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Baseball:Neue Zeichensprache

Werfer Ryan Bollinger ist neu in Haar und bewies sofort, dass er eine Verstärkung darstellt.

(Foto: Claus Schunk)

Die München-Haar Disciples starten mit neuem Trainerteam bei Heidenheim in die Saison und verlieren zweimal knapp. Entscheidend ist das konstantere Pitching der Gastgeber.

Von Christoph Leischwitz

Es sei ein Stück weit normal, sagt Trainer Don Freeman, dass im Frühjahr die Bälle noch nicht so oft fliegen wie später im Sommer. Das hat damit zu tun, dass sich Schlagmänner ohne Spielpraxis schwerer tun als Werfer, um ihren Rhythmus zu finden. Hinzu kommt, dass sich die Pitcher des ersten Gegners der München-Haar Disciples in der neuen Baseball-Saison in besonders guter Form zeigten. Am Freitagabend, zum Liga-Auftakt bei den Heidenheim Heideköpfen, verloren die Disciples deshalb punktlos 0:4. Am Samstag im eigenen Stadion wurde es dann deutlich spannender, letztlich stand aber auch da eine Niederlage: Erst im letzten Inning ging die Partie 2:3 verloren. "Da muss man den Hut ziehen vor der Heidenheimer Pitcher-Riege. Sie waren sehr stark", sagte Freeman über die gegnerischen Werfer.

Die eigenen waren eben ein kleines bisschen weniger stark gewesen. In Spiel eins hielt Kevin Trisl sechs Durchgänge lang gut mit. In der zweiten Partie lieferte sich der neue US-Werfer der Disciples, Ryan Bollinger, ein packendes Duell mit einem seiner Haarer Vorgänger Justin Erasmus. Bollinger ließ sich bis zu seiner Auswechslung nach sieben Innings fast nichts zuschulden kommen, Lukas Steinlein kassierte dann die Niederlage, weil er die knappe 2:1-Führung noch abgab.

Der ehemalige Trainer Michael Stephan, weiterhin als Spieler an der ersten Base, fand nicht nur die gegnerischen Werfer stark. Heidenheim könnte in dieser Saison "das Maß der Dinge sein", glaubt er, und in beiden Partien hätte man gut mitgehalten, unter Umständen auch gewinnen können. Man habe mehrmals gute Möglichkeiten zu punkten ausgelassen.

Auch gebe es ab und zu noch Missverständnisse mit dem neuen Trainerteam. Denn jeder Trainer bringt eine neue Zeichensprache mit, die man erst einmal verinnerlichen muss. Es sieht oft komisch aus, wenn sich Baseballspieler mehrmals an Ohren oder an den Oberarm fassen und sich auf diesem Weg etwas mitteilen, das der Gegner, der daneben steht, nicht verstehen soll. Es erfordert zugleich aber auch ein gewisses Maß an Konzentration, den jeweiligen Dialekt dieser Sprache zu beherrschen. In der einen oder anderen Situation, erzählt Stephan, hat man sich selbst um mögliche Punkte gebracht. Weil beispielsweise der Schlagmann nicht mitbekommen hatte, dass er auf jeden Fall den Schläger schwingen soll, um einem Mitspieler so das Stehlen einer Base zu ermöglichen.

Was die Schlagleistung der Mannschaft betraf, so gab es aber auch das eine oder andere Positive zu vermelden. Der kurzfristige Zugang Nateshon Thomas ist gleich zum so genannten leadoff-hitter aufgestiegen, er steht also als erster Spieler der Mannschaft am Mal und versucht, mit einem frühen Treffer den Werfer gleich unter Druck zu setzen. Das gelang dem Briten auch einige Male, "wir konnten daraus nur kein Kapital schlagen", ärgerte sich Stephan. Oft genug habe man den Ball ins Feld gebracht, oft genug sei dieser aber Bruchteile von Sekunden vor dem Läufer zur Base gelangt.

Knappe Spiele - eigentlich wollten die Disciples alles dafür tun, diese künftig für sich zu entscheiden. Zumindest gegen die stark einzuschätzenden Heideköpfe hat das aber erst einmal nicht geklappt. Am kommenden Samstag aber spielen die Disciples von 12 Uhr an zwei Partien gegen die Saarlouis Hornets, bei denen die Pitcher offensichtlich nicht so eine starke Frühform haben: Die Saarländer verloren ihr Auftaktspiel in Bad Homburg 16:17.

© SZ vom 03.04.2017
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