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Badminton:Adieu Feierabend

Philipp Blonck TSV Neuhausen-Nymphenburg Badminton

„Wir sind davon ausgegangen, dass das nur ein einmaliger Ausflug wird“: TSV-Manager Philipp Blonck.

(Foto: Anke Lütticke/oh)

Der TSV Neuhausen kehrt mit seinem Teammanager Philipp Blonck in die Badminton-Bundesliga zurück.

Die Frage, warum Philipp Blonck alles daran setzt, immer die bestmöglichen Spieler zu verpflichten und in der höchsten deutschen Badminton-Klasse mitzumischen, beantwortete sich am vergangenen Sonntag fast von selbst. Wer miterlebt hat, wie erleichtert der Manager des TSV Neuhausen-Nymphenburg nach dem 7:0-Erfolg in der Aufstiegs-Relegation gegen die SG Schorndorf war, wie er um die Wette strahlte ob des gerade geschafften Wiederaufstiegs in die erste Liga und wie er den gerade genesenen Doppelspezialisten Manuel Heumann umarmte, als wolle er diesen Moment für immer festhalten, der verstand Blonck auch ohne Worte.

"Ich mache das alles nicht aus eigenem Ehrgeiz, sondern ich mache es für den Verein", hatte der 45-jährige Teammanager des TSV schon ein paar Tage zuvor der SZ gesagt und hinzugefügt: "Wir waren über viele Jahre Zweitligist, dann sind wir aufgestiegen und davon ausgegangen, dass das nur ein einmaliger Ausflug wird." Wider Erwarten hat sich sein Kader dann vier Jahre hintereinander im Oberhaus halten können, bevor er 2018 den Wiederabstieg in die zweite Liga hinnehmen musste. Doch Blonck wäre nicht Blonck, wenn er diesem sportlichen Dämpfer nicht auch Positives abgewonnen hätte. "Der Abstieg hat uns nicht das Genick gebrochen, im Gegenteil. Alle Spieler sind geblieben, sie haben in der ersten Liga Blut geleckt und alle ihren Spaß gehabt", resümiert er. Die Erfahrung, sich mit dem langjährigen deutschen Spitzenspieler Marc Zwiebler oder Nationalspielern aus Dänemark, den Niederlanden oder aus Asien zu messen, hätte seinem Team "großen Auftrieb" gegeben. Schließlich handele es sich bei solchen Gegnern "ausschließlich um Profis", während sich die zweite Liga "weitgehend aus Feierabendspielern" zusammensetze.

Für Blonck und sein Team galt es deshalb, die richtigen Lehren aus dem Abstieg zu ziehen, um möglichst schnell den neuerlichen Aufstieg in die Beletage zu schaffen. Die wichtigste war, den Kader breiter aufzustellen, um gegen langwierige Verletzungen künftig besser gewappnet zu sein. Blonck kam zudem zu der Erkenntnis, dass er neben der ukrainischen Profispielerin Natalya Voytsekh auch bei den Männern noch eine Spitzenkraft von internationalem Format fürs Einzel brauchte. Und da kamen ihm und dem TSV einmal mehr die guten Kontakte seiner Teammitglieder zugute. So konnte Voytsekh auf einem Turnier den israelischen Weltklassespieler Misha Zilberman für ihren Münchner Verein begeistern, wie Blonck erzählt. Zilberman unterschrieb schon bald beim TSV. Das Kalkül ging auf, der 29-jährige Israeli spielte heuer seine erste Saison für den Verein im Münchner Westen, für den er früher bereits einmal als Junior aktiv war. Besonders im Einzel gab Zilberman zur Begeisterung der Zuschauer immer wieder Kostproben seines Könnens und zeigte seinen Gegnern meist die Grenzen auf.

Sein eigenes Badmintontalent bezeichnet Philipp Blonck, der selbst in München- Neuhausen aufgewachsen ist, als "eher durchschnittlich": "Ich habe anfangs im Hof Federball gespielt, 1987 bin ich mit 13 Jahren zum TSV Neuhausen gegangen", erzählt er. Erst hat er dort in der Jugendmannschaft gespielt, dann bei den Erwachsenen mit der vierten Mannschaft Bezirksliga, später, in den 1990er Jahren, für die dritte Mannschaft in der Bayernliga. Derzeit mischt Blonck noch in der Bezirksoberliga mit. "Ich bin dort aber nur Ersatzmann", betont er. Seine Mannschaft treffe auf Kinder und Jugendliche bis hin zu über 60-jährigen Senioren, er müsse sich also auf "Gegner quer durch alle Altersklassen" einstellen, fügt er schmunzelnd hinzu. Zum Training komme er nur, wenn es mit seinem Beruf vereinbar sei.

Blonck ist Geschäftsführer eines IT-Unternehmens, das er von seinem Vater übernommen hat, und "viel auf Dienstreisen unterwegs". Seine Qualitäten als Manager sind auch gefragt, wenn es darum geht, noch genügend Zeit für seine Familie (Tochter Theresa wurde 2013 geboren) einzuplanen. Deshalb - und wegen des Aufstiegs - dürften sich Bloncks eigene Turniereinsätze auch künftig sehr in Grenzen halten.