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Basketball:Wenigstens bremsen

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Beeindruckend: Vor dem von Boston nach Istanbul gewechselten Shane Larkin (rechts) haben die FC-Bayern-Basketballer enorm Respekt.

(Foto: Stephen Lew/imago)

Zum Euroleague-Start bekommt es der FC Bayern mit einem unangenehmen Gegner zu tun: Der Vorjahresletzte Efes Istanbul hat sein Team mächtig verstärkt.

Von Joachim Mölter

Nervös? Nö, "eher positiv aufgeregt" sei er, sagt der Basketball-Profi Maodo Lo vor dem Start des FC Bayern München in die Euroleague-Saison an diesem Donnerstag (20.30 Uhr). Die Begründung für das angenehme Kribbeln schickt der 25-Jährige gleich hinterher: "Weil es halt gegen die Besten geht - das ist ein Reiz, den man als Spieler haben möchte."

Maodo Lo hat diesen Reiz in jüngerer Vergangenheit bei Brose Bamberg erlebt, ehe er im Sommer nach München wechselte. Dort haben sie drei Jahre darauf warten müssen, dass sie wieder im höchsten europäischen Klub-Wettbewerb mitmachen dürfen dank des nationalen Titelgewinns im Frühsommer. Im Vergleich zu ihrer letzten Teilnahme mit Gruppenspielen in Vor- und Zwischenrunde und anschließenden Playoffs erwartet die Münchner nun ein anderer Modus, ein Ligabetrieb mit mindestens 30 Partien - zusätzlich zu den wenigstens 34 Spielen in der Bundesliga. "Das ist schon eine Belastung", weiß Lo aus seiner Bamberger Zeit, "aber es macht auch Spaß, auf diesem Niveau zu spielen."

Wo auf diesem internationalen Niveau sich die mit drei Siegen in den nationalen Betrieb eingestiegenen Münchner schon bewegen, werden sie gleich zum Auftakt sehen, der ihnen ein Heimspiel beschert gegen den türkischen Pokalsieger Anadolu Efes Istanbul. Der war in der vorigen Saison mit 7:23 Siegen Letzter der 16 Klubs und will das nicht noch einmal werden. Deshalb hat der Verein seinen Kader runderneuert und neun neue Profis engagiert, darunter den deutschen 2,18-Meter-Center Tibor Pleiss, 28. Vorige Woche hat Anadolu Efes gleich den türkischen Supercup gewonnen durch ein 65:62 über den Lokalrivalen Fenerbahce, immerhin Euroleague-Finalist der vergangenen drei Jahre (und Gewinner 2017). "Das war schon mal 'ne krasse Leistung", findet Lo.

In München sind sie jedenfalls schwer beeindruckt. Chefcoach Dejan Radonjic spricht von einer "riesigen Herausforderung" und "einer der vielleicht besten Mannschaften der diesjährigen Euroleague". Auch Petteri Koponen, der vor der Saison vom FC Barcelona geholte Spielmacher, glaubt: "Das wird schwierig. Anadolu Efes ist auf jeder Position stark besetzt."

Vor allem auf den Guard-Positionen haben die Istanbuler sich mächtig verstärkt, unter anderem mit dem ehemaligen Bayern-Profi Vasilije Micic, 24, der sich in der vorigen Saison bei Zalgiris Kaunas auf internationalem Topniveau etablierte. Aber auch mit dem Franzosen Rodrigue Beaubois, 30, in der nordamerikanischen Profiliga NBA einst Teamkollege von Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks. Vor allem aber mit dem Amerikaner Shane Larkin, 26, der von den Boston Celtics nach Europa zurückkehrte. Unabhängig voneinander erinnern sich Lo und Koponen an die Saison 2016/17, in der Larkin im Trikot von Baskonia Vitoria "die Euroleague dominiert hat", wie es beide formulieren. Auch Radonjic nennt den nur 1,82 Meter großen Larkin an erster Stelle, wenn er über den prominent besetzten Kader der Gäste referiert. "Auf den Guard-Positionen wartet wirklich die Elite", resümiert Lo. Routinier Koponen, 30, weiß: "Die sind so gut, da kann man nicht alles verhindern. Aber wir müssen versuchen, sie wenigstens zu bremsen."

Radonjic wird sich etwas einfallen lassen müssen, er will noch die letzten Trainingseindrücke abwarten, ehe er über einen Einsatz des jüngsten Münchner Zugangs Derrick Williams entscheidet. Der Power Forward bringt immerhin die Erfahrung von 443 NBA-Einsätzen mit - und 110 Kilo, die man dem Spiel von Anadolu Efes entgegenstellen kann.

© SZ vom 10.10.2018
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