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Basketball:Im Weihnachtsstress

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Gastspieler, demnächst womöglich mit Festanstellung: 2011 zur Eröffnung des Audi Domes besuchte James Gist (links, neben Jan Jagla) mit Fenerbahce Istanbul München. Bald könnte er einen Vertrag beim FC Bayern unterzeichnen.

(Foto: imago sportfotodienst)

Der FC Bayern geht in einen Dezember mit elf Spielen: Am Freitag erwarten die Münchner Khimki Moskau, am Sonntag ist Göttingen zu Gast. Im Kader deuten sich Veränderungen an.

Von Ralf Tögel

"So ein Spieler wie dieser Gist, der wäre schon auch was für uns." Uli Hoeneß hat das gesagt, damals, als er noch Präsident des FC Bayern und folglich auch die oberste Basketball-Instanz des Münchner Großklubs war. Es ist seither ein bisschen Zeit in die Welt gezogen, was man schon daran sehen kann, dass weiland Bastian Schweinsteiger mit Sarah Brandner auf der Tribüne im Audi Dome turtelte und auf dem Spielfeld sein Kumpel Steffen Hamann dasselbe mit dem Spielgerät versuchte. Man schrieb den 29. September 2011, die noch sehr junge Profi-Abteilung der Bayern weihte an diesem Abend ihre neue Heimstatt ein - zuvor war ja das Olympia-Eisstadion vor jedem Spiel aufwendig für Basketball präpariert worden. Als Gegner hatten sich die Münchner zu diesem Anlass ein europäisches Spitzenteam eingeladen: Fenerbahce Istanbul war aus der Türkei angereist, um ein bisschen Spektakel in das brandneu sanierte FCB-Schmuckkästchen zu bringen.

Bojan Bogdanovic war beispielsweise dabei, der kurz darauf in die NBA wechselte, wo er noch heute spielt. Oder eben jener Center namens James Gist, der mit langen Dreadlocks durch die Halle flog und den Ball ein ums andere Mal durch den Ring in den Korb stopfte. Womit er nicht nur Uli Hoeneß beeindruckte.

Das Spiel gegen Moskau sei eine gute Chance zur Rehabilitation für das 76:83 in Athen, sagt der Coach

Hoeneß ist längst Präsident h.c., aber weiterhin ein interessierter Unterstützer der Basketballer und gern gesehener Gast in der Halle. Man darf also getrost davon ausgehen, dass er davon gehört hat, dass sein Wunsch wohl bald in Erfüllung geht. Denn dieser James Gist ist drauf und dran, ein Arbeitspapier bei den Bayern zu unterzeichnen. Die Dreadlocks sind zwar längst weg, mittlerweile ist der 2,04 Meter große US-Amerikaner auch schon 34 Jahre alt und kurz geschoren; aber der ehemalige NBA-Spieler hat zuletzt beim Euroleague-Konkurrenten Roter Stern Belgrad bewiesen, dass er auf höchstem kontinentalen Niveau allemal eine Verstärkung ist. Und derzeit vereinslos. Ein Engagement bis Saisonende in München würde sich anbieten.

Zumal die Belastung für die Bayern weiter steigt. Allein im Dezember reisen die Münchner kreuz und quer über den Kontinent, elf Partien stehen in Euroleague und Bundesliga (BBL) auf dem Programm. Immerhin müssen sie an diesem Wochenende nicht reisen. Die Bayern empfangen erst am Freitagabend Khimki Moskau, ehe am Sonntag der BBL-Konkurrent BG Göttingen (beide 20.30 Uhr) im Dome gastiert.

Khimki ist eines der finanzstärkeren Teams im Wettbewerb. So warben die Russen dem FC Bayern vor einem Jahr Spielgestalter Stefan Jovic sowie Publikumsliebling Devin Booker ab. Nach dem vorzeitigen Abbruch der Vorsaison wegen der Corona-Pandemie im März zog auch noch NBA-Center Greg Monroe den Wechsel in die russische Metropole der Rückkehr nach München vor. Folglich werden gleich drei ehemalige Bayern-Schlüsselspieler zum Gastspiel beim ehemaligen Arbeitgeber anreisen, wobei die Partie beim FCB speziell für Jovic eine besondere sein wird: Der Point Guard hat in dieser Spielzeit noch keine einzige Partie absolviert. Überhaupt ist Khimki Moskau eines der Teams, dem das Virus bisher besonders zugesetzt hat. Vor der Saison hoch gehandelt, hatte die Russen zunächst eine B-Auswahl am Start, weil zahlreiche Spieler in Quarantäne oder verletzt waren, die ersten fünf Spiele gingen derart ersatzgeschwächt alle verloren. Eine Partie wurde verschoben, und auch jetzt liegt der Klub mit einer Bilanz von 2:8 Siegen auf dem letzten Tabellenplatz.

Angesichts des elitär besetzten Kaders hängt Khimki meilenweit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Neben den ehemaligen Bayern-Spielern stehen Akteure wie Alexey Shved, der zu den Besten der gesamten Euroleague zählt, oder der langjährige NBA-Profi Jonas Jerebko im Aufgebot. Die Münchner sind zwar mit einer 7:4-Bilanz auf dem vierten Platz notiert, zeigten zuletzt beim 76:83 in Athen aber eine ihrer schwächeren Leistungen. Für FCB-Trainer Andrea Trinchieri eine gute Gelegenheit zur Wiedergutmachung: "Wir haben ein sehr schlechtes Spiel hinter uns, in dem wir unsere Identität verleugnet haben. Wir müssen jetzt zurückkommen, dafür ist dieses Duell eine große Gelegenheit gegen ein supertalentiertes Team, das wirklich jeden Gegner besiegen kann."

James Gist ist an diesem Wochenende sicher noch kein Thema. Freilich hat Geschäftsführer Marko Pesic kürzlich in einem Podcast bei Magentasport mitgeteilt, dass man demnächst im Kader nachbessern werde. Als sicher darf gelten, dass T.J. Bray diesem nicht mehr allzu lange angehören wird. Der Guard wird bereits mit dem spanischen Erstligisten Saragossa in Verbindung gebracht. Trinchieri hatte Bray in den vergangenen Spielen weder in der BBL noch auf internationalem Parkett viel Beachtung geschenkt, der Amerikaner hatte in der Defensive immer wieder Schwächen offenbart. Derartige Defizite werden vom Maestro nicht allzu lange toleriert, denn die Abwehrarbeit spielt in Trinchieris Idee von erfolgreichem Basketball die zentrale Rolle. James Gist würde ihm sicher mehr Freude bereiten - der Rebound zählt zu seinen Stärken.

© SZ vom 03.12.2020
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