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Sendling:Die Halle ist beschlossen

Alpenverein darf Boulderanlage im Kletterzentrum vergrößern

Die umstrittene Boulderhalle im Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins (DAV) in Thalkirchen soll gebaut werden. Das hat der Planungsausschuss des Stadtrats am Mittwoch mit den Stimmen von Grünen, SPD und CSU entschieden. Dass die Halle im Stadtviertel abgelehnt wird, machte die stellvertretende Vorsitzende des Sendlinger Bezirksausschusses Dagmar Irlinger (Grüne) in der Sitzung nochmals deutlich: Die Pläne seien unzulässig, sagte sie. Die Halle würde darin "sehr nett" dargestellt, dabei sei ein "riesiger Klotz" mit 50 Metern Länge und 13,5 Metern Höhe geplant, der zusätzliche Fläche versiegele, die Verdichtung in Sendling fördere und den bereits stark angespannten Parksuchverkehr noch verschärfe. Dagmar Irlinger vermisste ein Verkehrskonzept.

Ihre Parteikollegin Stadträtin Anna Hanusch entgegnete, dass in der Stadt verschiedene Belange gegeneinander abzuwägen seien. Sie sieht zwar auch einen "größeren Eingriff", dafür aber großes Potenzial für Sportler. Es sei ein vertretbarer Kompromiss gefunden, der geplante Bau sei verkleinert worden, drumherum entstehe möglichst viel Grün. Auch Kathrin Abele, sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, freute sich auf neue Sportmöglichkeiten. Der DAV habe sich bemüht, die Planungen einzuschränken, sagte sie. An der Freiluftkletteranlage, die derzeit an der zu bebauenden Stelle stehe, "da bröckelt der Beton". Sie müsse eh erneuert werden.

Großen Raum in der Diskussion nahm der Verkehr ein. Deswegen sieht Jörg Hoffmann (FDP), selbst DAV-Mitglied, das Projekt kritisch. Er warnte vor "massiven Problemen". Die meisten kämen mit dem Auto, auch aus dem Umland, sagte er. "Und: Wer in der Halle klettert, geht nicht so gern bei Regen radeln." Dass die Stadt noch an einem Mobilitätskonzept arbeiten müsse, das sieht auch Heike Kainz (CSU) so. Der Freizeitverkehr mache etwa 24 Prozent des Gesamtverkehrs aus, da müsse man, was den Sportbereich angehe, etwas tun. Thema war auch, dass ein privater Betreiber, der mehrere Boulderhallen im Münchner Raum führt (am Samstag wird eine weitere im Brunnthaler Gewerbegebiet eröffnet), sich über Wettbewerbsverzerrung beschwert, weil der DAV mit städtischen Fördermitteln unterstützt wird.

Die kleinen Gruppierungen im Stadtrat, FDP/Bayernpartei, Linke/Die Partei, Freie Wähler/München Liste, stimmten nicht zu, sie wollten die Baugenehmigung nicht ohne Weiterarbeit auf den Weg zu bringen. Jörg Hoffmann: "Der Kompromiss ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss." Seitens des DAV hieß es nach der positiven Entscheidung, das Projekt biete Chancen für Sendling und ganz München.

© SZ vom 29.10.2020 / lo/sekr

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