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Sendling:Leben bringen in die "Wüste"

Nur der Christbaum im Winter verleihe dem Platz etwas Attraktivität, lautet das harte Urteil von BA-Chef Markus Lutz über den Herzog-Ernst-Platz.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Lokalpolitiker machen sich Gedanken, wie der Herzog-Ernst-Platz mit seiner Stahl-Pergola attraktiver werden könnte

Von Birgit Lotze, Sendling

Die von Anwohnern ungeliebte "Sendlinger Wüste" ist weg, es wird gebaut. Keine teuren Eigentumswohnungen sollen dort entstehen, sondern die städtische Wohnungsgesellschaft GWG verwirklicht günstige Wohnungen und ungewöhnliche Konzepte wie ein LGBTIQ-Wohnprojekt für Lesben, Schwule oder Transgender, für intergeschlechtliche und queere Menschen im Seniorenalter. Seit vergangenem Sommer ist das 8000 Quadratmeter große Gelände an der Ecke Radlkofer-/Pfeuferstraße eine Baustelle, im Frühjahr 2023 will die Stadt fertig sein. Doch geht es nach dem Vorsitzenden des Bezirksausschusses Markus Lutz (SPD), können die Bagger, die den Innenhof des Projekts gestalten, gegenüber auf dem Herzog-Ernst-Platz gleich weitermachen - nicht für Bauarbeiten, sondern zum Platzverschönern.

Vor 13 Jahren erst hat die Stadt den Herzog-Ernst-Platz für gut eine Viertelmillion Euro umgebaut. "Eine kleine Ruhezone an einem vom Verkehr umtosten Knotenpunkt der Stadt" sollte entstehen. Die frühere Rasenfläche, die durch ihre von vier Straßen eingefasste Lage kaum zu betreten war, wurde als wasserdurchlässige Fläche hergerichtet, die zumindest an einer Seite nicht an eine Straße grenzt, sondern direkt an die Häuser und Geschäfte angebunden ist. Die Absicht war, so einen Treffpunkt im Stadtviertel zu schaffen. Doch niemand fühlt sich angesprochen. Kaum jemand nutzt den Platz, nach wie vor nicht.

Markus Lutz lässt heute kein gutes Haar am Resultat des Umbaus. Das Konzept habe nicht funktioniert, findet er. Statt eines attraktiven Quartiersplatzes sei ein weitgehend ungenutzter Platz entstanden, der sich der Nachbarschaft nicht erschließe, meint er. Die Stahl-Pergola, ein graues überdachtes Raumelement mit roten Wänden und Sitzmöglichkeiten an der Westseite, die dem Platz eigentlich Schutz vor dem Verkehr der Pfeuferstraße bieten und diese optisch abschirmen soll, funktioniere ja überhaupt nicht als Begrenzung, sagt Lutz. Und der Farbcharakter sei "trist". Der Herzog-Ernst-Platz habe so, wie er jetzt sei, "einfach keine Aufenthaltsqualität". Lutz: "Einzig und allein der Christbaum im Winter verleiht dem Platz etwas Attraktivität."

"Könnte es sein, dass die SPD das auf den Weg gebracht hat?", fragte Andreas Lorenz (CSU) feixend, als Markus Lutz sein Anliegen im Bezirksausschuss (BA) vorbrachte. "Könnte es sein, dass die CSU mitgestimmt hat?", blaffte der BA-Chef zurück. Einig war man sich, dass in diesem Fall besser ein Wettbewerb hätte ausgeschrieben werden sollen, auch wenn die städtischen Referate, legten sie sich selbst und ohne zusätzliche fachliche Begleitung von außen ins Zeug, kostengünstiger arbeiteten.

Der Antrag von Markus Lutz, den Herzog-Ernst-Platz als attraktiven Quartiersplatz neu zu gestalten und dabei auch den großen, hohen Neubau einzubeziehen, wurde vertagt. Es sei sinnvoll, dem Antrag mehr Substanz zu geben, Lösungsvorstellungen zu äußern und auch einen Bürger-Workshop in Gang zu setzen, hieß es. Lutz forderte die Fraktionen auf, bis zur Sitzung Anfang September Vorschläge zu machen und dann gemeinsam einen Antrag zu stellen.

© SZ vom 12.08.2020

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