Basketball Im Sog der großen  Rivalen

Flugnummer aus der NBA: Münchens Jared Cunningham.

(Foto: Oryk Haist/Imago)

Auch dank NBA-Importen entwickelt sich die Bundesliga stetig. Das war zuletzt exemplarisch in der Partie zwischen dem FC Bayern mit Jared Cunningham und Bamberg mit Dorell Wright zu erkennen.

Von Ralf Tögel

Ja was denn nun? Ein Spiel wie jedes andere, dazu in einer recht frühen Phase der Saison? Devin Booker, Nihad Djedovic und Anton Gavel hatten das vor der Partie der ewigen Rivalen Bamberg und Bayern gesagt. Oder doch das "Spiel der Saison bisher", wie FCB-Trainer Aleksandar Djordjevic das sportliche Treffen von Tabellenführer und Meister bezeichnete? Jedenfalls war die Beachtung dieses Duells am zehnten Spieltag ungleich größer als bei allen bisher ausgetragenen Partien, es war zwar kein großes Spiel, eines aber, das schon mal ein bisschen Playoff-Feeling in den Münchner Audi Dome zauberte.

Auch in der Bewertung des 77:68-Heimsiegs des FC Bayern dürfte es geteilte Ansichten geben. Sechs Punkte Vorsprung des Herausforderers auf den Titelträger sind indes auch faktisch ein Pfund, das für die Franken schwer wettzumachen sein dürfte und den Bayern Heimrecht bis zur letzten Playoff-Serie in Aussicht stellt. Auffallend am Sonntagabend, dass sich in den entscheidenden Situationen im letzten Viertel zwei Spieler in den Vordergrund spielten, die eine NBA-Vergangenheit aufweisen: Auf Seiten der Gäste wurde Dorell Wright für die wichtigen Würfe gesucht, während für die Münchner Jared Cunningham die brenzligen Bälle abfeuerte. Mit dem besseren Ende für den Bayern-Guard, denn Wright verfehlte zwei Dreierversuche, die den späteren Sieger im Erfolgsfall noch in die Bredouille gebracht hätten.

Überhaupt ist der Spielerfluss zwischen der US-amerikanischen Liga aller Basketball-Träume und der Bundesliga, die bislang nicht unbedingt als oberstes Ziel eines Profis gegolten hat, groß wie nie. Alleine aus München und Bamberg haben sich in jüngerer Vergangenheit mehr als eine Handvoll Profis nach Übersee verabschiedet. Zu lange war in dieser Hinsicht nur der ewige Dirk Nowitzki anzuführen. In Bambergs Daniel Theis und Münchens Maxi Kleber sind zuletzt Identifikationsfiguren in die NBA übergesiedelt. Bambergs jüngster Zugang Wright, dekoriert mit 549 NBA-Einsätzen und einem Titel, hat diese These im SZ-Gespräch gestützt, als er die Unterschiede als "nicht besonders groß" bezeichnete. Physischer werde hier gespielt, "mit mehr Körperkontakt unterm Korb". Neu-Bayer Cunningham kann sich gar eine längere Zukunft hierzulande vorstellen, sein persönliches Ziel sei es, "ein Zuhause zu finden, ein Team, das mich für lange Zeit binden möchte". Daran arbeiten die großen Vereine mit Nachdruck, FCB-Präsident Uli Hoeneß etwa betont immer wieder, die Kultur des Legionärswesens mit langen Vertragslaufzeiten aufbrechen zu wollen.

Denn es sind Spieler, die den Unterschied machen können, sowohl Wright (14) als auch Cunningham (17) waren jeweils Topscorer in ihren Teams. Spieler, die Glanz in die Bundesliga bringen und so helfen, dass sich diese beständig nach vorne entwickelt. Wovon neben den Vereinen nicht zuletzt das Nationalteam profitiert - dank Zugpferden wie eben Bamberg und Bayern München. Auch im europäischen Vergleich haben die Bundesligisten deutlich Boden gut gemacht, der Abstand von Bamberg in der Euroleague zu absoluten Topklubs wie Moskau, Piräus oder Real Madrid hat sich spürbar verringert.

Die Bayern sind zwar nur im zweitklassigen Eurocup notiert, dominieren aber ihre Gruppe trotz namhafter Gegner nach Belieben und haben sich das Prädikat eines Titelanwärters erarbeitet. Und die Duelle der deutschen Alphatiere sind längst auf dem Kontinent von Interesse.