Baseball:Falscher Film

Bei den Haar Disciples deuten sich erste Personalwechsel an

Von Christoph Leischwitz, Haar

Wie schlecht die Stimmung am Montagabend gewesen sein muss, lässt sich anhand einiger Zahlen erahnen. 600 Kilometer waren die Baseballer der Haar Disciples ins tschechische Brünn gefahren, um in der Euro League anzutreten, im Gepäck hatten sie eine beachtliche Niederlagenserie von zehn Spielen, zusammengesetzt aus nationalen und internationalen Partien. Am Montagabend dann führte die Mannschaft im letzten Durchgang 4:0, zwei von drei nötigen Aus waren schon geschafft, um das Spiel zu beenden. Da beging ein Abwehrspieler einen unnötigen Fehler, es folgte eine strittige Schiedsrichterentscheidung, und plötzlich hatten die Disciples auch diese Partie verloren, 4:5. "Ich habe gedacht, ich bin im falschen Film", sagte Spielertrainer Michael Stephan. Die Stimmung in der Mannschaft sei auf dem Tiefpunkt gewesen.

Im zweiten Spiel am Dienstagabend, als es schon niemand mehr erwartete, beendeten die Disciples in Brünn doch ihre Negativserie. Mit einer konzentrierten Leistung siegten sie 9:2, obwohl sie mit kleinem Kader und wenigen Werfern angereist waren. "Da waren wir anscheinend befreiter", sagte Stephan. Der Druck des Gewinnen-Müssens sei nicht mehr so hoch gewesen.

Der Sieg kam gerade rechtzeitig. Nach anstrengenden Wochen mit teils verdienten, teils unglücklichen Niederlagen hat die Mannschaft nun zehn Tage Pause, ehe sie in der Bundesliga Bad Homburg empfängt. Stephan kündigt für die nächsten Tage Veränderungen an - vor allem mit den für diese Saison verpflichteten Ausländern sei er bislang nicht zufrieden. Es ist gut möglich, dass einige gar nicht mehr für die Disciples spielen werden. Dafür spricht auch, dass in Justin Erasmus ein neuer Werfer geholt wurde. Der 26-Jährige wird voraussichtlich gegen Bad Homburg zum Einsatz kommen. Außerdem kehren demnächst mehrere Stammspieler wie Bruno Aurnhammer oder Lukas Steinlein nach Auslandsaufenthalten zurück.

In der Bundesliga-Tabelle gilt es enorm aufzuholen. Mit drei Siegen und neun Niederlagen ist das Saisonziel Halbfinale momentan weit weg. Stephan hält es nach wie vor für erreichbar, "vor allem, weil wir in den vergangenen vier Spielen konstant auf hohem Niveau gespielt haben". Mit der Gründung einer GmbH und hauptamtlichen Mitarbeitern habe man sich "vielleicht ein bisschen zu viel vorgenommen", das Arbeitspensum sei enorm, erzählt Stephan. Doch der Kader sei stark genug, um oben mitzuspielen. Und die Doppelbelastung mit der Euro League habe einige Spieler erst in den nötigen Rhythmus gebracht. "Ich weiche nicht von dem Ziel ab", sagt Stephan. An seinem Selbstvertrauen wird es kaum liegen, sollte es am Ende doch nicht klappen.

© SZ vom 12.05.2016
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