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Actionsport:Die Party geht weiter

Munich Mash ist auch in seiner sechsten Auflage ein Publikumsmagnet und lockt trotz brütender Hitze 80 000 Menschen in den Olympiapark, eine Vertragsverlängerung mit der Stadt ist wohl nur noch Formsache.

Von Ralf Tögel

Heiß ging es zu am Wochenende im Olympiapark, in mehrerlei Hinsicht. Denn die Munich Action Sports Heroes, kurz Mash, waren zu Gast in München, und 80 000 Menschen wollten sich das trotz vor allem am Sonntag brütender Hitze nicht entgehen lassen. Das ist zwar knapp unter dem Besucherrekord des Vorjahres, das Fazit von Marion Schöne, Geschäftsführerin der Olympiapark München GmbH (OMG) fiel dennoch sehr positiv aus: "Es war wieder ein super Fest mit toller Stimmung und hitzeresistentem Publikum. Auch der erstmalige Frauencontest beim Wakeboarden ist super angekommen, BMX war am Ende ein extrem spannender Contest. Wir sind auf einem super Weg und konnten die Sponsorengelder auch leicht steigern."

Das Besondere an Mash, einer Veranstaltung, die eigentlich an ein klar definiertes Fachpublikum gerichtet ist, zeigt sich auch darin, dass eben nicht nur Actionsport-affine Menschen kommen - wie bei den vielen anderen Festivals dieser Kategorie üblich. Der OMG ist es gelungen, ein weitaus größeres Publikum anzusprechen. So war einmal mehr ein buntes Völkchen unterwegs, vor allem viele Familien und Kinder, um sich an den vielen Mitmachstationen einmal auf dem Rad oder dem Brett auszuprobieren, einer der vielen Bands auf der Mash-Bühne zu lauschen, szenetypische Kunst im Cultural Village oder Streetdance im Theatron kennenzulernen, Actionsport der allerersten Güte zu bewundern - oder einfach nur einen unterhaltsamen Tag an einem der schönsten Plätze Münchens zu verbringen. Ein großes Pfund, mit dem die OMG Jahr für Jahr wuchern kann, ist freilich die Tatsache, dass die besten Athleten der Welt live und kostenlos zu sehen sind, was zuvorderst den 100 000 Euro Zuschuss der Stadt zu verdanken ist, das bisher stets erreichte Ziel ist die schwarze Null. Was in Verbindung mit dem großen Erfolg eine Verlängerung des Vertrags zwischen Stadt und OMG, der nach der sechsten Auflage aussteht, zur Formsache wird. Mit den Skateboardern läuft der Vertrag ohnehin bis 2020.

Der spektakuläre Freestylesport ist das Herz der Veranstaltung, in diesem Jahr boten wohl die BMX-Fahrer den größten Zirkus: Von einer acht Meter hohen Rampe rasten die Fahrer auf eine 2,80 Meter hohe Schanze, die sie sieben Meter weit und hoch durch die Luft katapultierte, wobei die Fahrer unglaubliche Tricks darboten, und damit ans Limit gingen, wie einige Stürze belegten - die aber glimpflich verliefen. Natürlich sind die Fahrer allesamt Profis, wie Daniel Tünte sagt, der 27-Jährige war der beste der vier deutschen Starter, neben dem Berliner hatte noch Paul Thölen, der Achter wurde, das Finale erreicht. Das hatten Evan Brandes, Goldmedaillengewinner der olympischen Youth Games im Vorjahr, und Tobias Freigang knapp verpasst.

Auch Lennox Zimmermann musste kurzfristig passen. Der 11-jährige deutsche BMX-Wunderknabe hatte sich im Training verletzt: Bei der Anfahrt zum Rückwärtssaltos war er zu langsam, "ich wollte abbrechen, aber es war zu spät". Zimmermann knallte aus vier Metern Höhe in den Spalt zwischen Schanze und Rampe, dass er sich "nur" eine schwere Prellung im linken Sprunggelenk zuzog, ist fast ähnlich sensationell wie seine Sprünge. Lennox verfolgte den Contest mit Krücken und dick bandagiertem Fuß: "Zugucken macht auch Spaß", sagte er tapfer.

Was er sah, war BMX auf höchstem Niveau, das im Halbfinale und dem Best-Trick-Wettbewerb vom Australier Andy Buckworth dominiert wurde, der 19-Jährige gewann wegen eines doppelten Rückwärtssaltos, bei dem er sogar den Lenker losließ. Am Sonntag indes gingen ihm die ersten beiden Runs - jeder Fahrer absolvierte drei, der beste wurde gewertet - daneben, im dritten reichte es angesichts der starken Konkurrenz nicht mehr ganz nach oben auf das Siegertreppchen. Dort stand der Amerikaner Jake Leiva, seine Performance mit Nonhand-Flips, Tailwhips oder 360s, also Drehungen auf oder neben dem Rad, Vorwärts- und Rückwärtssalti mit oder ohne Hände am Lenker, reichte letztlich zum verdienten Triumph vor seinem großen Konkurrenten aus Australien. Dritter wurde der Engländer Jack Clark.

Dass die Jungs aus Übersee gegenüber den deutschen Fahrern einen Vorsprung haben, macht Tünte an den Trainingsbedingungen fest: "In Deutschland kannst du so etwas nirgends trainieren, in Amerika und Australien überall." Zufrieden waren am Ende dennoch alle, Zuschauer, Veranstalter und die Athleten sowieso, für die der Spaß vor dem Erfolg steht. Sieger Leiva freute sich folglich besonders auf den wichtigsten Aspekt eines solchen Events: "Jetzt machen wir alle zusammen Party."

© SZ vom 01.07.2019

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