Sendling-Westpark Rückwärts voran

Das neue Quartierszentrum, das an der Kreuzung Waldfriedhof-/Fürstenrieder Straße entstehen soll, lässt weiter auf sich warten. Die vom Investor geplante Liefereinfahrt kommt den Plänen für den Stadtplatz in die Quere

Von Berthold Neff, Sendling-Westpark

Ein heiß ersehntes Quartierszentrum mit Bäcker und Metzger, Café und Drogerie, einem Discounter, Wohnungen und einer Tiefgarage: Das soll an der Kreuzung Waldfriedhof-/Fürstenrieder Straße entstehen, lässt aber auf sich warten. Vor zwei Jahren schon präsentierte der Investor, die Firma Rock Capital Group GmbH aus Grünwald, den Entwurf für das neue Zentrum, rief damit aber in der städtischen Stadtgestaltungskommission alles andere als Bewunderung hervor. Man vermisse, so lautete die Kritik der Architekturexperten, das Prägende, das Herausragende an dieser Stelle. Einen solchen Entwurf gibt es nun zwar, der direkt an der Ecke einen um drei Stockwerke höheren Turm vorsieht, aber es hat sich ein anderes Problem aufgetan: Die vom Investor geplante Liefereinfahrt kommt den Plänen für einen neuen, einladenden Stadtplatz ziemlich in die Quere.

Bei einer Sitzung des Unterausschusses (UA) Bau und Umwelt ging es in Sendling-Westpark nun darum, die divergierenden Interessen von Investor und Stadtplanern unter einen Hut zu bringen. Und es ging darum, sich ein Bild davon zu machen, wie sich der Bezirksausschuss Sendling-Westpark den neuen Stadtplatz vorstellt. "Eine frei bespielbare Fläche soll es werden", sagte zum Beispiel Uwe Kramm (Grüne) - und darauf sollten auch ein paar Marktstände passen. Grün soll er auch sein, Bänke soll er haben und auch ein Toilettenhäuschen, das es bisher am Platz auch schon gibt.

Guter Plan: An der Ecke zur Fürstenrieder Straße soll das Quartierszentrum entstehen, daneben soll genügend Raum für einen Stadtplatz bleiben.

(Foto: Catherina Hess)

Alles schön und gut, nur die Rangierspur, die sich der Investor wünscht, damit auch die 18,5 Meter langen Sattelschlepper noch in den Ladehof einfahren können, sieht man im Stadtviertel-Gremium als großes Problem. Kritik daran machten auch die anwesenden Vertreter der Stadtverwaltung geltend. Das Baureferat zum Beispiel hält die Lösung, die Sattelschlepper über eine Teilfläche des Platzes per Einweiser rückwärts in den Ladehof zu rangieren, für "nicht gangbar". Auch der Bezirksausschuss-Vorsitzende Günter Keller (SPD) lehnt eine solche Lösung ab. Erfahrungen aus anderen Unternehmen zeigten, dass dann oft ohne Einweiser rangiert werde. Das sei zu gefährlich, auch wenn es, wie der Investor vorrechnete, vielleicht nur zehn Anlieferungen pro Tag geben werde. Im Übrigen, auch das stellte Keller klar, hätte er sich eine andere Mieterstruktur in dem Ladenzentrum gewünscht: "Ich habe mir dort keinen Aldi oder Lidl vorgestellt."

Investor Christian Lealahabumrung, der mit gleich vier Mitarbeitern zu der Sitzung gekommen war, zeigte Verständnis für die Bedenken aus dem Stadtviertel. Es sei, so räumte er ein, bisher allerdings nicht gelungen, eine bessere Lösung zu finden. Architekt Norbert Weickenmeier sagte, es sei der Wunsch des Planungsreferates gewesen, hier ein Quartierzentrum mit einer ausreichend großen Verkaufsfläche für die Bedürfnisse des Viertels zu bauen. Wenn man das wolle, müsse man auch in Kauf nehmen, dass dies Anlieferverkehr mit sich bringe.

Ausgedient: Diese drei Gebäude sollen abgerissen werden.

(Foto: Catherina Hess)

Auch Brigitte Golling, die für die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) die Planungen an dieser Stelle verantwortet, sieht das Rangieren der Lkw als problematisch. Dadurch könnten möglicherweise die Fahrpläne der drei Buslinien ins Wanken geraten, die hier halten. Geplant ist, die mittig gelegene, langgestreckte Wartehalle samt Kiosk abzureißen und so mehr Raum auf dem neuen Stadtplatz zu schaffen.

Möglicherweise, so hieß es auf Seiten des Investors, könne man im Gespräch mit der Lokalbaukommission eine Lösung finden, die das Rückwärts-Rangieren der Sattelschlepper verhindere. Um Probleme mit den Nachbarn in der Schongauerstraße zu vermeiden, wolle man die Laster nicht auf diesem Weg wieder auf die Fürstenrieder Straße lotsen. Man wolle es aber vermeiden, den Ladehof an die Vorderfront des Gebäudes, also hin zur Fürstenrieder Straße, verlegen zu müssen. Dort wolle man sich lieber mit großen Schaufenstern präsentieren.

Sollten die Verhandlungen mit der Stadt erfolgreich sein, will der Investor spätestens Mitte 2016 mit dem neuen Zentrum (Bauvolumen etwa 23 Millionen Euro) beginnen. Den derzeitigen Mietern wurde zum Jahresende gekündigt. Die Firma Rock Capital engagiert sich seit Kurzem verstärkt im Großraum München. Im vergangenen Jahr hat sie das einst vom Bruckmann-Verlag genutzte Quartier an der Nymphenburger Straße gekauft. Insgesamt entwickelt die Firma derzeit nach eigenen Angaben etwa 140 000 Quadratmeter Büro-, Handel- und Hotelfläche sowie 1200 Wohnungen mit einem Investitionsvolumen von etwa 700 Millionen Euro in München und Frankfurt.