platzierten Hocker, wenige Meter neben ihm war Löwen-Geschäftsführer Jürgen Rumrich. Zusammen präsentierten sie die Aktion "Euer Name - Unsere Heimat", mit der ein Teil der "Lücke" geschlossen werden soll, den die ausstehenden Wee-Zahlungen in die Kassen der Löwen gerissen haben. Nach SZ-Informationen ist es ein mittlerer sechsstelliger Betrag, der für diese Saison fehlt. Rumrich sagte, es handele sich um einen "der größten Sponsorenverträge in der DEL2" und betonte abermals, "dass wir für die laufende Spielzeit keinerlei Probleme haben". Rechnungen und Gehälter würden pünktlich bezahlt. Die Löwen-Mannschaft startet am kommenden Donnerstag mit einem Heimspiel ins Playoff-Viertelfinale gegen die Ravensburg Towerstars.

Am 26. Mai wird der neue Name des Eisstadions präsentiert, jeder kann für 100 Euro einen Vorschlag abgeben

Derweil suchen die Löwen nach einem neuen Namen für das Eisstadion - und das mit einer Aktion, die es laut Klub "im deutschen Sport so noch überhaupt nicht gab". In der ersten Aktionsphase können alle Interessierten ab kommenden Montag für mindestens 100 Euro "virtuelle Pucks" erwerben und mit einem Namensvorschlag versehen. Die acht Namen, die nach zwei Wochen am häufigsten gewählt werden, kommen in die zweite Runde. Dort kostet die Unterstützung des jeweiligen Lieblingsnamens nur noch zehn Euro. Am 26. Mai wird dann der neue Stadionname für die kommende Saison präsentiert, ein Teil der Einnahmen soll auch in die Tölzer Jugendförderung fließen.

Das große Ziel, das über allen aktuellen Löwen-Aktivitäten steht, ist die Fortführung des DEL2-Spielbetriebs in der kommenden Saison. "Wir können uns nicht verstecken, und wegducken geht auch nicht", sagte Hörmann. "Wir haben nur eine Chance: alle ziehen an einem Strang." Wie viel Geld durch die Aktion eingesammelt werden soll, wollte die Löwen-Führung nicht beziffern. Eine Zahl anzugeben, wäre unseriös, befand Hörmann. Neben einem finanziellen Ertrag, mit Hilfe dessen die Lizenzierung für die kommende DEL2-Saison geschafft werden soll, erwartet sich der Klub durch die Aktion vor allem Aufmerksamkeit. Rumrichs Ziel ist es, auch überregionale Sponsoren auf die Tölzer Löwen aufmerksam zu machen. Parallel dazu geht er auch weiterhin auf "normale" Sponsorensuche. In der Kürze der Zeit wieder so einen großen Sponsor zu finden wie Wee, sei allerdings fast unmöglich, erklärte Rumrich.

Eine rechtliche Auseinandersetzung mit dem Sponsor Wee wird kaum zu vermeiden sein, glaubt Löwen-Präsident

Das Thema Wee ist durch die Vertragskündigung von Seiten des Klubs freilich nicht vom Tisch. Hörmann kann sich nur schwer vorstellen, dass eine rechtliche Auseinandersetzung zu verhindern sein wird. "Ich komme um eine Auseinandersetzung fast nicht herum", sagte er mit Verweis auf den rechtsverbindlichen Vertrag. Kontakt zu Cengiz Ehliz habe es in den vergangenen Wochen "ganz wenig" gegeben, Hörmann habe ihn immer wieder mal gesucht, "aber da kommt nichts." Hörmann will jetzt nach vorne blicken: "Wir hadern nicht, wir jammern nicht", betonte er. "Wir sind positiv, wir glauben an uns, wir glauben an euch", sagte er mit Blick auf die vielen Leute, die dem Verein bereits angeboten hätten, zu helfen. "Euer Name - Unsere Heimat" soll die Plattform dafür sein. Theoretisch kann auch Cengiz Ehliz daran teilnehmen.

© SZ
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