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Badminton:Kaum Federn gelassen

Der TuS Geretsried ist nicht weit von der sofortigen Rückkehr in die zweite Liga entfernt. Der Klub versucht den Wiederaufstieg mit vielen Talenten.

Von Sebastian Hepp, Geretsried

Will man sich ein Bild vom Leistungsstand eines Aufstiegskandidaten machen, dann sind Auftritte gegen zwei Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel normalerweise von geringer Aussagekraft. Die Art und Weise, wie der TuS Geretsried, derzeit Zweiter der Badminton-Regionalliga Südost, sich am vergangenen Wochenende seiner Pflichtaufgaben entledigte, verriet aber doch so einiges über seine Aufstiegsambitionen. Mit jeweils 8:0 besiegte der TuS am Samstag Schlusslicht ESV München und tags darauf den Tabellenachten TSV 1860 Ansbach.

Gegen Ansbach spiegelte das Ergebnis den Spielverlauf zwar nur bedingt wider, fünf von acht Matches gingen über die volle Distanz von drei Sätzen. Dass die Geretsrieder auch die engsten Partien am Ende für sich entschieden, zeigte laut Teammanager Sascha Gnalian jedoch, dass seine Mannschaft nach dem Abschluss der Hinrunde "bereits voll fokussiert ist auf den Wiederaufstieg in die zweite Bundesliga".

Vor einigen Monaten war der TuS am Ende seiner ersten Zweitliga-Spielzeit knapp und unglücklich abgestiegen. Die Enttäuschung war entsprechend groß, und der Abstieg hatte auch personelle Folgen. Nach seiner Punktegarantin Ann-Kathrin Spöri, deren Weggang zum Erstligisten TV Refrath vorher schon feststand, verließ auch der irischen Profi Mark Brady die Geretsrieder nach nur einem Jahr.

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Neuer Lichtstreif am Horizont: Mit Antonia Schaller, 15 (dahinter Michelle Deschle), will es Geretsried bald wieder nach oben schaffen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Davon ließen sie sich aber nicht aus der Bahn werfen. Bereits einige Wochen nach dem Abstieg gab die Badmintonabteilung ihr neues Ziel bekannt: Sie wolle eine junge Mannschaft formen und mit ihr vielleicht schon 2020, zumindest aber in den nächsten Jahren wieder aufsteigen. Die Chancen dafür stehen gut, denn der TuS verfügt über zwei Nachwuchstalente, die eines Tages jene Lücke, die Spöri und Brady hinterlassen haben, schließen könnten. So ist der 18-jährige Philip Bußler vor allem im Einzel inzwischen zu einer festen Größe geworden. Ob gegen den Ansbacher Lukas Schäf oder gegen Tim Hummel vom ESV München: Bußler gewinnt das dritte Herreneinzel in der Regionalliga meist locker in zwei Sätzen, er überzeugt mit Schnellkraft, guter Beinarbeit und viel Übersicht. Zusammen mit Antonia Schaller, der zweiten Hoffnungsträgerin aus der TuS-Jugend, besucht Bußler eine Sportschule in Nürnberg und ist inzwischen viel auf Einzelturnieren unterwegs. Die erst 15-jährige Antonia Schaller, die von Geretsrieds Abteilungsleiter und Trainer Uwe Eckhoff aufgebaut wurde, konnte kürzlich ihren bisher größten Erfolg auf nationaler Ebene feiern: Sie wurde im Einzel der deutschen U-17-Meisterschaften Zweite. Im Einzel konnte sie in der laufenden Saison einige wichtige Siege für ihr Team verbuchen und in Michelle Deschle steht ihr auch eine erfahrene Doppelpartnerin zur Seite. Philip Bußler wiederum bildet mit dem zweitligaerprobten Noah Gnalian inzwischen ein starkes zweites Herrendoppel.

Weil Bußler und Schaller ihrem Team wegen ihrer Turniereinsätze nicht immer zur Verfügung stehen, sah sich Teammanager Gnalian gezwungen, den Kader mit Blick auf den baldigen Wiederaufstieg aufzustocken. So gehört neben den Brüdern Noah und Samuel Gnalian in Simranjeet Pal, 22, inzwischen ein weiterer junger Mann indischer Herkunft zur Regionalliga-Stammbesetzung. Pal war zuvor für Geretsrieds zweite Garnitur aktiv und wechselt sich nun mit Bußler als Doppelpartner für Noah Gnalian ab. Da es in der Regionalliga anders als in der zweiten Liga drei statt zwei Herreneinzel gibt, musste hinter dem für Mark Brady ins Spitzeneinzel aufgerückten Noah Gnalian noch ein Spieler fürs zweite Herreneinzel verpflichtet werden. Den fand Bruder Sascha schließlich in dem Tschechen Jiri Louda, der zu den Spielen jeweils aus Pilsen anreist und Gnalian zufolge gut ins Team passt. "Mit 24 Jahren ist Louda der Älteste in unserem Kader", fügt der Teammanager vielsagend hinzu. Auch den Verlust von Ann-Kathrin Spöri konnte Gnalian durch eine Neuverpflichtung zumindest halbwegs kompensieren: Die weißrussische Nationalspielerin Julia Bitsoukova, 19, bestreitet im Wechsel mit Antonia Schaller das Dameneinzel.

In der Rückrunde wird das Duell mit Tabellenführer Dillingen, ebenfalls ein Zweitligaabsteiger, über den Aufstieg entscheiden. Das Hinspiel verlor der TuS etwas unglücklich 3:5, weshalb Dillingen nach dem Ende der Hinrunde mit 21 Punkten vor Geretsried (19) steht. "Wir müssen Dillingen einfach schlagen und Gruppenerster werden, dann ist der Aufstieg perfekt", sagt Gnalian. Denn im Gegensatz zum letzten Mal, als der TuS Erster wurde und danach noch in Aufstiegsspiele gehen musste, gibt es im Süden inzwischen nur noch eine von ehemals zwei Regionalliga-Staffeln. Der Meister steigt auf.

© SZ vom 18.12.2019

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