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Schwanthalerhöhe:Aktive Künstler-Soforthilfe

Theresa Hanich im Theater "Mathilde Westend" in München, 2017

Auch dabei: Theresa Hanich mit ihrem kleinen Theater "Mathilde Westend" an der Gollierstraße.

(Foto: Catherina Hess)

Flächen für den "Sommer im Westend" gesucht

Von Andrea Schlaier, Schwanthalerhöhe

Zum Greifen nah sind sich Publikum und Kunst in Theresa Hanichs Schmuckkästchen, dem "Mathilde Westend" an der Gollierstraße, Münchens kleinstem Theater. "Aber das ist leider gerade nicht so günstig", sagt die Intendantin, Regisseurin und Schauspielerin in Personalunion. An Vorstellungen ist im 15 Quadratmeter winzigen Raum zu Pandemie-Zeiten nicht zu denken. Um zu überleben, muss das Theater an die frische Luft, in einen Hinterhof, Garten oder sonst ein halb- oder ganz öffentliches Plätzchen. Auch mit dieser Idee wurden Hanich, Anna Steinbauer, Julia Loibl und Anna-Malike Eigl im Bezirksausschuss (BA) Schwanthalerhöhe vorstellig. Sie basteln an alternativen Kultur-Konzepten und suchen nach geeigneten Plätzen - beim Gremium rennen sie damit sperrangelweit offene Türen ein.

Unter dem Label "Sommer im Westend" will der BA bis zu 100 Künstlerinnen und Künstler, die überwiegend im Viertel wohnen, unterstützen. Der Berufszweig sei besonders von den Einschränkungen durch die Corona-Krise getroffen, und man wolle das wertgeschätzte kulturelle Schaffen den Bewohnern im Viertel wieder zugänglich machen. So der parteiübergreifende Antrag, der einstimmig durchgeht.

Ausdrücklich erwünscht, sagt Kulturausschuss-Vorsitzender Daniel Günthör (Grüne), seien ungewöhnliche Veranstaltungsformen für diese "aktive Künstler-Soforthilfe". Kunst im Schaukasten, vor dem Fenster oder einfach online, alles willkommen. Die fürs Publikum kostenlosen Darbietungen sollen nicht länger als eine Stunde dauern, es gibt fixe Gagen für bis zu 25 Veranstaltungen. 25 000 Euro will der BA dafür aus seinem Budget locker machen. Konzeptionell ist das Programm ans städtische Projekt "Sommer in der Stadt" angelehnt, mit dem sich durch den Ausfall der Wiesn Schausteller alternativ in der Stadt präsentieren dürfen.

Im Westend-Sommer sind jetzt auch Wirte, Eigentümer und Mieter von Räumen gefragt, die ihre Flächen zur Verfügung stellen würden und dafür eine Aufwandsentschädigung erhalten. Die Fäden zusammenführen und Kollegen aufrufen wird der bestellte "Kulturvermittler" Titus Waldenfels (titus.waldenfels@googlemail.com) als bestens vernetzter Musiker aus dem Westend.

© SZ vom 23.06.2020

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