Basketball Ein Momentum für jede

"Extra-Schub" in den Playoffs: Anne Delafosse war mit 22 Punkten die Erfolgsgarantin für Jahn München.

(Foto: Claus Schunk)

Die Basketballerinnen der TS Jahn haben im Playoff-Halbfinale der zweiten Liga gegen Bamberg Matchball.

Von Karl-Wilhelm Götte

Wenn Anne Delafosse richtig in Fahrt kommt, nimmt ihr Gesicht vor lauter Anstrengung erstaunliche Rottöne an. Und die 34-jährige Führungsspielerin des Basketball-Zweitligisten TS Jahn München kam im ersten Playoff-Halbfinalspiel bei der DJK Don Bosco Bamberg ganz enorm in Fahrt. Besonders in der ersten Halbzeit war die ehemalige Nationalspielerin nicht zu halten und legte mit Treffern in Serie den Grundstein für den 58:54-Auswärtssieg der Münchnerinnen. Jahn hat jetzt die Möglichkeit, schon im zweiten Spiel der Best-of-three-Serie am kommenden Freitag zu Hause den ersten Matchball gegen Bamberg zu verwandeln und ins Playoff-Finale - voraussichtlich gegen den USC Heidelberg - einzuziehen.

Fast 400 Zuschauer, samt Sambagruppe und Cheerleaderinnen, erwarteten die Münchner Delegation in der Bamberger Halle. "Was passiert denn hier?", dachte sich Jahn-Trainer Rüdiger Wichote, "werden wir überrollt?" Denn kaum war das Spiel angepfiffen worden, lag seine Mannschaft schon mit 0:4 zurück. Doch die erfahrenen Jahn-Spielerinnen ließen sich nicht beeindrucken. Sie gaben sofort die passende Antwort und legten eine 12:0-Serie hin. Delafosse war daran mit zwei Dreiern wesentlich beteiligt. "Überragend", kommentierte Wichote immer wieder, wenn er auf die Leistung von Delafosse zu sprechen kam.

Doch auch die anderen sechs Spielerinnen in der Miniformation aus München - Bamberg bot zehn Spielerinnen auf - zeigten allesamt zum Saisonhöhepunkt ihr bestes Gesicht. Schon nach zehn Minuten führte Jahn München mit 17:7. Die beiden Aufbauspielerinnen Jella Molz und Nicole Schmidt kurbelten nicht nur das eigene Spiel an, sie hatten auch die Aufgabe, die Topscorerin der Bambergerinnen, die US-Profispielerin Da Jonee Hale, in Schach zu halten. "Das haben sie perfekt gemacht", lobte Wichote das Duo. Hale, die in der Regel auf 20 Punkte kommt, blieb bei acht Zählern stehen.

"Die erste Halbzeit war Wahnsinn", resümierte Wichote die am Ende spannende Partie. Seine Mannschaft hatte ihre Führung zur Pause auf 32:20 ausgebaut. "Wir haben auch extrem gut verteidigt", sagte Wichote. Kam Hale mal an Molz oder Schmidt vorbei, bremste sie die besonders in der Defensive stark spielende Marie-Anne Bohn. Dass es in Halbzeit zwei nicht so weitergehen würde, war Wichote klar. Bamberg kam dann auch mit Vehemenz aus der Kabine und Punkt für Punkt heran. In der 29. Minute glichen die Gastgeberinnen zum 39:39 aus, sechs Minuten später führte Bamberg gar 49:48. Wichote nahm fünf Minuten vor dem Ende eine Auszeit und schärfte seinen Akteurinnen ein, ruhig zu bleiben und die gebotenen Wurfchancen eiskalt zu nutzen. Gesagt, getan: Wieder war es Delafosse, die ihre Mannschaft in Führung brachte.

Aber auch Christina Schnorr entwickelte sich im finalen Viertel zur "Schlüsselspielerin", lobte der Jahn-Trainer. Sie markierte ihren Saisonbestwert mit zehn Rebounds. Acht ihrer zwölf Punkte erzielte Schnorr in den letzten zehn Minuten und hatte damit wesentlichen Anteil daran, dass die Münchnerinnen in der Schlussphase das Spiel wieder unter ihre Kontrolle brachten. Nervenstark von der Freiwurflinie kurz vor Spielende war nicht nur Schnorr gewesen, auch Centerin Anna Heise verwandelte zwei Freiwürfe sicher. Heise fischte zudem neun Rebounds herunter, immerhin acht schaffte Emily Bessoir, die mit fünf Fouls in der vorletzten Minute ebenso wie Molz ausscheiden musste. Die restlichen fünf Spielerinnen brachten den Vorsprung dann sicher über die Zeit.

Topscorerin Anne Delafosse kam auf 22 Punkte und auf eine beeindruckende Trefferquote von 52 Prozent. "Die Playoffs geben allen, besonders auch mir, immer noch einmal einen Extra-Schub", meinte Delafosse nach dem Sieg. Ja, sie habe die Mannschaft in der ersten Halbzeit getragen, "aber jede Spielerin hatte ihr Momentum in diesem coolen Spiel", fügte sie hinzu. "Wenn es wichtig ist, liefert sie immer ihre beste Leistung ab", bekräftigte Jahn-Coach Wichote noch einmal anerkennend. Am Freitag wäre der nächste gute Zeitpunkt dafür.