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Baseball:Kurzarbeit am Tag der Arbeit

Sprint zum Punkt: David Dinski gelang es als drittem Spieler der Haar Disciples, den Tübingen Hawks eine Base zu stehlen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Erstliga-Baseballer der München-Haar Disciples machen nach dem ersten Doppelsieg der Saison einen Sprung auf den fünften Tabellenplatz.

Von Christoph Leischwitz, München

Zu den aufregendsten Momenten im Baseball gehört es, wenn ein Spieler losrennt, ohne dass der Ball ins Feld geschlagen wurde. Eine Base stehlen nennt man das, zumindest wenn es dann auch klappt: Wer zum Beispiel auf der ersten Base steht, muss zur zweiten Base sprinten, bevor die Gegner den Ball dorthin werfen können. Am vergangenen Samstag gelang den München-Haar Disciples dieses kleine Kunststück gleich dreimal in einem Durchgang. Als David Dinski als dritter Haarer Spieler für sein Risiko belohnt wurde, warf der gegnerische Catcher der Tübingen Hawks frustriert seine Gesichtsmaske auf den Boden. Da führten die Disciples deutlich mit 9:3, doch in diesem Moment war die lange knappe Partie auch mental entschieden: Die Disciples hatten die Schwächen des Gegners entdeckt und geschickt ausgenutzt. Das erste Spiel des Tages hatten sie auch schon gewonnen, mit 15:0 sogar sehr viel souveräner, mit nicht einmal zwei Stunden Arbeitszeit hatte der Tag der Arbeit begonnen. Am Ende stand nach einem 10:5 in Partie zwei der erste Doppelsieg der Saison, mit dem die Disciples auch einen Sprung in der Tabelle auf Platz fünf machten, zwischen den punktgleichen Mainz und Mannheim. "Das gibt uns schon einen enormen Aufschwung" sagt Trainer Alex Tufts, nachdem seine Mannschaft eine Woche zuvor gegen das Spitzenteam aus Regensburg überraschend einen Sieg geholt hatte. Und ja, es sei durchaus realistisch, in den Kampf um die Playoff-Plätze eingreifen zu können.

Schlagmann Klaus Nicolici gelingt einiges, unter anderem ein Homerun

Spiel eins konnte nach nur sieben Durchgängen sogar vorzeitig beendet werden. Als Werfer ließen sowohl Lukas Steinlein und der zum fünften Inning eingewechselte Titus von Kapff nichts anbrennen. Am Schlag tat sich besonders Klaus Nicolici hervor, dem unter anderem ein Homerun gelang. Spiel zwei wurde vor allem deshalb spannender, weil der Tübinger Pitcher Joshua Wyant eine solide Leistung zeigte und den Disciples in den ersten fünf Durchgängen nur zwei Punkte gelangen - einer davon durch eine Einzelleistung, einen Homerun von Nate Thomas. Zweitens leistete sich auch der eingeflogene US-Pitcher Zac Treece diesmal vereinzelte Schwächen, die Tübingen im sechsten Durchgang für eine Aufholjagd nutzte und so kurzzeitig sogar in Führung ging. "Ja, das kommt manchmal vor", sagte Trainer Tufts später auf die Frage, ob das erste Spiel vielleicht einfach ein bisschen zu glatt gelaufen war, und nun an der einen oder anderen Stelle die nötige Konzentration fehlte. Nach einem Gruppengespräch im großen Kreis Mitte des sechsten Innings rissen sich aber alle wieder zusammen, besannen sich auf die eigenen Stärken und die Schwächen des Gegners. Es sei eben nichts selbstverständlich, so der amerikanische Coach: "Nach dem Spiel habe ich zu der Mannschaft gesagt: Wir müssen uns weiter jedes Aus und jeden Lauf auf Base hart erarbeiten." Als der Tübinger Werfer ausgewechselt wurde, dominierte der Haarer Angriff im wahrsten Sinne schlagartig nach Belieben. Für Haar kamen nach der Auswechslung von Treece noch Sean Cowan und Jan Endrejat jeweils für einen Durchgang zum Einsatz. Letzterer ließ noch einen Gegenpunkt zu, der Sieg war aber dank des großen Vorsprungs nicht mehr gefährdet.

Bei den Ulm Falcons ist Haar Favorit und kann sich in der Tabelle weiter verbessern, die Playoffs sind längst wieder ein Thema

Am kommenden Samstag stehen für die Disciples zwei Auswärtsspiele an: Bei den bislang sieglosen Ulm Falcons sind die Disciples Favorit. Sollte die Pflichtaufgabe erfolgreich gelöst werden, stehen im Mai auch noch die Spiele gegen die Traditionsteams aus Mannheim und Mainz an, und damit wohl die vorentscheidenden Partien um die Playoff-Plätze. In der Zwischenzeit ist aus den USA noch eine zusätzliche Verstärkung eingetroffen: Ryan Sanders wird nach seiner Quarantäne die zweite Mannschaft der Disciples trainieren, die möglicherweise Anfang Juni in die Saison starten darf. Sanders kann als Spieler aber auch im Bundesliga-Team eingesetzt werden, wenn Bedarf herrscht.

© SZ/toe
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