Sendling:Weite Wege im Abendkleid

Bald zieht der Gasteig interimsweise an die Brudermühlstraße. Doch noch sind vor allem Fragen nach Parkplätzen und der öffentlichen Verkehrsanbindung nicht gelöst. Lokalpolitiker legen deshalb einen Maßnahmenkatalog vor

Von Birgit Lotze, Sendling

Wenn der Gasteig im Oktober zum Überbrücken der Renovierungszeit in den Gasteig HP 8 umzieht, das Interim an der Brudermühlbrücke, ist in Sachen Verkehr nach wie vor einiges offen. Es sind zwar Fahrradabstellplätze auf dem neuen Gasteig-Areal eingeplant, doch wer mit dem Auto kommt, muss weiter weg parken - auf dem Großmarktgelände. Wer nicht gut zu Fuß unterwegs ist, könnte auch Probleme mit dem einige Hundert Meter entfernt gelegenen U-Bahnhof Brudermühlstraße haben - und dann ist der Weg über dem Tunnel des Mittleren Rings bislang wenig attraktiv. Der Sendlinger Bezirksausschuss (BA) hat einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, einzelne Punkte daraus liegen der Stadt bereits seit Jahren als Anträge vor, andere sind neu. Der Antrag wurde in Sendling einstimmig unterstützt.

Anlass zu dem Gesamtpaket boten Stellungnahmen, Fragen und Befürchtungen von Anwohnern, die sich sehr zahlreich Ende April einer Infoveranstaltung mit Gasteig-Chef Max Wagner, Stadträtin Anja Berger (Grüne) und mit einer Vertreterin der MVG zugeschaltet hatten. Katrin Edelmann (Grüne), BA-Mitglied und Organisatorin und Moderatorin der Veranstaltung, hatte danach die vielen Anmerkungen und Fragen im Chatverlauf analysiert. Insbesondere die angespannte Parksituation beschäftige die Anwohner, fasste Edelmann zusammen. Außerdem werde eine optimale Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr als entscheidend gesehen - vor allem in den ersten Monaten. "Wichtig ist zudem eine Verbesserung für Radfahrende und Fußgängerinnen, insbesondere in der Schäftlarnstraße."

Der BA fordert nun Parkplatz-Verbesserungen für die Anwohner als auch Gasteig-Besucher. Nach dem Katalog soll im Parklizenzbereich Brudermühlviertel von 18 bis 9 Uhr reines Anwohnerparken eingeführt werden, insbesondere im Umkreis des Gasteigs zwischen Schäftlarn-, Brudermühl-, Thalkirchner- und Dietramszellerstraße. In den ersten Monaten nach der Öffnung soll dies auch verstärkt kontrolliert werden. Den Gästen von außerhalb soll eine zweite Regelung helfen: Jeweils eine Fahrspur der Schäftlarnstraße in beide Richtungen - entlang der Großmarkthalle und des Heizkraftwerks Süd - soll zwischen 18 Uhr und Mitternacht zum Parken genutzt werden können. Und man solle Möglichkeiten ausloten, mit Parkplatzanbietern wie am Tierpark Hellabrunn und Maria Einsiedel zu kooperieren. Auch sollten weitere Park-Möglichkeiten für Fahrräder geschaffen werden, inklusive einer MVG Radstation und gegebenenfalls Stellplätze für Rikschas.

Was den öffentlichen Nahverkehr angeht, soll die U3 nach 22 Uhr und zu Stoßzeiten mit Verstärkerbahnen fahren, der ExpressBus X30 soll eine eigene Haltestelle vor dem Gasteig in der Schäftlarnstraße erhalten und soll auch sonntags verkehren. Auch der Metro-Bus 54 soll nach 22 Uhr und zu Stoßzeiten verstärkt eingesetzt werden. Mittelfristig soll eine weitere Buslinie geschaffen werden, zum Beispiel durch die Verlängerung der Busverbindung von Solln nach Thalkirchen. Die CSU hatte bereits vor Jahren vorgeschlagen, diesen Bus über die Schäftlarnstraße zum Gasteig HP 8 und weiter in die Innenstadt zu führen.

An der Schäftlarnstraße soll auch die Geh-weg- und Radwegsituation neu und entspannter organisiert werden. Und die Straße soll heller werden, da die Beleuchtung teils durch Linden verdeckt ist und nur auf einer Straßenseite verläuft. Auch die Neugestaltung des Fußwegs von der U-Bahn Brudermühlstraße zum Gasteig HP8 ist in dem Maßnahmenpaket enthalten.

Grüne und SPD setzten wegen ihrer Mehrheit einen Beschluss durch, den die CSU nicht unterstützen wollte. Danach sollen die umliegenden Straßen des Gasteig, darunter auch die Schäftlarnstraße, zu Tempo-30-Zonen erklärt werden. Manuela Olhausen (CSU) war vor allem wichtig, dass in der Sache ein wenig Tempo gemacht wird, und dass mit dem ersten Konzert in der Philharmonie Anfang Oktober die Ausgangslage verbessert ist. "Wenn die Vorschläge Sparmaßnahmen zum Opfer fallen, das wäre für Sendling kein guter Start."

© SZ vom 26.07.2021
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