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Sendling:Obst, Gemüse und viele neue Wohnungen

So könnte die neue Großmarkthalle aussehen, vis-à-vis vom Heizkraftwerk Süd (nicht im Bild). Vision ist auch der Fußgängersteg über die Schäftlarnstraße.

(Foto: UGM GbR, agn Ludwigsburg GmbH/MPRDO Mauz Pektor Architekten)

Ein Betreiber der Großmarkthalle erarbeitet ein eigenes Neubaukonzept. Dadurch würde mitten in der Stadt ein großes Areal frei. Nun soll der Stadtrat sich der Sache annehmen

Von Tom Soyer

Seit Jahren bastelt die Stadt München an einer Lösung für eine Neuordnung der Großmarkthalle auf städtischem Grund in Sendling - und weil das nur zäh vorankam, hat der Vermieter eines Großteils der Stände die Planung nun auf eigenes Risiko in die Hand genommen und erste Entwürfe präsentiert. Das Umschlagzentrum Großmarkt München GbR (UGM) betreibt bisher drei große Kühl- und Lagerhallen mit 22 000 Quadratmetern Fläche - und möchte das alles noch etwas größer in einem mehrstöckigen Neubaukomplex am Südende des Großmarktareals zusammenfassen.

Bisher kannten nur ausgewählte Politiker, der Bezirksausschuss Sendling sowie die Händler das UGM-Konzept, doch berichten Geschäftsführer Hans Buchhierl und sein Partner Oliver Rob von der Immobilienberatungsfirma Neon-Consult bisher von einhellig positiven Rückmeldungen. Nun hoffen sie, dass der Münchner Stadtrat sich der Sache annimmt, die UGM-Pläne noch im Juli aufgreift, vom Kommunalreferat prüfen lässt und den Weg ebnet.

Die Chancen für einen Neubau mit Zufahrt von der Schäftlarnstraße aus, städtebaulich bewusst vis-à-vis des dominanten Heizkraftwerks München-Süd positioniert, stehen indes nicht schlecht: Die UGM will zwar noch keine Prognose über die Baukosten abgeben. Aber sie sagt, sie könnte das Vorhaben finanzieren - wenn die Stadt München mitspielt und einen möglichst langfristigen Erbpachtvertrag anbietet. Im Gegenzug, das macht Planer Rob klar, eröffnet die Konzentration der bisherigen Hallen-Funktionen in einem einzigen, 250 Meter langen und 170 Meter breiten Gebäude ganz im Süden auch eine gewaltige Chance für die Stadt München: Der gehört das gesamte 27 Hektar umfassende Großmarkt-Areal. Immerhin zwölf Hektar davon, zwischen Schäftlarnstraße und der Verlängerung der Thalkirchner Straße, könnten durch den Neubau der Großmarkthalle künftig frei werden. Wo jetzt verstreut Hallen stehen, gäbe es dann Platz für neue, womöglich sogar erschwingliche Wohnungen: Ein gewaltiges innerstädtisches Entwicklungsgelände und eine große Chance für städtische Wohnungsbaugesellschaften.

Natürlich wäre da auch "Platz für ein neues Sechzger-Stadion", sagt Buchhierl, Ein Scherz, natürlich glaubt er nicht, dass der Verein sein Herz von Giesing nach Sendling versetzen werde. Realistischer erscheint, was der UGM-Vorschlag entlang der dann wieder geöffneten Thalkirchner Straße vorsieht: mehrere Häuser mit insgesamt etwa 1550 Wohnungen, die durchschnittlich 75 Quadratmeter groß wären. Anstelle von Tiefgaragen regt die Skizze eine einzige große "Quartiersgarage" an, mit Platz für gut 800 Autos und viele E-Bike-Ladestationen. Passen würde auch, dass das Heizkraftwerk Süd Fernkälte abgebe. Die neue Großmarkthalle wäre als einer der größten Fernkälte-Kunden direkt an der Quelle. Und schließlich will das UGM auf dem Dach der neuen, von außen transparent gestalteten Großmarkthalle auch Wohnungen anbieten.

© SZ vom 04.07.2018
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