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Baseball:Im Abblendlicht

William Thorp läutete für die Haar Disciples in der zweiten Partie gegen Mainz die Aufholjagd ein, letztlich kam sie zu spät. Dafür gewannen die Münchner Spiel eins.

(Foto: Claus Schunk/Claus Schunk)

Die Haar Disciples zeigen sich verbessert und schaffen gegen Mainz den ersten Saisonsieg. Trainer Tufts ist trotz der knappen Niederlage im zweiten Spiel zufrieden.

Von Christoph Leischwitz

Es wurde letztlich ein sehr langer Tag im Sportpark Eglfing, nicht weniger als siebeneinhalb Stunden standen die München-Haar Disciples auf dem Feld. Und wenn es beim Baseball länger dauert als sonst, dann ist es meistens ein Zeichen für enge, spannende Partien. Als der letzte Durchgang dieses Bundesliga-Duells gegen die Mainz Athletics begann, hatten die vorbeifahrenden Autofahrer schon das Abblendlicht eingeschaltet. Kurz vor 20.30 Uhr sorgte dann die einbrechende Dunkelheit dafür, dass es am Ende recht schnell ging. Zum Leidwesen der Gastgeber: Zu Beginn des neunten Innings stand es 5:5, als ein von Mainz geschlagener Ball auf Haars Shortstop Nate Thomas zurollte. Der bekam diesen jedoch nicht richtig zu fassen, der Schlagmann erreichte die erste Base, der Mainzer Timothy Kotowski lief von der dritten Base nach Hause - zum entscheidenden 6:5. Die Haarer konnten im Anschluss nicht mehr nachlegen. "Wir haben vor dem neunten Inning mit den Schiedsrichtern gesprochen, wir waren uns mit den Mainzern einig: Wir wollten weiterspielen", erzählt Disciples-Coach Alex Tufts. Die Bedingungen seien ja für beide Mannschaften die selben gewesen.

Im Nachhinein ärgert es einen Trainer natürlich, so knapp zu verlieren, insgesamt überwog aber einen Tag später das positive Gefühl; immerhin hatten die Haarer Spiel eins ganz knapp mit 7:6 gewonnen und damit den ersten Sieg der Saison eingefahren. Schlüssel zum Sieg war Geduld gewesen. Der Mainzer Werfer Tim Stahlmann hatte die ersten drei Durchgänge die Haarer Schlagmänner komplett im Griff, weshalb die Gäste erst einmal recht deutlich 4:0 in Führung gehen konnten. Dann gelangen Daniel Patrice und Will Thorp die ersten Punkte. Beide waren auch an der erfolgreichen Aufholjagd im siebten Inning beteiligt, als Haar erstmals in Führung ging. "Wir haben jetzt niemanden in unseren Reihen, der 20 Homeruns schlagen wird in dieser Saison. Wir sind darauf angewiesen, dass alle ihren Beitrag leisten", sagt Trainer Tufts. Und das sei im ersten Spiel der Fall gewesen. Wobei es schon auffällig ist, dass es meist die bewährten Haarer Kräfte sind, die Kastanien aus dem Feuer holen. In der Offensive sticht in der aktuellen Saison Thorp deutlich heraus. Und in der Defensive war der eingewechselte ehemalige Nationalspieler Lukas Steinlein ursächlich dafür, dass die Athletics in den Innings acht und neun kein Land mehr sahen.

Das zweite Spiel dauerte auch deshalb so lange, weil die Haarer insgesamt sieben verschiedene Werfer einsetzten - jeder bekommt Zeit zugesprochen, sich einzuwerfen. "Wir haben viele Jungs, die sich einen Namen machen wollen, jeder bekommt seine Chance", erklärt Tufts. Gleichzeitig müsse aber natürlich jeder Platz machen, wenn es nicht so gut läuft. Denn die Hierarchie unter den Pitchern ist noch nicht ganz hergestellt, die Disciples befinden sich noch in der Findungsphase. Wobei es gegen Mainz ja beinahe zu einem weiteren Sieg gereicht hätte. "Ich finde, wir hätten es eigentlich verdient gehabt", sagt Tufts, der gerade am Schlag ein stark verbessertes Verhalten seiner Spieler erkannt hat. Gerade, weil seine Spieler nun nicht mehr jedes Mal versuchten, einen Homerun zu schlagen, sondern sich auch mal mit dem flachen Ball die Linie entlang zufriedengäben.

Die Suche nach der Pitcher-Hierachie dürfte ohnehin noch einmal von vorne beginnen: Der von den Disciples verpflichtete US-Amerikaner Zac Treece ist bereits in Deutschland angekommen. Der 31-Jährige befindet sich noch in Quarantäne, dürfte aber auch ohne weiteres Training den Kader sofort verstärken. Wenn bis zum Wochenende keine Positivtests dazwischenkommen, wird Treece schon am kommenden Samstag erstmals auf dem Werferhügel stehen. Trotzdem haben die Disciples nur Außenseiterchancen, wenn sie am Freitagabend bei den Regensburg Legionären antreten und die Oberpfälzer am Samstag zum Spiel im Sportpark Eglfing empfangen. "Wir können mithalten, aber wir dürfen uns keine Fehler erlauben", sagt Tufts. Doch erst im Mai, wenn die Duelle mit den Tabellennachbarn anstehen, wird sich entscheiden, ob die Disciples ihr Saisonziel, die Playoffs, erreichen können.

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