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Eishockey:Glanz ohne Glimmer

LAMOUREUX Mario Tölzer Löwen 90), 2020/21 DEL 2 Tölzer Löwen vs EC Kassel Huskies 28. Spieltag am 02.02.2021 in Bad Tölz; Eishockey

"Wenn du neu bist in einer Mannschaft, musst du sehen, dass du deinen Teil beiträgst": Mario Lamoureux, 14 Spiele, 19 Scorerpunkte für die Tölzer Löwen.

(Foto: Germann/Eibner / Imago)

Mit 19 Punkten in 14 Spielen für die Tölzer Löwen hat sich der als Ersatzmann nachverpflichtete US-Amerikaner Mario Lamoureux für eine Weiterbeschäftigung empfohlen. Dafür fehlt an der entscheidenden Stelle allerdings der Ansprechpartner.

Von Johannes Schnitzler, Bad Tölz/München

Nach vier Minuten hatte Rob Pallin fürs Erste genug gesehen. Auszeit. "Ich wollte meinen Spielern sagen, dass die Partie seit vier Minuten läuft", erklärte der Trainer des ESV Kaufbeuren und - obwohl es wirklich nicht nötig gewesen wäre - ergänzte: "Ich war ziemlich sauer." Die Gäste aus dem Allgäu hatten sich einen echt üblen Scherz mit ihrem Coach erlaubt, so sah Pallin das. Fünf ihrer vorherigen sechs Spiele hatten sie gewonnen. Nun aber lagen sie bei den Tölzer Löwen nach 3:47 Minuten 0:2 zurück, nach 20 Minuten hieß es 2:5, "es war ein schreckliches erstes Drittel", stöhnte Pallin. Danach wurde es zwar besser. Am Ende aber stand am Dienstag ein klarer 7:3 (5:2, 0:1, 2:0)-Erfolg für Bad Tölz auf dem Spielbericht. Nach zwei Niederlagen zuvor festigten die Löwen Rang drei in der DEL 2.

Bei den entscheidenden Treffern hat Lamoureux oft den Schläger im Spiel

Einen nicht unerheblichen Anteil an diesem für Rob Pallin ungemütlichen Abend hatte Mario Lamoureux. Nur 33 Sekunden nach dem 1:0 durch Max French, einer kunstvollen Kombination der ersten Reihe über Marco Pfleger und Reid Gardiner, hatte der Mittelstürmer der zweiten Tölzer Angriffsformation mit einem energischen Zug zum Tor das wichtige 2:0 nachgelegt, das Pallin so aus der Fassung brachte. Beim 6:3 (49.), nach Ansicht von Löwen-Coach Kevin Gaudet der entscheidende Treffer, lieferte Lamoureux den ersten Impuls und auch beim 7:3 (50.) hatte er seinen Schläger im Spiel. Es waren im 14. Einsatz für die Löwen die Scorerpunkte 17, 18 und 19 für den Stürmer aus Grand Forks/North Dakota.

Seit seiner Ankunft Anfang des Jahres in Bad Tölz als Ersatz für den verletzten Tyler McNeely überzeugt der 32-Jährige als verlässlicher Scorer, der seine Mitspieler in Szene zu setzen weiß (sieben Tore, zwölf Vorlagen) und sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Nachdem er am Freitag gegen Weißwasser einen tiefen Einriss am rechten Ohr erlitten hatte, musste er auf Anraten des Mannschaftsarztes am Sonntag in Crimmitschau aussetzen. Beide Spiele gingen verloren. Am Dienstag spielte Lamoureux wieder. Tölz gewann.

"Bad Tölz ist eine große Kleinstadt. Ich komme auch aus einer Kleinstadt. Da bekommt man schon mit, wie die Fans mit der Mannschaft fiebern."

