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Sendling:Eine Frage des Geldes

Hochbunker in München, 2013

Das Kommunalreferat will den Mietvertrag mit der Fangruppe für den Bunker verlängern. Denn sie bezahlt - und Klagen gibt es auch nicht mehr.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Hochbunker ist Stützpunkt von Sechzger-Fans. Eine kulturelle Nutzung scheitert wohl an der Finanzierung

Von Birgit Lotze, Sendling

Der Hochbunker an der Ecke Gaißacher und Thalkirchner Straße könnte theoretisch bald frei werden - jedenfalls läuft der Mietvertrag, den das Kommunalreferat mit dem "Verein zur Pflege der Münchner Fußballkultur" geschlossen hat, Ende des Jahres aus. Der Sendlinger Bezirksausschuss (BA) hat auf Initiative von Anja Berger (Grüne) gefordert, ihn nicht zu verlängern. Die Hoffnung der Sendlinger, den Bunker als integrierenden Faktor fürs Viertel mit einem kulturellen Bezug und als Begegnungsort zu nutzen, habe der Nutzer nicht erfüllt, so die Begründung. Man solle die Chance nutzen und eine bürgernahe Nutzung ermöglichen.

Hinter dem Verein soll eine Fangruppe des TSV 1860 stehen, Ultras, die in dem denkmalgeschützten Bau Fahnen und Material für ihre Choreografien im Stadion lagern. Die Fußballfreunde besetzen also aus Sendlinger Sicht raren Sendlinger Kulturraum. Und sie öffnen den Bunker auch nicht für die Anwohner, sondern schotten sich weitgehend ab. Auch gab es bis vor einem Jahr Beschwerden, weil ihre Autos und Busse die schmalen Straßen blockierten und sich an Spieltagen der Sechzger oft sehr viele Fans dort trafen und gemeinsam wegfuhren.

Das Kommunalreferat hat nun allerdings deutlich gemacht, dass es keinen Anlass sieht, den Vertrag mit dem "Verein zur Pflege der Münchner Fußballkultur" nicht weiterzuführen. Die Mieter verhielten sich vertragsgemäß, verstießen gegen keine Regeln. Seit längerer Zeit lägen keine Beschwerden vor. Die Behörde "kündigt vertragstreue Mieter grundsätzlich nur dann, wenn die Fläche für eigene städtische Zwecke benötigt wird oder Anlass zur Beschwerde gegeben wird", heißt es in einem Schreiben des Kommunalreferats an die Sendlinger Lokalpolitiker.

Anja Berger kündigte im Bezirksausschuss an, dass sie trotzdem noch einmal beim Kulturreferat nachhaken wolle. Denn in dem Schreiben hat das Kommunalreferat aufgezeigt, wie die Lage geändert werden könnte: "Sollte eine kulturelle Nutzung gewünscht werden, muss durch das zuständige Kulturreferat eine entsprechende Stadtratsentscheidung herbeigeführt werden." Wichtig sei, dass eine solche Nutzung dann auch entsprechend bezuschusst würde. Inwieweit allerdings ein kulturell ausgerichteter Verein finanziell stark genug wäre, um sich einen Hochbunker leisten zu können, bleibt nach wie vor fraglich.

"Immobilien kriegt der, der nachweisen kann, dass er das Geld hat, sie zu unterhalten", fasste SPD-Fraktionssprecher Erst Dill zusammen. Das Kommunalreferat wolle nicht unbedingt an der Vermietung verdienen, aber auch nicht draufzahlen. Der Verein "Sendlinger Bunker", in dem viele Mitglieder wie die meisten Sendlinger Kunstschaffenden mit dem Verein "Kunst in Sendling" verbunden sind, hatte bereits bei der ersten Vergabe des Bunkers gegenüber der Sechzger-Fangruppe den Kürzeren gezogen. Das Kommunalreferat hatte den Zuschlag vor allem mit dem finanziellen Rückhalt der Fußballfans begründet.

© SZ vom 10.03.2020
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