Schwabing:Zweiter Versuch

Schwabing: Alt und neu: Der erste Abschnitt des Hertz-Blocks an der Ecke von Leopoldstraße und Mittlerem Ring ist fertig, vier weitere sollen folgen.

Alt und neu: Der erste Abschnitt des Hertz-Blocks an der Ecke von Leopoldstraße und Mittlerem Ring ist fertig, vier weitere sollen folgen.

(Foto: Robert Haas)

Ursprünglich hatte der Eigentümer den Hertz-Block sanieren wollen. Doch dafür war die Bausubstanz zu schlecht. Jetzt entstehen Zug um Zug 246 neue Wohnungen. Die Mieter sollen nach dem Umbau zurückkehren

Von Nicole Graner, Schwabing

Lars Grüttner sagt es noch einmal: "Wir lassen die Mieter nicht im Stich!" Seine Worte sind klar und mit Nachdruck gesetzt. "Alle Mieter können nach dem Umbau zu den gleichen Konditionen in neue Wohnungen einziehen." Das Versprechen des Bereichsleiters Technik der Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Baden-Württemberg AG (GWG) aus Stuttgart zaubert etwas Entspannung in die Gesichter der Schwabinger Lokalpolitiker. Denn schließlich ist das, was die GWG im sogenannten Hertz-Block vorhat, kein kleines Projekt. Auf einer Grundfläche von 4550 Quadratmetern sollen 246 neue Wohnungen entstehen. Und es sollen ja auch alle Mieterinnen und Mieter, die jetzt noch in den großen Riegeln an der Leopold-, Schenkendorf- und Wilhelm-Hertz-Straße leben, eine klare Zukunftsperspektive haben. Das ist den Lokalpolitikern aus dem Bezirksausschuss (BA) Schwabing-Freimann sehr wichtig.

Der Block, den die GWG im Jahr 2012 gekauft hat, ist ein großes Rechteck mit zwei langen Seiten und zwei kürzeren. Direkt an der Ecke Leopold-/Wilhelm-Hertz-Straße hat die GWG bereits einen Neubau errichtet - weitere vier Bauabschnitte sollen folgen. Ein heller, moderner Bau mit vielen Fenstern und Balkonen mit schwarzen Gittern ist entstanden. Ein bisschen gibt dieser Bau einen Vorgeschmack darauf, wie der ganze Block vielleicht einmal wirken könnte. Auf einem Plakat wirbt die Gesellschaft für Stellplätze, die es in der neuen Tiefgarage schon jetzt gibt. Ein paar Schritte weiter gelangt man in den riesigen Innenhof.

Eine merkwürdige Mixtur aus alt und neu tut sich da auf. Da der Neubau, schick und modern. Da alte, dunkle Türen, keine Balkone. Rote Zahlen auf der Hauswand markieren Hausnummern. Hier wird gebaut. Auf einer anderen Wand sind leuchtende Hinweise auf Strom und Gasanschlüsse zu sehen - und einige Wohnungen stehen schon jetzt leer. Vieles ist marode, vieles auch neu. Wie der Spielplatz auf der Grünfläche und sechs neu gepflanzte Bäume. Um diesen Innenhof sollen sich die neu gebauten Riegel legen, dort soll sich, so die Pläne der GWG, das soziale Leben abspielen. Dafür soll der Hof mit einem weiteren Wohnriegel unterteilt werden, um ihm die Wuchtigkeit zu nehmen, um Spielplätze und Aufenthaltsflächen für die Anwohner zu schaffen. Die zwölf alten Bäume, die im Innenhof stehen, sollen erhalten bleiben. Alle neuen Wohnungen bekommen Balkone und Loggien zum Hof hin.

Ursprünglich, so erklärt Lars Grüttner, sei man von einer Sanierung ausgegangen. Doch dann hätten die maroden Holzbalkendecken dieser Planung einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Die Bausubstanz der Gebäude ist nicht mehr tragfähig". Alles also wieder auf Anfang und eine neue Strategie: der stufenweise Abriss und ein Neubau in verschiedenen Bauphasen.

Kleine Traktoren, Kinderwagen und winzige Räder stehen vor den Eingangstüren an der Leopoldstraße. Sie zeugen davon, dass in den Wohnungen viele Familien wohnen müssen. Und es muss eng sein in den Wohnungen, denn, wie die GWG erklärt, gibt es im Altbestand nur Zwei-Zimmer-Wohnungen. Das soll sich ändern. Mehr Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen sind geplant. Dazu müssen die schmal gebauten Riegel verbreitert werden. Auch das ein Grund, neu zu bauen. "Eine Erweiterung der Gebäude wäre bei dieser Bausubstanz nur schwer möglich gewesen", erklärt dazu Architekt Igor Brncic von oliv Architekten.

Dachbegrünungen und für die Gemeinschaft nutzbare Flächen, ein Mobility-Hub, genügend Fahrradstellplätze und eine weitere Tiefgarage, auch das soll das neue Quartier bieten, das vom Schwabinger Tor aus sozusagen neue Urbanität repräsentiert und am Ende der Leopoldstraße - kurz vor dem Mittleren Ring - einen Schlusspunkt setzt. Fest steht, dass die kleinen weißen Figuren über den alten Eingängen an der Leopoldstraße verschwinden werden. Das ist traurig. Traurig ist aber auch der Zwitterzustand, den der Hertz-Block gerade widerspiegelt. Zwischen neu und marode, zwischen Lebensqualität und Baustelle.

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