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Sendling:Raus aus dem Schattendasein

FFC Wacker, Bayerns größter eigenständiger Frauenfußballverein, erhält den Sendlinger Bürgerpreis

Von Birgit Lotze, Sendling

Der FFC Wacker ist der größte eigenständige Frauenfußballverein Bayerns - und auch einer der größten in Deutschland. Allerdings: Kaum einer weiß das, nicht mal in seiner Heimat Sendling. Als der Verein kürzlich im Bezirksausschuss (BA) anklopfte, weil er die Kosten für eine angemessene Jubiläumsfeier nicht stemmen kann, waren die BA-Mitglieder bass erstaunt über die Mischung aus hoher Mitgliederzahl, starker Nachwuchsarbeit und katastrophalem Kassenstand. Der Verein müsse weit sichtbarer werden, aus dem Schattendasein heraus, forderte Manuela Olhausen (CSU). "Wir müssen ein politisches Signal setzen", sagte Anja Berger (Grüne).

Die Sendlinger SPD hat nun sehr schnell reagiert. Sie zeichnet am Dienstagabend in der Club-Gaststätte "Das Wacker" die Kinder- und Jugendabteilung des FFC Wacker mit dem Bürgerpreis für soziales Engagement aus. Mit viel Herzblut und Zeitaufwand engagierten sich die Ehrenamtlichen, mit acht Juniorinnenteams setze der Verein auf starke Nachwuchsarbeit und klare Akzente für die Förderung von Mädchen und Frauen im Fußballsport, so die Begründung. Für die Laudatio auf den Preisträger ist OB Dieter Reiter angekündigt.

Der FFC Wacker ist noch dazu einer der Pioniere des Frauenfußballs hierzulande - mit dem FC Bayern. Kurz nach der Aufhebung des Frauenfußball-Verbots im Jahr 1970 startete der Verein mit dem Frauentraining auf der Bezirkssportanlage an der Demleitnerstraße - damals als Abteilung des FC Wacker. Heute trainieren hier mehr als 200 Spielerinnen. Nach der Abspaltung vor zwanzig Jahren flossen die Sponsorengelder weiterhin nur an die Männer. Der Vorsitzende des FFC Wacker, Thomas Vizjak, bezeichnet die "Mädels" als "supermotiviert", aber ohne Sponsoren. 200 Unternehmen habe er angeschrieben. "Man muss extrem Klinkenputzen." Der Ehrenpreis erfreut Vizjak besonders, er zeige Wertschätzung für die, die sich ehrenamtlich belebend und mit Teamgeist in der Mädchenarbeit einsetzen. Und der Preis mache stolz: Der FFC Wacker gehöre damit zur Münchner Kultur.

© SZ vom 03.12.2019
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