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Baseball:Teuflisch gut

Löwenmähne und enorme Wurfkraft: Zac Treece hievt das Offensivspiel der Disciples auf ein neues Niveau.

(Foto: Claus Schunk)

Dank des neuen Pitchers Zac Treece und einer geschlossenen Leistung des Teams gelingt den Haar Disiciples ein Überraschungssieg gegen Regensburg

Von Christoph Leischwitz, Haar

Es ist Samstag gegen zehn vor zwei, die Sonne scheint, Vögel zwitschern, und schon vom Parkplatz ist das altvertraute "Klock" zu hören, wenn ein Holzschläger einen Baseball in den Himmel schickt. Etwas näher gekommen ist auch die Musik aus den Boxen zu hören. Zuschauer sind zwar zurzeit noch nicht erlaubt im Sportpark Eglfing, der "Foodstore" ist verrammelt, aber ein paar Besucher kommen trotzdem vorbei, sie stellen sich hinter den Zaun. Gerade läuft "Sympathy For The Devil" von den Rolling Stones, im so genannten Dugout wirft sich ein Pitcher warm. Er ist groß, hat langes blondes Haar und singt mit amerikanischem Akzent plötzlich mit: "What's puzzling you is the nature of my game..." Bei einem Baseballspieler könnte man das so übersetzen: Mit meiner Art zu spielen kommst du überhaupt nicht klar. Das frühlingshafte Ambiente vermittelt das Gefühl, dass ganz allmählich wieder Normalität einkehrt. Immerhin darf die Baseball-Bundesliga spielen. Allerdings ist das, was sich gleich auf dem Platz abspielen wird, überhaupt nicht normal.

Denn am Samstag stellte sich bei den München-Haar Disciples ein Pitcher vor, Zac Treece, der so teuflisch gut wirft, dass die Disciples, zu deutsch: die Jünger, plötzlich so gut spielen, als hätten sie ihre Seele verkauft. Obwohl sie am Freitagabend beim klaren Favoriten Regensburg Legionäre 0:10 verloren, besiegten die Disciples am Samstag auf heimischem Grund die Oberpfälzer in einem packenden Spiel 5:4. "Ziemlich gut zurückgekommen", kommentierte Trainer Alex Tufts den Sieg lächelnd. Es war der erste gegen die Legionäre seit drei Jahren, angesichts der Ereignisse am Vorabend umso unerwarteter. Das lag vor allem an Treece, der den erfahrenen Regensburger Schlagmännern gleich im ersten Durchgang zeigte, was er kann: Mit insgesamt gerade einmal zwei Fehlwürfen schickte er drei Spieler zurück auf die Bank.

Zwei Siege, sechs Niederlagen - dennoch scheint bei den Haarern in dieser Saison noch einiges möglich zu sein

Der souveräne Auftritt beflügelte sogleich den eigenen Angriff, sodass dieser gegen den eigentlich ebenso starken Regensburger Werfer Kaleb Bowman sofort 2:0 in Führung ging. "Der Startpitcher spielt eine unglaublich wichtige Rolle auch für die Offensive", weiß Tufts, Treece habe die Kollegen angetrieben. Aber auch die Defensive tat viel dafür, die Führung zu halten und zunächst auszubauen. Besonders spektakulär gerieten die Rettungsaktionen des Spielers auf der dritten Base, Francisco Riestra. In der Offensive gelang Nate Thomas am vierten Spieltag der erste Homerun der Saison.

Gut sechs Innings hielt Treece durch, dann schien der Favorit doch zurückzukommen, Regensburg glich zum 4:4 aus. Sean Cowan übernahm für Treece und konnte die Legionäre im achten Inning in Schach halten. Doch das Selbstvertrauen der Disciples war nun gestärkt, die Offensive erkämpfte sich noch einen Punkt, den Daniel Patrice nach Hause lief. Als Minuten später der Regensburger Matt Vance den letzten Wurf verfehlte und dieser im Handschuh des Catchers landete, brandete hinter dem Zaun lauter Jubel auf. Es war erst der zweite Sieg der Disciples bei sechs Niederlagen, aber er hatte gezeigt, dass in dieser Saison plötzlich noch einiges möglich ist.

Die Einreise aus Arkansas sei schwierig gewesen, erzählt Treece, der einst mit Haars Catcher Will Thorp in Australien zusammengespielt hatte

Gleich nach dem Spiel hielt Treece eine Flasche Münchner Bieres in der Hand, als er in gebührendem Abstand noch kurz von sich erzählte. Mit Haars Catcher Will Thorp hatte er in Australien ein Jahr lang zusammengespielt. Die Kommunikation zwischen Werfer und Fänger ist entscheidend für das Spiel, deshalb ist dieser Umstand nicht ganz unwichtig, dass gleich der erste Auftritt von Treece so gut gelang. "Will weiß genau, wie ich ein Spiel gestalten will, und ich weiß, welche Ansagen er gerne macht", erzählt Treece über den befreundeten Catcher. Die Einreise aus dem US-Bundesstaat Arkansas war freilich kompliziert gewesen, wegen Quarantäne hatte er nicht einmal richtig trainieren können.

Was er nun von Treece erwarte, wird Trainer Tufts dann noch gefragt. "Er soll einfach machen, was er heute gemacht hat", antwortet er. Dann wäre an jedem Spieltag in Spiel zwei, zu dem die Nicht-EU-Pitcher antreten dürfen, ein Sieg möglich. Und damit auch ein deutlich besserer Tabellenplatz als der aktuelle Rang sechs von acht. Bei den Haar Disciples ist man jedenfalls jetzt schon sehr froh, den Mann aus Arkansas kennengelernt zu haben.

© SZ/lib
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