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Basketball:Die Kleinen mucken auf

Glänzende Bilanz: Jahn-Basketballerin Constanze Ehrmeier (re.) verbuchte gegen Bad Homburg neun Punkte und sechs Rebounds.

(Foto: Claus Schunk/Claus Schunk)

Obwohl einige großgewachsene Spielerinnen fehlen, besiegt die TS Jahn München Bad Homburg mit 62:57. Die Saison wird bis 1. Mai verlängert, dennoch können nicht alle anberaumten Partien ausgetragen werden.

Von Karl-Wilhelm Götte, München

Die Schlusssirene heult auf. Gleichzeitig laufen die Basketballerinnen der TS Jahn München schreiend aufeinander zu und versinken umschlungen im Jubel. 62:57 haben sie soeben in der 2. Bundesliga Süd gegen die favorisierten Gäste aus Bad Homburg gewonnen. Jay Brown, der Trainer des Tabellenzweiten aus Hessen, steht zehn Meter entfernt und blickt zerknirscht drein. "München hat eine tolle Mannschaft und verdient gewonnen", sagt der gegnerische Coach. Es ist das vierte Heimspiel in Serie, und es gibt den dritten Jahn-Sieg, der das Team auf Tabellenplatz vier vorrücken lässt. Weitere Heimspiele wird es vorerst nicht geben. Coronabedingt geht die Saison in eine vierwöchige Verlängerung bis zum 1. Mai, trotzdem wird die Saison für den TS Jahn unvollendet enden.

Der provisorische Spielplan sieht bis Mai noch sechs Partien für München vor. Damit käme die Mannschaft des Trainerduos Markus Klusemann und Petra Fackler auf immerhin 19 von 22 ursprünglich vorgesehenen Begegnungen. "Das Spiel in Weiterstadt wird wohl ausfallen", mutmaßt Klusemann mit dem Blick auf den Plan in seinem Handy. Dann bliebe München bei 18 Partien stehen. Weiterstadt in Südhessen gehört zu den Vereinen, die ganz besonders mit geschlossenen städtischen Hallen zu kämpfen haben. Auch die Schulturnhallen, die oft zu Klassen- und Prüfungsräumen umfunktioniert werden, sind nicht nutzbar, so dass das Training kaum stattfinden kann. Weiterstadt kommt nur auf fünf bisher ausgetragene Spiele in fünf Monaten. Nicht viel besser sieht es für Bamberg (acht) und Ludwigsburg (neun) aus.

Ob die vielen Heimspiele ein entscheidender Vorteil seien? Im Team gibt es dazu unterschiedliche Meinungen

Jahn München verfügt über eine vereinseigene Halle, mit der der Verein jederzeit disponieren kann. Gespielt werden darf nach wie vor nur mit einem negativen Coronatest von Mannschaft und Trainern, der am Vortag oder am Spieltag stattfindet. Bisher ist die Jahn-Formation von einem positiven Testergebnis verschont geblieben. Der Heimvorteil sei nicht der Hauptgrund für die jüngste Siegesserie, sagt Kapitänin Jella Molz: "Ein Vorteil ist, dass wir nicht stundenlang reisen müssen." Dass die Spielerinnen die Körbe kennen, falle weniger ins Gewicht. Trainer Klusemann sieht das anders: "Es ist immer eine Riesenvorteil, in der Halle zu spielen, in der man auch trainiert." Den Sieg über Bad Homburg führt er jedoch auf eine "exzellente Mannschaftleistung" zurück. "Wir haben klein gewirbelt", so Klusemann. Nur Paula Graichen (16 Punkte/13 Rebounds) ist als große Akteurin auf dem Parkett gestanden. Leonie Kambach und Olivia Borsutzki, die am Mittwoch am gebrochenen Nasenbein operiert wird, saßen verletzt draußen. "Zehn Tage Pause - dann steige ich wieder ein", kündigt Talent Borsutzki an. Bis dahin müssen Jahn-Spielerinnen um die 1,70 Meter Größe dem Spiel ihren Stempel aufdrücken.

Gegen Bad Homburg zeigte die TS Jahn im Angriff ein schnelles Passspiel, das zu vielen freien erfolgreichen Würfen führte. Viele mutige Einzelattacken auf den gegnerischen Korb brachten schon zur Pause eine 41:31-Führung. Besonders in der Defensive ließen die kleinen Münchnerinnen ihren großen Gegnerinnen kaum Platz zum Werfen und übertrumpften sie bei den vom Korb abspringenden Bällen mit erstaunlicher Konstanz. An den 48 gewonnenen Rebounds - 20 mehr als Bad Homburg - hatten sich alle "Kleinen" beteiligt. Jahn-Topscorerin Theresa Spatzier (17 Punkte) konnte zehn Bälle herunterfischen, Viktoria Sarközi, die ihr bestes Saisonspiel zeigte, sogar elf. Aber auch Constanze Ehrmeier glänzte mit neun Punkten und sechs Rebounds. "Bravo Ladies - schönes Heimspiel", kommentierte Hallensprecher Armin Sperber dann auch freudig für die Zuschauer des Livestreams auf Youtube.

Für Jahn München stehen jetzt mindestens vier Auswärtsspiele nacheinander an. Am Osterwochenende reist die Mannschaft nach Bamberg (Samstag) und Mainz (Montag). Das letzte Saisonspiel am 1. Mai ist noch einmal ein Heimspiel gegen Saarlouis. Das Reglement für die Playoffs hat die Frauen-Bundesliga unter Corona geändert. Es qualifizieren sich nur die ersten beiden Vereine für ein Halbfinale, die dann mit zwei Teams der Nordgruppe einen Aufsteiger ausspielen. Jahn München fehlen sechs Punkte zu Platz zwei, auch mit einer weiteren Siegesserie wird das kaum zu schaffen sein.

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