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Schwanthalerhöhe:Sorry, zu spät

Uwe Trautmann befürchtet, dem Bezirksausschuss könnte wegen hoher Kulturausgaben das Geld vorzeitig ausgehen

Von Andrea Schlaier, Schwanthalerhöhe

Ferienausschüsse haben eine nicht zu unterschätzende Qualität: Hier tritt in der Regel nur die Minimalbesetzung eines Bezirksausschusses (BA) zusammen, und weil der Kreis gar so traut ist, werden selbst Aufregerthemen oftmals mit mehr Ruhe als im großen Rund verhandelt. So auch in der Schwanthalerhöhe. Wurde in der Juli-Sitzung noch hitzig über die - im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen - zuletzt überdurchschnittlich hohe Förderung für Projekte von Künstlern im Viertel gestritten, behandelten die fünf verbliebenen Ferienausschussmitglieder die weiterhin schwelende Auseinandersetzung im August in einer Art besonnener Kontroverse.

Auf 100 000 Euro beläuft sich das Jahresbudget des Gremiums. Weil davon allein im Juni und Juli 35 500 Euro für künstlerische Projekte - Sommer im Westend und Kunst im Quadrat, beides Corona-Kompensations-Programme - ausgegeben wurden, hatte der zweite stellvertretende BA-Vorsitzende Uwe Trautmann (CSU) bereits vor vier Wochen Alarm geschlagen. Er sorge sich, dass am Ende des Jahres das Geld ausgehe und Antragsteller aus anderen Milieus in die Röhre schauen könnten. Florian Kraus (Grüne) hatte ihm in der Juli-Sitzung erregt entgegen gehalten, dass es noch reichlich Restgeld aus dem vergangenen Jahresbudget gebe, man insgesamt 74 400 Euro zur Verfügung habe und überhaupt in den vergangenen Jahren nie einer zu kurz gekommen sei.

Im August-Rund nun machte Trautmann die Rechnung neuerlich auf. Er habe beim Direktorium den Kontostand des BA abgefragt, und da könne von 74 400 Euro nicht die Rede sein. "Unter Berücksichtigung nicht verbrauchter Restmittel sowie bewilligter, aber noch nicht abgerufener Mittel aus dem Vorjahr stehen dem BA 8 in 2020 aktuell noch 46 121,08 Euro aus dem Stadtbezirksbudget zur Verfügung." Davon müssten bereits zugesagte Versprechen und in der Feriensitzung beschlossene, wieder überwiegend kulturelle Förderungen, gegen die Trautmann als einziger votierte, abgezogen werden. Blieben unterm Strich 12 000 Euro für den Rest des Jahres. "Was machst Du", fragte Trautmann die Kollegen, "wenn Ende des Jahres ein gutes Projekt kommt, sorry, zu spät?" Etwa Unterstützungsanfragen nach einer möglichen zweiten Corona-Welle.

Ausschussvorsitzende Sibylle Stöhr (Grüne) erinnerte an die Hilfe für das soziale Großprojekt des Viertels in diesem Jahr "Das Westend tafelt", bei dem zwischen Karfreitag und Christi Himmelfahrt 10 000 warme Mahlzeiten an Bedürftige ausgegeben worden sind - maßgeblich finanziell unterstützt vom BA. Viele Künstler hätten auf der anderen Seite in Zeiten der Pandemie aber keine Künstlersozialhilfe. "Wir retten keine Existenzen, aber wir helfen und bringen mit den Programmen auch Leute im Viertel wieder zusammen." Zugleich schlug sie vor, künftig "Anfang des Jahres zu sagen, so und so viel gibt's für die Kultur und so viel für Soziales." SPD-Fraktionssprecher Willy Mundigl nahm sie beim Wort: "Wir sollten so einen Jahresbudgetplan machen." Alle im Gremium äußersten auch Verständnis für Trautmanns Sorge.

© SZ vom 11.08.2020

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