bedeckt München
vgwortpixel

Sendling:Die Enttäuschung ist groß

Entscheidung des Stadtrats, ein Grundstück hinter dem Sozialbürgerhaus am Harras für Flüchtlinge zu nutzen, stößt auf Unmut. Eigentlich soll auf der Fläche eine Senioreneinrichtung entstehen

In Sendling ist die Entscheidung des Stadtrats, ein Grundstück hinter dem Sozialbürgerhaus am Harras drei Jahre lang für Flüchtlinge zu nutzen, auf Unmut gestoßen. Denn eben dort soll eine Senioreneinrichtung geschaffen werden, auf welche die Stadtviertelpolitik bereits seit Jahren hinarbeitet. "Wir von der Seniorenvertretung sind tief enttäuscht", sagt Margot Fürst (CSU), "uns hat überhaupt niemand gefragt."

Vor einer Woche hatte der Stadtrat beschlossen, auf dem freien Grundstück an der Meindlstraße im Rahmen des Sofortprogramms für Flüchtlinge Container aufzustellen. Schon im Juli sollen 200 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einziehen. Der Bezirksausschuss (BA) hatte vorher mögliche Standorte für Notunterkünfte vorgeschlagen, das baureife Grundstück an der Meindlstraße war nicht darunter. Beide Vorschläge - die sogenannte "Sendlinger Wüste" am Herzog-Ernst-Platz und der offenbar wenig genutzte Parkplatz vor der Großmarkthalle - wurden von den Referaten verworfen. Sie würden anderweitig genutzt, hieß es.

Die Stadt habe sich "mit Ignoranz über örtliche Vorschläge hinweggesetzt", kommentiert der CSU-Sprecher im Bezirksausschuss, Michael Kaiser; auch auf das einstimmige Votum gegen die Fläche an der Meindlstraße für eine Zwischennutzung sei gar nicht eingegangen worden. Den Prinzipien einer offenen, fairen Zusammenarbeit entspreche das nicht. Und jetzt habe das Sozialreferat das Areal der Taskforce, die ständig freie Flächen für Flüchtlingsunterkünfte sucht, als frei gemeldet - ohne Information des Bürgergremiums: "Sie wollen uns auf die Rolle schieben."

Der Gremiums-Vorsitzende Markus Lutz (SPD) und Stadträtin Manuela Olhausen (CSU), die auch im Sendlinger BA vertreten ist, haben in der vergangenen Woche kurz vor dem Votum erfolglos versucht, die Stadträte in der Vollversammlung umzustimmen. Die Befürchtung, dass es nun zu weiterem Zeitverzug beim Bau des Alten- und Service-Zentrums (ASZ) kommen könnte, teilen fast sämtliche Sendlinger Stadtteilpolitiker. Einzig Elisabeth Robles-Salgado (Grüne), die bei der vorbereitenden Planung des Zentrums vorgeblich gute Erfahrungen mit den Referaten gemacht hat, zeigt sich zuversichtlich. "Vielleicht geht ja alles so sogar noch ein bisschen flotter."

Markus Schön, der im Sozialreferat die kommunale Altenhilfe leitet, versuchte dem Bezirksausschuss in dieser Woche die Bedenken zu nehmen. "Die dreijährige Zwischennutzung verzögert den Prozess nicht", beteuerte er. Der Austausch zwischen den Referaten habe ergeben, dass mit dem Bau des ASZ frühestens in drei Jahren begonnen werden könne. Die langwierigen Verwaltungsabläufe schlössen einen früheren Zeitpunkt aus: "In Zeiten wie diesen kann man so ein Grundstück nicht einfach drei Jahre leer stehen lassen."

Vertrauen schenkten die Sendlinger Politiker dem Behördenvertreter trotz der mündlichen Zusage nicht. "Wir hätten es gern schriftlich", forderte Ernst Dill, Fraktionssprecher der SPD, "maximal drei Jahre - das wollen wir nicht nur hoffen." Auch die Forderung Michael Kaisers, die gesamte Planung nachvollziehbar und transparent zu machen, wurde einstimmig unterstützt. Dass die Flüchtlinge prinzipiell in Sendling willkommen sind, daran äußerte in der Sitzung niemand Zweifel.

Derzeit türmt sich auf der Fläche noch der Aushub vom Schulzentrum. Die Container sollen in drei Ebenen auf einem 1200-Quadratmeter-Areal gebaut werden. Die Unterkunft wird als "Transfereinrichtung" konzipiert: Die meist 14- bis 18-Jährigen bleiben in der Regel nur kurz zum Eingewöhnen für ein bis drei Monate, danach werden sie auf andere Einrichtungen verteilt. Im Gespräch sei, dass sie in Gruppen mit 16 bis 20 Menschen zusammenwohnen, vermutlich in Zwei- bis Vier-Bett-Zimmern, hieß es seitens der Behörden. Geplant ist, dass verschiedene Träger zum Einsatz kommen. Bis zu einer Infoveranstaltung Ende Juni sollen die Pläne konkretisiert sein.

© SZ vom 07.05.2015
Zur SZ-Startseite