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Schwanthalerhöhe:Bänke, Beete und ein Brunnen

Offiziell ist die Schnaderböckstraße eine Spielstraße. Doch derzeit haben die Kinder dort nicht viel Platz.

(Foto: Stephan Rumpf)

Mehr als 130 Nachbarn haben Vorschläge formuliert, wie man die verkehrsbelastete Schnaderböckstraße umgestalten könnte

Von Andrea Schlaier, Schwanthalerhöhe

Es ist nicht schwer, zu fantasieren auf der kurzen Wegstrecke, die nach dem Münchner Schneidermeister Sebastian Schnaderböck benannt ist, der im 18. Jahrhundert 1714 Gulden stiftete, damit jährlich zwei Kinder armer Eltern das Schneiderhandwerk erlernen konnten. Bäume stehen links und rechts der Straße vor Häusern mit hübschen Fassaden. Der verkehrsberuhigten Idylle steht zwischen Westend- und Guldeinstraße allerdings einiges im Weg: Autos, Roller, Mofas, Räder, gern auch mal kreuz und quer zwischen Pollern und Absperrketten. Tagsüber herrscht reger Bring- und Abholverkehr, Elterntaxler der angrenzenden Guldeinschule. Offiziell eine Spielstraße, hat die Schnaderböckstraße in der Praxis wenig Raum zum Spielen für Kindern. Aufräumen und Platz schaffen ist deshalb die Devise eines Umgestaltungsprozesses, den Green City jetzt im Auftrag des Bezirksausschusses Schwanthalerhöhe in Angriff genommen hat. Erster Schritt: Ideen sammeln. Mehr als 130 Erwachsene und Kinder aus der Nachbarschaft haben im Mai mitgemacht und sich was zu wünschen getraut: von Hängematten zwischen den Bäumen, Trinkwasserbrunnen bis hin zu Foodsharing-Stationen am Weg.

Von "sehr mutigen Ideen", aber auch "weniger radikalen Vorstellungen" schwärmt Katharina Frese von Green City, als sie die Auswertung in der Sitzung des Bezirksausschusses vorstellt. Der hatte für das Projekt "Umgestaltung Schnaderböckstraße" erfolgreich bei der Stadt um eine finanzielle Förderung nachgefragt, die jetzt aus dem Topf für "Bürgerinnen und Bürger gestalten ihre Stadt" fließt. Menschen, die im Umkreis von drei Kilometern um die Schnaderböckstraße leben, arbeiten oder zur Schule gehen, wurden nach ihren Vorstellungen gefragt, 560 Mitmachpostkarten verteilt. Rund 130 Nachbarn, darunter 36 Kinder, haben ihre Vorstellungen formuliert oder gemalt; der Großteil, sagt Katharina Frese, will eine Umgestaltung. Vor allem damit sich die Aufenthaltsqualität verbessert.

Bänke um Bäume stehen auf der Wunschliste, Hängematten, Sitzsteine, sogar eine Seilbahn und ein Baumhaus. Während die einen von Trinkwasserbrunnen träumen, setzen andere auf Tauschregale und Blühwiesen für Bienen. Einen "gesellschaftsstiftenden Faktor" hat Frese ausgemacht und gleichzeitig die Sorge mancher Nachbarn, dass eine Aufwertung der Straße auch "neue Nutzer" anziehen könnte. "Es sollte keine Partyzone werden. Denn jetzt bleiben schon manchmal leere Bierflaschen liegen, die zum Teil dann als Scherben das Spielen gefährden", hat jemand auf eine Karte geschrieben.

Ein knappes Viertel der Antwortenden wünscht sich eine Entsiegelung der Flächen; Obstbäume, Hochbeete, Fassadenbegrünung werden angeregt. Ein Drittel würde den Auto-Durchgangsverkehr am liebsten ganz draußen halten. Unter dem Themenkomplex Mobilität wird unter anderem angeregt, überdachte Radplätze zu schaffen, Fahrradstationen mit Waschplatz oder Car-Sharing-Stopps. Alles in allem sagen sowohl Frese als auch die Bezirksausschussvorsitzende Sibylle Stöhr (Grüne), sei dies eine "gute Grundlage, um weiter damit zu arbeiten". Die Stadtviertelpolitiker studieren nun die Umfrageergebnisse und wollen im Herbst konkret werden und Umgestaltungsvorstellungen als Anträge an die Stadtverwaltung weiterreichen.

© SZ vom 22.07.2021
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