Basketball Auf der Zielgeraden

Anne Delafosse.

(Foto: Claus Schunk)

Der TS Jahn München hat am Freitag im Playoff-Halbfinale gegen Bamberg Matchball. Anne Delafosse dürfte besonders auf einen vorzeitigen Triumph gegen Bamberg hoffen, da sie nach der Saison ihre Karriere beendet.

Von Karl-Wilhelm Götte

Am Freitagabend bietet sich den Zweitliga-Basketballerinnen der TS Jahn München eine große Chance: Gegen die DJK Don Bosco Bamberg reicht ein Sieg, um wie im Vorjahr erneut ins Playoff-Finale einzuziehen. Grundlage ist der knappe 58:54-Sieg aus dem Hinspiel, ein Erfolg in eigener Halle an der Weltenburger Straße (19.30 Uhr) würde ins Finale führen, wo es im Duell um den Aufstieg wohl gegen den USC Heidelberg geht. Eine Niederlage würde zum Showdown am Sonntag erneut zurück nach Bamberg führen. Anne Delafosse dürfte besonders auf einen vorzeitigen Triumph gegen Bamberg hoffen, die 34-jährige Führungsspielerin der Jahn-Formation ist quasi auf ihrer Abschiedstournee, sie wird ihre lange Karriere nach den Playoffs beenden. "Ja, das ist meine letzte Saison", bestätigt Delafosse der SZ.

Dann blickt die wohl erfolgreichste deutschen Basketballerin des vergangenen Jahrzehnts auf eine fast 30-jährige aktive Zeit zurück. Bis zu ihrer Heirat vor drei Jahren sammelte Anne Breitreiner in mehreren Ländern Europas Titel, für das deutsche Nationalteam ist sie 164 Mal aufs Parkett gelaufen. Im Trikot des TSV Wasserburg gewann sie als Schlüsselspielerin sechsmal den Titel und viermal den Pokal. Zwischenzeitlich war sie von 2006 bis 2012 als Profispielerin in Spanien (Valencia), Polen (Gdynia und Gorzów Wielkopolski), Italien (Faenza) und Frankreich (Tarbes und Villeneuve-d'Ascq). In dieser Zeit gewann die Ausnahmebasketballerin den spanischen und zweimal den polnischen Pokalwettbewerb und wurde außerdem französische Meisterin.

2014 trat Delafosse aus dem Nationalteam zurück und widmete sich verstärkt ihrem Studium Internationales Marketing in München. Im Frühjahr 2015 holte sie mit Wasserburg noch einmal das Double, um sich wenige Monate später dem Zweitligisten Jahn München anzuschließen - sehr zur Freude des Münchner Klubs, wo Jahn-Trainer Rüdiger Wichote als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft viele Jahre einen guten Kontakt mit ihr pflegte.

Als sich abzeichnete, dass sie vom Profidasein Abschied nehmen würde, warb Wichote in Kooperation mit der damaligen Jahn-Spielführerin Magdalena von Geyr erfolgreich um die Dienste der Flügelspielerin mit der enormen Treffersicherheit von der Dreierlinie. 546 Punkte in einer Bundesligasaison sind bis heute eine ihrer spektakulären Marken, die sie in ihrer Karriere setzte. Als Delafosse zum Jahn kam, war sie 31 Jahre alt, jetzt ist sie 34 - und demnächst ist also Schluss. Natürlich hat sie ihr Trainingspensum erheblich reduziert, doch ihr Ehrgeiz und besonders ihr Talent machten auch dort immer noch den Unterschied aus. Es ist gerade auch ihr großes Verdienst, dass die Mannschaft zum zweiten Mal in Serie in den Playoffs steht.

"Die Prioritäten verschieben sich im Leben", sagt Anne Delafosse, die nach dem Studium ihre erste Stelle im Marketingbereich angetreten hat. "Es ist der richtige Zeitpunkt für den Rücktritt." Als sie diese Sätze sagt, schwingt hörbar etwas Wehmut mit, zumal sich die Ausnahmebasketballerin sehr wohl gefühlt habe in der Münchner Mannschaft. Und sie hat die Mitspielerinen in den Amateurteams ihre Profivita niemals spüren lassen. Die vielen jungen Basketballerinnen wussten natürlich um die Extraklasse der Teamkollegin und hingen entsprechend an ihren Lippen, wenn Delafosse ihnen in den entscheidenden Momenten auf dem Feld den Weg wies.

Vor dem baldigen Abschied beweist Delafosse nun noch einmal ihr Format. "Die jungen Spielerinnen wachsen heran, und ich will ihnen nicht im Weg stehen", sagt sie. "Andere müssen jetzt in meine Stiefel steigen." Bis es soweit ist, bricht sich vor dem Rückspiel gegen Bamberg noch einmal ihr Siegeswille Bahn. "Wir haben noch etwas in petto", kündigt Delafosse selbstbewusst an.