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Badminton:Hilfe vom grünen Tisch

Tobias Wadenka kann wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft blicken, dennoch muss der Kader nach seiner Ansicht verstärkt werden.

(Foto: Claus Schunk)

Weil sich Freystadt aus der ersten Bundesliga zurückzieht, hat Schlusslicht Neuhausen-Nymphenburg zumindest die Relegation sicher. Verstärkungen für die Doppel sind dennoch dringend nötig.

Von Sebastian Hepp

Es war mehr als nur ein Lebenszeichen, das die Neuhauser Badmintonequipe am vergangenen Doppelspieltag gegeben hat. Es schien, als wollte das Team vor dem drohenden Abstieg noch einmal beweisen, dass es zumindest in den Einzeln erstligatauglich ist. So trotzte der TSV dem Tabellenführer und vielfachen deutschen Meister 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim bei der knappen 3:4-Niederlage einen Punkt ab, und feierte gegen den Tabellensiebten 1. BC Beuel tags darauf ebenfalls vor eigenem Publikum einen 5:2-Erfolg. Damit rückte der Tabellenletzte aus München mit nun sieben Punkten dem Vorletzten Freystadt (zwölf Punkte) zumindest wieder ein kleines Stück näher.

Obwohl der neunte Tabellenplatz und damit der sportliche Klassenerhalt rechnerisch noch möglich sind, wusste Neuhausens Teammanager Philipp Blonck, dass es schon eines kleinen Wunders bedurfte, um die Liga zu halten. Und genau das geschah, wenn schon nicht auf dem Spielfeld, dann eben am grünen Tisch: Wie der Deutsche Badminton Liga Verband (DBLV) am Dienstag bekannt gab, zieht sich der TSV 1906 Freystadt aus der ersten Bundesliga zurück. "Damit sind wir für die Playoff-Runde qualifiziert. Sollte es keine Teilnehmer aus der zweiten Liga geben, bleibt Neuhausen erstklassig", freut sich Blonck. Doch auch wenn Neuhausen in der Relegation gegen den jeweils Besten der zweiten Liga Süd und Nord (4. April, zwei Teams qualifizieren sich) die erste Liga halten würde, am grundsätzlichen Dilemma der Mannschaft ändert das nichts. "Wir sind in den Doppeln einfach zu schwach und haben vor allem in der Hinrunde wichtige Punkte liegen lassen", zog Blonck schon mal eine Art Saisonresümee.

Besonders in den Doppelpaarungen der Männer fehlt die Klasse, um gegen die Top-Profis der Erstligakonkurrenz mithalten zu können. So war das Duo Fabian Holzer und Manuel Heumann in beiden Partien klar unterlegen. Tobias Wadenka erging es an der Seite seines bulgarischen Partners Ivan Rusev Atanasov im Spitzendoppel gegen Primus Bischmisheim nicht anders: Sie hatten ebenfalls in drei Sätzen das Nachsehen. Das hat natürlich Gründe: Fabian Holzer, der als ehemaliger Nationalspieler und Doppelspezialist vom damaligen deutschen Meister Refrath nach Neuhausen gewechselt war, hat seine Profilaufbahn beendet und steht inzwischen ebenso im Berufsleben wie Manuel Heumann, der mit Wadenka zeitweise ein starkes Erstligadoppel bildete. "Beruflich bin ich in Wien gelandet, dort kollidieren die Trainingszeiten überwiegend mit meiner Arbeitszeit", erzählt der 27-jährige Holzer. Für die erste Liga reicht der reduzierte Trainingsaufwand ihm zufolge nicht mehr, man müsse "immer am oberen Limit" spielen, um gegen die Spitzenpaarungen in der Beletage auch nur eine kleine Chance zu haben. Holzers eigentlicher Stammpartner, der Pole Przemyslaw Szydlowski, fällt schon die ganze Saison wegen einer langwierigen Schulterverletzung aus. Ob er überhaupt in den Kader zurückkehrt, ist nach den Worten von Manager Blonck derzeit offen: "Wir bräuchten zwei starke Doppelspieler, zwei Leader, die im ersten wie im zweiten Einzel punkten können", sagt Holzer. Spieler wie Atanasov oder Wadenka, die schon im Einzel oft wichtige Punkte holen müssten, seien im Doppel dann oft nicht mehr frisch genug.

Abstieg oder nicht, der israelische Topspieler Misha Zilberman hat in Neuhausen verlängert

Verstärkungsbedarf im Doppel sieht auch Tobias Wadenka, will man, wie es Blonck als Ziel ausgibt, im Fall des Abstiegs gleich den Wiederaufstieg in Angriff nehmen. "Der Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Liga ist immens", sagt Wadenka. Da man mit dem Ziel in die erste Liga gegangen sei, sich dort langfristig zu etablieren, hält er "eine Verstärkung in den beiden Männerdoppeln und auch im Damendoppel" für unerlässlich. Das korrespondiert auch mit den sportlichen Ansprüchen von Wadenka, der bei den deutschen Meisterschaften in Bielefeld im Einzel und im Mixed kürzlich das Viertelfinale erreichte.

Ihr Bleiben beim TSV machen indes weder Wadenka noch Misha Zilberman, Atanasov oder die ukrainische Spitzenspielerin Natalya Voytsekh von der Erstligazugehörigkeit ihres Vereins abhängig. "Misha Zilberman und Ivan Rusev Atanasov haben bereits für die nächste Saison unterschrieben", berichtet Blonck nicht ohne Stolz. Gerade der israelische Profi Zilberman, derzeit an Position 46 in der Einzel-Weltrangliste geführt, bewies gegen Lukas Resch vom BC Beuel, kürzlich Halbfinalist bei der deutschen Meisterschaft, wieder einmal seine Extraklasse. Auch den Vertragsverhandlungen mit den übrigen Akteuren blickt Blonck "optimistisch entgegen", wie er anmerkt. Zilberman, der das Olympiaticket für Tokio nach eigenen Angaben bereits in der Tasche hat, schätzt "den Teamspirit und die gute Atmosphäre beim TSV Neuhausen " so sehr, dass ein Vereinswechsel für ihn auch im Fall des Abstiegs kein Thema sei.

Mit der derzeit verletzten Annabella Jäger, dem starken Nachwuchsmann Justin Seibel und eventuell auch mit Szydlowski hat der TSV jedenfalls noch genug Qualität im Kader, um sein Augenmerk auf hochkarätige Neuverpflichtungen für die Doppel zu richten.

© SZ vom 12.02.2020

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