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Baseball:Rechtzeitig gefangen

Wackelkandidat: Pitcher Kevin Trisl ging mit Problemen im Wurfarm in die erste Partie gegen Bonn.

(Foto: Claus Schunk)

Die Haar Disciples erholen sich vom verkorksten Start ins Halbfinale gegen Bonn und gleichen zum 1:1 aus. Dabei gibt es einen kuriosen Ausfall.

Von Christoph Leischwitz

Es waren die ersten beiden Spiele für die München-Haar Disciples in einem Halbfinale, und man kann sagen, dass sie ihre Grenzerfahrungen gemacht haben. Der lange Tag im Bonner Stadion Rheinaue hatte für die Münchner Baseballer ein Happy End, dank Simon Lechner. Der Outfielder fing nämlich im letzten Spielabschnitt der zweiten Partie spektakulär einen weiten Ball ab, der Homerun hätte Bonn auf 6:7 herangebracht. So einen Fang, sagt Disciples-Trainer Philipp Howard, habe er in Deutschland noch nie gesehen. "Du wartest als Outfielder auf diesen Moment. Einmal im Leben gelingt so einer", sagte er begeistert. Die Partie endete 7:4 für die Haarer, und auch, wenn Spiel eins klar mit 10:0 an die Bonner ging, so war man nun wieder im Soll: Es steht 1:1 in der Best-of-five-Serie, und egal, wie lange sie dauert, die restlichen Partien werden allesamt am kommenden Wochenende im heimischen Sportpark Eglfing stattfinden.

Doch es hatte noch eine andere Grenzerfahrung gegeben, eine, die ein unschönes Nachspiel haben könnte. Der Baseball- und Softballverband bestätigte, dass der Haarer Spieler Ruben Manriquez in der kurzen Pause zwischen dem ersten und zweiten Inning von Spiel eins eine Unsportlichkeit begangen haben soll: Er hatte sich laut Schiedsrichter direkt an der Spielfeldbegrenzung erleichtert, gut sichtbar für viele der etwa 500 Zuschauer. Manriquez wurde sofort vom Spiel ausgeschlossen. Die Regeln sehen für solch einen Fall vor, den Spieler auch für die unmittelbar folgende Partie zu sperren - deshalb packte Manriquez auch gleich seine Sachen und verschwand in der Kabine. Es ist ein zusätzlicher Treppenwitz, dass sich im Bonner Stadion erstens die öffentlichen Toiletten in unmittelbarer Nähe zum Platz befinden, und dass es zweitens kurz nach diesem Vorfall zu einer langen Pause wegen Regens kam.

Die Verantwortlichen der Disciples wollten sich am Montag auch gar nicht näher zu dem Vorfall äußern, man wolle erst den Entscheid des Verbandes abwarten. Sollte Manriquez für weitere Spiele gesperrt werden, werde man aber prüfen, ob man einen Einspruch einlegt, sagte Sportdirektor Christopher Howard. Der Venezolaner war vor der Saison von den Garching Atomics nach Haar gewechselt, er ist zugleich Trainer der zweiten Mannschaft und hatte im Viertelfinale wichtige Punkte zum Weiterkommen beigetragen. Er wurde durch Silvan Zacek ersetzt.

Nach dem Ausschluss und der Regenpause folgte eines der schlechtesten Innings der gesamten Saison. Pitcher Kevin Trisl, der mit leichten Armproblemen ins Spiel gegangen war, war dabei nicht der einzige, der Fehler beging, selbst Leistungsträger zeigten Konzentrationsprobleme. "Errors sind ansteckend", sagte Philipp Howard zu den Fehlern, "und in den Playoffs wird alles gnadenlos bestraft." Allein in diesem Inning gelangen den Bonnern sechs Punkte. Trisl wurde allerdings nicht ausgewechselt, denn der Rückstand erschien schnell zu hoch, andere Werfer sollten für künftige Aufgaben geschont werden. Später fing sich Trisl wieder, trotzdem wurde die Partie aufgrund der Zehn-Punkte-Regel vorzeitig nach sieben Durchgängen beendet, weil der Haarer Angriff kein Mittel gegen den Bonner Pitcher Markus Solbach fand. Dieser war erst am Sonntagmorgen von seiner Saison aus den USA zurückgekehrt, gerade rechtzeitig, um den Kader zu entlasten - Bonn hatte erst am Samstag mit einem Sieg in Spiel fünf gegen Solingen das Halbfinale erreicht.

Umso stolzer war Coach Howard dann, als seine Mannschaft unbeeindruckt von der deutlichen Niederlage in die nächste Partie ging. Zwar hatte der sonst so souveräne Pitcher Ryan Bollinger einen schwachen Durchgang, doch er kam auch diesmal wieder auf eine zweistellige Zahl an Strikeouts (14). Spiel zwei mache ihn zuversichtlich, so der Trainer, dass sein Team ab Samstag wieder dominieren kann und geduldig spielen wird. Die einzige schlechte Nachricht: Die Toiletten im Sportpark Eglfing sind rund 150 Meter vom Spielfeld entfernt.

© SZ vom 19.09.2017
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