Basketball Schweigsam in Madrid

Kleiner Durchhänger: Leon Radosevic baumelt nach seinem Dunk am Korb, es blieben seine einzigen zwei Punkte.

(Foto: imago/kolbert-press)

Der FC Bayern München verliert beim Euroleague-Titelverteidiger wenig überraschend 78:91 und rutscht auf Platz neun ab. Die Chancen auf die Playoff-Runde der besten Acht sind dennoch intakt.

Von Joachim Mölter, Madrid/München

Dejan Radonjic ist kein Freund vieler Worte, das hat er nach dem Euroleague-Spiel der von ihm gecoachten FC-Bayern-Basketballer am Freitagabend ein weiteres Mal nachgewiesen. Das 78:91 (39:42) bei Real Madrid bilanzierte der Montenegriner in vier Sätzen: "Gratulation an Real zum verdienten Sieg. Bis auf eine knappe Minute und ein paar Sekunden war es eine gute erste Hälfte von uns. Nach dem dritten Viertel war das Spiel allerdings entschieden, sie hatten schnell einen klaren Vorsprung und haben es dann kontrolliert. Unsere Personallage der letzten Wochen ist nicht einfach, aber wir kämpfen weiter."

Die Niederlage war schnell abgehakt, beim Titelverteidiger kann man ja mal verlieren. Zumal in Madrid in dieser Saison sowieso erst eine Mannschaft gewonnen hat, ZSKA Moskau nämlich, der Halbfinalgegner des Vorjahres und seit Jahren einer der Titelkandidaten. So weit sind die Münchner noch nicht, sie kämpfen in dieser Saison darum, als erste deutsche Mannschaft die Playoffs im höchsten europäischen Wettbewerb zu erreichen. Während sich Real durch den Erfolg bereits für die Runde der besten Acht qualifizierte, fiel der FC Bayern mit nun 11:12 Siegen vorerst auf Platz neun zurück.

Vor 10 200 Zuschauern reichten den von ihrem Spielmacher Sergio Llull (15 Punkte) angetriebenen Madrilenen am Freitagabend im Grunde zwei Zwischenspurts, um den FC Bayern zu distanzieren. Der erste war ein 14:0-Sprint innerhalb von 110 Sekunden zum 31:17 (12.), der zweite ein 16:2-Lauf innerhalb von 202 Sekunden zum 62:47 (28.). Während die Münchner den ersten Rückstand noch aufholen konnten, erholten sie sich vom zweiten Rückschlag nicht mehr. "Wir haben im dritten Viertel viel zu viele Fehler gemacht", resümierte Danilo Barthel, der Kapitän der Gäste aus München.

Der Flügelspieler befand, dass Real in diesem Abschnitt "unsere Schwächen in der Rotation und beim Rebounding" ausgenutzt habe. Auch Trainer Radonjic hatte ja indirekt auf den dauerverletzten Forward Milan Macvan (Kreuzbandriss), den schon seit zweieinhalb Monaten fehlenden Center Devin Booker (Verletzung am Sprunggelenk) sowie den neuerlichen Ausfall von Spielmacher Stefan Jovic (Hüftbeschwerden) hingewiesen. Die Real-Profis hatten es jedenfalls leicht, die Zone unter dem Korb zu verteidigen. "Letztlich haben sie es zu einfach nach Hause gebracht", fand Barthel, der seine 14 Punkte als erfolgreichster Werfer seines Teams mittels vier Treffern aus der Dreierdistanz und zwei verwandelten Freiwürfen sammelte. Beim FC Bayern punkteten außerdem Petteri Koponen, Vladimir Lucic und Nihad Djedovic zweistellig (jeweils zehn).

Sieben Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde hegen noch sechs Mannschaften berechtige Hoffnungen auf die Playoff-Teilnahme, und wenn man sich die restlichen Aufgaben aller Aspiranten anschaut, dann sind die Münchner trotz der Niederlage bei Real in keiner so schlechten Lage. Die aktuell sechstplatzierten Mailänder (12:11 Siege) müssen noch gegen die ersten Vier der Tabelle antreten, gegen drei davon zudem auswärts. Und zu Hause erwarten sie den direkten Rivalen Olympiakos Piräus (Siebter mit ebenfalls 12:11 Erfolgen), der von der Papierform her gemeinsam mit dem FC Bayern das leichteste Restprogramm hat. Beide Klubs bekommen es mit den vier Teams auf den letzten vier Plätzen zu tun: Kaunas, Gran Canaria, Podgorica und Darussafaka Istanbul - und einmal miteinander.

Die derzeit dank des besseren direkten Vergleichs vor den Münchnern auf Rang acht liegenden Basken von Vitoria-Gasteiz (11:12) haben zwar den Vorteil, von den verbleibenden sieben Partien fünf zu Hause bestreiten zu dürfen, aber in den letzten drei Duellen treffen sie auf Real, Anadolu Efes Istanbul und ZSKA Moskau, die unmittelbaren Verfolger von Tabellenführer Fenerbahce Istanbul, alles also keine leichten Herausforderungen. Während Panathinaikos Athen (10:13) als Elfter wohl die geringsten Chancen hat, könnte den Münchnern vor allem Maccabi Tel Aviv (ebenfalls 10:13) noch gefährlich werden. Die Israelis haben im Heimspiel gegen den FC Bayern deutlich gesiegt (95:71), und gelänge ihnen im Rückspiel am 7. März erneut ein Erfolg, würden auch sie den deutschen Meister aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs hinter sich lassen, zumindest falls beide Teams am Ende die gleiche Zahl von Siegen aufweisen. Die Partie gegen Maccabi wird also ein Schlüsselspiel sein auf dem Weg in die Playoffs. Aber erst einmal müssen die Münchner am Freitag bei Budocnost Podgorica bestehen, dem Tabellenvorletzten.

Das ist nur auf den ersten Blick eine leichte Aufgabe, die Mannschaft aus Montenegro hat alle ihre sechs Siege zu Hause eingefahren, darunter auch gegen Spitzenteams wie ZSKA Moskau (93:92) und Real Madrid (73:60). Die Münchner sollten also gewarnt sein, doch dafür wird schon ihr Trainer sorgen. Dejan Radonjic wird vor und nach dieser Partie sicher mehr zu erzählen haben als üblich. Der 49-Jährige ist in Podgorica geboren, er hat mit dem Klub Titel und Trophäen geholt, als Spieler und als Trainer. Aber bei aller Freundschaft: Er will dort bestimmt nicht verlieren.