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Sendling:Die Angst ist wieder da

Baustelle Interimsquartier Gasteig, 2019

Zwischen Kreativquartier (links) und Konzertsaal-Baustelle (hinten): Baustellenleiter Andreas Schmidt und Gasteig-Chef Max Wagner im Oktober.

(Foto: Robert Haas)

Kreative befürchten Kündigung wegen des Gasteig-Interims

Von Birgit Lotze, Sendling

Die Kreativen, Künstler und Handwerker, die auf dem Stadtwerke-Areal an der Hans-Preißinger-Straße 8 (HP 8) arbeiten, befürchten, dass sie doch noch wegen des Zuzugs des Gasteig-Interims ihre Ateliers und Gewerberäume verlieren. Ihre Mietervertretung hat sich in einem Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gewandt, in dem sie ihn auffordert, den "Fortbestand der einvernehmlich beschlossenen Konsenslösung zu versichern". Gasteig und Stadt München stünden bei den Bestandsmietern im Wort, dass diese weiter in ihren Räumen bleiben könnten. Auch wenn der Gasteig jetzt beim Interim, das bald auf dem Kreativgelände entstehen soll, wegen Kostensteigerungen Abstriche machen müsse, dürften diese nicht zu Lasten der Bestandsmieter gehen.

90 Millionen Euro sollte das Fünf-Jahres-Ausweichquartier des Gasteigs am Flaucher kosten, doch schon erste Aufstellungen von Bau- und Handwerkerkosten, auch die Angebote auf die Ausschreibung hin, sprengten die Preisvorstellungen. Jedenfalls billigte der Stadtrat kürzlich 22 Millionen Euro zusätzlich - mit der Vorgabe, dass der Gasteig Lösungen zum Abspecken finden müsse. Die Ausschüsse für Kultur und Wirtschaft sollen in einer nichtöffentlichen Sitzung an diesem Dienstag beschließen, wo gespart werden kann.

Die bisherigen Mieter, die sich den Verbleib auf dem Gelände erkämpft haben, loszuwerden - diese Lösung zieht momentan niemand in Betracht. Doch der Fotograf Mirco Taliercio, Mietervertreter des Kreativquartiers HP 8, sagt, es werde kolportiert, der Einzug in den Bestand sei eine der diskutierten Sparmöglichkeiten. "Ich glaube nicht, dass Gasteig-Chef Max Wagner dies will, aber bei der Stadt sieht das womöglich anders aus."

Diskutiert wird derzeit, ob nicht der kleinste der drei Modulbauten entlang der Hans-Preißinger-Straße ganz gestrichen wird, die Black Box, für die das sogenannte Modul 3 an der Ecke zur Brudermühlbrücke geplant war. Die anderen zwei Module sind für die Volkshochschule und die Musikhochschule gedacht. Die SPD im Stadtrat will für ein Interim so wenig Geld wie möglich ausgeben, die CSU Einsparungen in erträglichem Rahmen halten. Die Grünen im Stadtrat wollen keine "Symbol-Einsparung" wie einen Verzicht auf die Black Box, der einzige im Gasteig geplante Raum, der regelmäßig Mieteinnahmen einspielen würde. Ihnen geht es ums Grundsätzliche: Sie plädieren dafür, das Areal nach der Interimszeit mit den Neubauten zum dauerhaften Kreativquartier zu entwickeln. Einen Teil des Geländes für die Künstler- und Kreativszene zu belassen, das können sich offenbar auch einige Referate vorstellen. Das Kulturreferat hat erklärt, es würde die Erhaltung eines Teils für die freie Szene begrüßen, auch das Referat für Stadtplanung hält eine kulturelle Nutzung in Teilen des Areals für "vorstellbar". Selbst der Eigentümer, die Stadtwerke München, hält eine Nutzung durch die Kreativszene für "vorstellbar", primär setzt das Unternehmen allerdings auf Mietwohnungsbau. Auch in Sendling würde man es gerne sehen, wenn die Kreativszene sich dort entwickeln könnte. Für Markus Lutz (SPD), Vorsitzender des Bezirksausschusses, ist es kaum vorstellbar, dass ein Hundert-Millionen-Euro-Projekt nach ein paar Jahren einfach abgerissen wird: "Da werden sich Lösungen für eine Nachnutzung finden."

© SZ vom 18.02.2020
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