"Wenn du neu bist in einer Mannschaft, musst du sehen, dass du deinen Teil beiträgst", sagt Lamoureux. Trotz der Querelen um den säumigen Hauptsponsor Wee mache es ihm Spaß, für die Löwen zu spielen. "Ich rede nicht zu viel, aber ich versuche die Stimmung in der Kabine positiv zu beeinflussen." Zwar sei die Situation ohne Zuschauer im Stadion ungewohnt. "Aber meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl. Bad Tölz ist eine große Kleinstadt. Ich komme auch aus einer Kleinstadt. Da bekommt man schon mit, wie die Fans mit der Mannschaft fiebern."

Berühmte Schwestern: Jocelyne, links, und Monique Lamoureux, Olympiasiegerinnen und sechsfache Weltmeisterinnen mit dem Team USA.

(Foto: Carlo Allegri/AP Photo)

Lamoureux ist der Sohn einer echten Eishockey-Familie. Seine Schwestern Jocelyn und Monique gewannen die olympische Goldmedaille und sechs WM-Titel mit dem Team USA, auch Vater Pierre, die Brüder Jaques und Pierre-Paul und ein Schwager spielten als Profis oder am College. Marios älterer Bruder Jean-Philippe, 36, steht beim EC Red Bull Salzburg im Tor. Kurzzeitig standen sie sogar zusammen auf dem Eis, in Villach, 2014 Marios erster Station in Europa, der weitere in Dänemark, Österreich und der Schweiz folgten. Nach Tölz kam er aus Ungarn. Die Unterstützung seines Bruders habe ihm damals sehr geholfen, sagt Lamoureux, denn "wenn du aus Amerika hierher kommst, ist erst mal alles neu". Noch heute telefonierten sie ab und zu. Sehen konnten sie sich aber, trotz der neuen räumlichen Nähe, seit Januar noch nicht wegen der Corona-Reisebeschränkungen.

Am Profil eines Nachfolgers für Geschäftsführer Donbeck wird noch gefeilt

Ob es mit einem längeren Aufenthalt in Bad Tölz klappt, steht in den Sternen. Lamoureux' Vertrag ist bis 28. Februar befristet, seit dem Abschied von Geschäftsführer Christian Donbeck in der vergangenen Woche ist dessen Position vakant. Zwar tagte der Beirat der Tölzer Eissport GmbH am Mittwoch wieder, aber noch wird wohl am Profil des Nachfolgers gefeilt. Für Lamoureux ist die Situation ohne direkten Ansprechpartner doppelt kompliziert. Dass er dem Team sportlich hilft, steht außer Frage. Er müsse aber vor allem darüber nachdenken, was "die beste Option für meine Familie" sei. So erklärt Lamoureux auch seine vielen Vereinswechsel. Vergangene Saison, als Topscorer der Dresdner Eislöwen, wäre er gerne geblieben. "Ich weiß nicht, warum das nicht geklappt hat." Aber so ist das Geschäft.

Anders als seine beiden Schwestern, die vergangene Woche ihren Rücktritt erklärten, habe er noch nicht ans Aufhören gedacht. "Ich will noch ein paar Jahre auf hohem Niveau in Europa spielen", sagt Mario Lamoureux, der übrigens als einziger in seiner Familie einen italienischen und keinen französischen Vornamen trägt. "Ich weiß", sagt er, "ich habe das meine Eltern auch gefragt. Ihnen hat wohl einfach der Name Mario gefallen." Als schwarzes Schaf der Familie sehe er sich deswegen nicht - "hoffe ich zumindest". Da müsste er schon auf einen anderen Spleen verfallen. Ob er angesichts seines Laufs mal über den Künstlernamen "Glamoureux" nachgedacht habe? "Vielleicht sollte ich den Namen für meine Schwestern sichern lassen", sagt Lamoureux und lacht. Für ihn selbst sei das definitiv nichts: "Wenn ich den Namen annehmen würde, würden mich meine Brüder wahrscheinlich verprügeln." Lieber glänzt er, indem er an diesem Donnerstag (19.30Uhr) gegen Bad Nauheim wieder ein paar Argumente für seine Weiterbeschäftigung sammelt.

© SZ/lib
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