Deutsche Eishockey Liga Lücken in der Abwehr

Mehr Sorgen als die Niederlage gegen Mannheim und der Verlust der Tabellenführung bereitet dem EHC München der Ausfall von bereits vier Verteidigern

Von Christian Bernhard

Don Jackson hat ein ungewöhnliches Wochenende hinter sich. Der Trainer des EHC München hatte nach dem 2:5 seiner Mannschaft gegen die Adler Mannheim im Spitzenspiel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nicht viel zu loben, was nach zuvor sieben Siegen in Serie ein neues Gefühl für ihn war. "Wir waren von Anfang an nicht so stark wie gewohnt", sagte der Amerikaner. Mannheim sei zu leicht aus seiner Defensivzone gekommen, "und wir hätten körperbetonter spielen müssen". Trotzdem war der EHC im hochklassigen Duell zwischen den zwei Liga-Dominatoren bis drei Minuten vor Schluss im Spiel, ehe zwei Schüsse ins leere Tor aus einem 3:2 ein 5:2 für die Adler machten. Einer seiner Spieler bekam aber doch ein paar warme Worte des Trainers. Tim Bender habe einen guten Job gemacht, sagte Jackson: "Er hatte einige gute Aktionen mit der Scheibe."

Der erst 19-jährige Verteidiger kam vom zweiten Drittel an neben Benedikt Brückner zum Einsatz und machte seine Sache mehr als ordentlich. Das sah auch Daryl Boyle so. Der Nationalverteidiger, der mit seinem Überzahltor zum 2:3 (51.) die spannende Schlussphase eingeleitet hatte, hält große Stücke auf Bender. "Er wird ein sehr guter Spieler werden, wenn er älter wird", sagte er. Damit er sich so weiter entwickle, brauche Bender vor allem eines: Spiele.

Die würde der Förderlizenzspieler, der regelmäßig beim Zweitligisten SC Riessersee zum Einsatz kommt, momentan ohne Probleme beim EHC bekommen. Denn neben der Niederlage gegen die Adler (die am Sonntag 4:2 gegen Iserlohn gewannen und den EHC auf Platz eins ablösten) schmerzte die Münchner der nächste Ausfall. Felix Petermann hatte sich im zweiten Spielabschnitt eine Verletzung am linken Arm zugezogen und musste ins Krankenhaus. Eine genaue Diagnose steht noch aus, Klärung soll eine Magnetresonanz-Untersuchung am Montag bringen. Don Jackson ist jedenfalls besorgt: "Mein Gefühl sagt mir, dass er uns länger fehlen wird."

Mit dem 2:5 gegen Mannheim verabschiedet sich der EHC München vorerst von der Tabellenspitze.

(Foto: imago/GEPA pictures)

Petermann ist schon der siebte Ausfall eines Stammspielers, besonders die Abwehr ist nach den Ausfällen von Andy Wozniewski (Oberkörperverletzung), Jeremy Dehner (Adduktorenriss im rechten Bein), Grant Lewis (Sehnenabriss an der rechten Schulter) und nun Petermann schwer dezimiert. Dominik Kahun fehlte gegen die Adler zwar nur aufgrund einer Erkältung, ist aber wie Bender, der gegen Mannheim Petermanns Platz einnahm, auf dem Sprung zur U20-Weltmeisterschaft in Kanada. Wenn der EHC am Donnerstag in Hamburg antritt, sind beide schon in Übersee. "Das sind gerade schwere Zeiten", betont Yannic Seidenberg, auch einer der Verletzten. Der Nationalspieler zog sich Anfang Dezember einen Daumenbruch zu, am Freitag wurden ihm die Fäden gezogen. Seidenberg hofft, mit Hilfe einer Spezialschiene früher als geplant zurückzukommen - prognostiziert waren sechs bis acht Wochen Pause.

Gegen die Adler war zu erkennen, dass die vielen Verletzungen Auswirkungen auf das EHC-Spiel hatten. Den Münchnern ging gegen Ende der Partie die Energie aus, ein in dieser Saison untypischer Vorgang. "Gegen Ende hin hat man gemerkt, dass wir das Tempo, das wir sonst spielen, nicht halten konnten", sagte Seidenberg. "Die Jungs waren gegen Ende etwas müde", konstatierte Jackson. Dennoch gingen die Münchner nicht mit einem schlechten Gefühl aus dem Spitzenspiel. Ab dem zweiten Drittel war der EHC am Freitagabend laut Seidenberg "die bessere Mannschaft".

Seidenberg kennt Mannheim bestens. Der gebürtige Schwenninger kam schon als Jugendlicher zu den Jungadlern, zweimal erreichte er mit den MERC-Profis das Playoff-Finale. Trotz der zwei Saisonniederlagen gegen Mannheim sieht er den EHC auf Augenhöhe mit den Adlern - auch was das Umfeld betrifft. "Ich glaube, dass wir hier genauso gut aufgestellt sind", sagt Seidenberg. "Große Unterschiede sehe ich nicht." Beste Voraussetzungen dafür, dass das Kopf-an-Kopf-Duell zwischen den zwei DEL-Schwergewichten in den kommenden Wochen seine Fortsetzung findet.