Eishockey Großzügig beschenkt

In seiner Geburtsstadt Iserlohn lässt der EHC München Kevin Reich ins Tor, doch der kassiert acht Gegentreffer. Das liegt zumeist an Nachlässigkeiten seiner Vorderleute.

Von Christian Bernhard

Kevin Reich hatte lange auf diesen Moment gewartet. Obwohl der EHC Red Bull München bereits sieben Pflichtspiele in der laufenden Saison bestritten hatte, musste der 22-jährige Torhüter, der im Sommer zur Nummer zwei des deutschen Meister befördert worden war, sieben Mal zuschauen, wie Danny aus den Birken das EHC-Tor hütete. Am Sonntag bekam Reich in seiner Geburtsstadt Iserlohn seinen ersten Einsatz - und hätte im Nachhinein wohl gerne darauf verzichtet.

Denn der Torhüter konnte nicht verhindern, dass die Münchner am vierten Spieltag der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ihre erste Niederlage kassierten. Er fing sich beim 3:8 auch noch acht Gegentore ein und verfolgte die letzten Spielminuten wieder von der Bank aus, da ihn aus den Birken erlöste. Grobe Fehler machte Reich keine, die Niederlage war Folge zahlreicher Münchner Defensivnachlässigkeiten.

"Ich weiß nicht, was sich sagen soll", erklärte er direkt nach Spielende sichtlich getroffen. Für ihn fühlte es sich an, als wäre alles Negative an einem Tag zusammengekommen: "Ich hab viel falsch gemacht", sagte er, "wir als Team haben Fehler gemacht." Jon Matsumoto dagegen, der gegen seine ehemaligen Münchner Teamkollegen zweimal erfolgreich war, grinste und betonte: "Wir hatten heute auch etwas Glück." Die Klatsche machte aus dem EHC-Wochenende, das emotional erfreulich mit dem 2:1-Derbysieg gegen die Augsburger Panther gestartet war, ein bescheidenes.

Der EHC geht mit Kevin Reich im Tor gegen Iserlohn und Jon Matsumoto 3:8 unter.

(Foto: GEPA pictures/ City-Press)

EHC-Trainer Don Jackson hatte in Iserlohn einige Änderungen in der Aufstellung vorgenommen. Kapitän Michael Wolf rotierte zu Matt Stajan und Jason Jaffray, Patrick Hager rückte auf den Flügel und bildete mit Mark Voakes und Mads Christensen eine Reihe, und Andreas Eder durfte erstmals in dieser Saison auf seiner Lieblingsposition als Center zwischen Maximilian Kastner und Frank Mauer ran. Nur die Topreihe um John Mitchell, Trevor Parkes und Justin Shugg blieb unverändert.

Die Änderungen fruchteten gleich: Wolf spielte Stajan schön frei und der Kanadier hatte aus kurzer Distanz kein Problem, sein erstes DEL-Tor zu erzielen (6.). Die Münchner kontrollierten das Spiel, gaben es aber völlig aus der Hand. Erst ließ Dieter Orendorz, der am Freitag bei Iserlohns wilder 5:6-Niederlage in Krefeld noch eine Spieldauerdisziplinarstrafe kassiert hatte, Reich mit einem Schuss ins Kreuzeck keine Chance (9.). Dann war die EHC-Defensive so löchrig, dass Anthony Camara (19.) und Matsumoto (20.) zwei Alleingänge vollenden konnten. Matsumoto bejubelte den Treffer kaum, kaute betont lässig auf seinem Kaugummi herum, als er von seinen Teamkameraden geherzt wurde. Bloß keine Emotionen zeigen. Damit kassierte der EHC im Startdrittel nur ein Tor weniger als in den ersten drei Liga-Spielen zusammen.

Am Freitag bejubelt Torschütze Trevor Parkes lässig den Münchner 2:1-Sieg im Derby gegen die Augsburger Panther.

(Foto: Marcel Engelbrecht/imago/GEPA)

Auch zu Beginn des Mitteldrittels ließ der Meister einiges zu, dann aber fand er wieder zu seiner dominanten Spielweise, die ihm das 2:3 durch einen harten Schuss von Verteidiger Derek Joslin bescherte (31.). Der Schwung war jedoch bald wieder verflogen und Dylan Yeo stellte in Überzahl mit einem Rückhandschuss Iserlohns Zwei-Tore-Vorsprung wieder her (39.). Der Treffer des Verteidigers war Münchens erstes Unterzahl-Gegentor der DEL-Saison. "Wir haben zwar viel die Scheibe, bringen aber nur wenig zum Tor", sagte Wolf nach dem Mitteldrittel. "Wir haben den ein oder anderen Fehler zu viel gemacht und müssen jetzt ein bisschen cleverer sein."

Das misslang gewaltig, Yannic Seidenberg verlor die Scheibe an Matsumoto, der erhöhte auf 5:2 (44.), dann waren auch noch Keaton Ellerby (49.), Michael Clarke (52.) und Sasa Martinovic (54.) für die Roosters erfolgreich. Bei den Münchnern wurden Erinnerungen an das 0:9 vor fünf Jahren in Mannheim wach. Iserlohns Trainer Rob Daum hatte vor der Partie betont, es sei einfach, sich auf die Münchner vorzubereiten, "weil du genau weißt, was sie machen. Aber es ist nicht leicht, sie zu schlagen." Mit ihren Defensiv-Aussetzern machten sie es den Roosters diesmal allerdings leicht - und Kevin Reich sehr schwer.