Soldatendenkmal in München Post für Ursula von der Leyen

"Sie starben für Deutschlands Unehre", steht auf dem Kriegerdenkmal, nachdem die Künstler W. Kastner und H. Brendl Buchstaben entfernt haben.

(Foto: Robert Haas)
  • An der Dachauer Straße steht auf einem Denkmal für die Gefallenen der bayerischen Eisenbahntruppe im 1. Weltkrieg "Sie starben für Deutschlands Ruhm und Ehre".
  • Der Künstler Wolfram Kastner hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in einem Brief dazu aufgefordert, den Schriftzug zu verändern. Ein Oberst der Bundeswehr hat das abgelehnt.
  • Zusammen mit dem Künstler Hans-Peter Berndl hat Kastner den Schriftzug mit Schraubenziehern verändert.
Von Bernd Kastner

Wer, von der Dachauer Straße kommend, dem Wegweiser "Karrierecenter der Bundeswehr" folgt und dann ein wenig nach links blickt, erkennt ein Denkmal. Oben ziert es ein stilisiertes Eisenbahnrad mit Flügeln, und darunter stand bis Mittwoch: "Sie starben für Deutschlands Ruhm und Ehre - Den Toten der bayerischen Eisenbahntruppe im Weltkrieg 1914-18." Das Denkmal steht auf Bundeswehrgrund. In ein paar Tagen wird Ursula von der Leyen, als Ministerin für die Bundeswehr zuständig, ein kleines Päckchen aus München in der Post finden. Darin ein paar Buchstaben.

Wolfram Kastner, Künstler und Kämpfer gegen alles Kriegerische, hält dieses Denkmal, 100 Jahre danach, für nicht mehr zeitgemäß. Dass es, 1922 errichtet und 1945 beschädigt, mit dem Original-Schriftzug 1962 wieder aufgebaut wurde und die Bundeswehr es regelmäßig mit Kränzen schmückt, macht es für Kastner nicht besser, ganz im Gegenteil. Also hat er einen Brief geschrieben an Frau von der Leyen und vorgeschlagen, eine andere Denk-Schrift anzubringen, die nicht das Sterben verherrlicht, sondern die Toten betrauert und zum Frieden mahnt.

Auf seinen Brief an die Ministerin bekam er kürzlich Antwort von einem Oberst aus der Streitkräfte-Führung: Er nennt das Denkmal ein "historisches Sachzeugnis, das gemäß den Zielsetzungen des Denkmalschutzes dauerhaft und möglichst unverfälscht erhalten werden soll". Eine Veränderung sei deshalb "nicht vorgesehen".

Veränderung mit "ästhetischer Intervention"

Vorgesehen ist die Veränderung vielleicht nicht, aber geschehen ist sie dann doch. Am Mittwoch um zehn nach elf. Da nähert sich Kastner mit seinem Künstlerkollegen Hans-Peter Berndl dem Denkmal, in der Hand einen Schraubenzieher. Sie schreiten zur "ästhetischen Intervention", wie Kastner die Aktion nennt.

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Kaum ist sie beendet, steht plötzlich Alfons Lindner vor ihnen, seines Zeichens Standort-Chef. Rein zufällig, wie er versichert, sei er gerade vorbeigekommen. Als Hausherr könnte er jetzt den Künstlern die Buchstaben entreißen, könnte die Feldjäger rufen, könnte sich zumindest ein wenig empören. Tut er aber nicht. Ganz ruhig und gelassen hört er zu, wie Kastner ihm diese Aktion erläutert: Er wolle doch bloß, dass auf andere Art und Weise der Toten der Kriege gedacht werde. Dass das Denkmal zumindest mit einem kommentierenden Text ergänzt werde, auf dass es zum Nachdenken anrege.

Das steht so auch in einem Brief, den Kastner und Berndl an die Verteidigungsministerin schicken. Ob man im Führungsstab noch immer nicht begriffen habe, dass das Sterben im Krieg keineswegs zu "Deutschlands Ruhm und Ehre" gereichte. Als Anlage erhält Ursula von der Leyen fünf Buchstaben. Ein R, ein U, ein H, ein M und ein D. Jetzt steht auf dem Denkmal: "Sie starben für Deutschlands Unehre."