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Schwanthalerhöhe:Da geht noch was

Passanten im Tal in München, 2017

Im Gange: Nach der Sendlinger Straße ist das Tal in der City als neue Fußgängerzone im Gespräch.

(Foto: Florian Peljak)

Von Österreichern lernen, heißt Laufen lernen: Fußgänger-Lobbyist Dieter Schwab stellt Konzepte vor

Es liegt durchaus Ironie darin, wenn ein Fußgänger-Lobbyist umgeben von alten Fahrrädern und historischen Dieselstinkern für seine Sache wirbt. Auf feindliches Terrain hatte sich Dieter Schwab, Vorsitzender des österreichischen Vereins Walk-space.at aber nicht wirklich begeben, als er jetzt im Verkehrszentrum des Deutschen Museums mehr und besseren Raum für Fußgänger forderte. Im Gegenteil: Hatte doch Bettina Gundler, Leiterin des Verkehrszentrums, zu Beginn angekündigt, sich künftig auch als Museumskuratorin der "urtümlichsten Form menschlicher Fortbewegung" widmen zu wollen.

Es tut sich also etwas, gerade in Zeiten, in denen für Fußgänger neue Gefahr heran rollert: Die E-Scooter-Diskussion konnte das Interesse an Vortrag und Diskussion nur steigern. Paul Bickelbacher, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Stadtrat und Vorstandsmitglied des deutschen Verbands FUSS e.V., dankte gar dem "neuen Mitstreiter" Andreas Scheuer (CSU). Dessen Ankündigung, Gehwege nun doch von E-Rollern frei zu halten, habe dem Verein eine Flut von Presseanfragen beschert. Schwab gab sich skeptisch-pragmatisch. Er bezweifelte, dass die Roller das "Problem der letzten Meile" lösen können und sieht sie eher als "Trendsportgerät für Kids und Touristen". In Wien hätten sich die Vehikel, kaum zugelassen, als kurzlebig erwiesen. Nach Schwabs Angaben entsorgt die Wiener Müllabfuhr pro Woche rund 300 Stück. Falls die E-Scooter dennoch bleiben, müssten Verkehrsplaner aber langfristig über eine eigene Infrastruktur nachdenken, so Schwab.

Manches Stück Zukunft lässt sich im Süden besichtigen. "Good Practice"-Beispiele fand Schwab in Österreich, Italien und Spanien: Straßenzüge lassen sich gut zu fast autofreien "Superblocks" zusammenfassen, zumindest in oft geometrisch angelegten spanischen Innenstädten. Die Bozener sperren Schulstraßen morgens halbstundenweise und halten so die Elterntaxis draußen. Die Wiener planen ganze Außenbezirke, wie die neue "Seestadt Aspern", fußgängerfreundlich und machen zentrale Einkaufsmeilen wie die Mariahilfer Straße zu fast regelfreien "Begegnungszonen". Das Deutsche Verkehrsrecht kennt das eigenverantwortliche, gleichberechtigte Miteinander noch nicht. Der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel (BA 1) hatte es fürs Zentrum erst kürzlich abgelehnt.

Andere Konzepte greifen dagegen auch hier: Wenn Parkplätze gestrichen und dafür neue Radstreifen geschaffen werden, profitieren vom rückläufigen Gehweg-Radeln vor allem die Fußgänger, so Schwab. Seine Forderung, die "Partitur des öffentlichen Raums" neu zu schreiben, wollen die Münchner Fußgeh-Aktivisten um Bickelbacher etwa in Form eines Isar- oder auch eines Sonnenstraßen-Boulevards umsetzen. Machbar erscheint ihnen auch eine Fußwegverbindung vom Haupt- zum Ostbahnhof. Das Tal soll dabei zur Fußgängerzone werden und zugleich in seiner heutigen Form als Vorbild für die Umgestaltung der Zweibrückenstraße dienen. Allein, die Stadtspitze zieht noch nicht recht mit: Peter Arnold vom Münchner Forum erinnert sich noch gut, wie sein Vorschlag eines Fußgängerbeauftragten im Stadtrat unter Gelächter durchfiel.