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Schwabing:Trauer um ein Zuhause

Stadtviertelpolitiker setzen sich für den Karstadt am Nordbad ein

Von Ellen Draxel, Schwabing

"Sehr, sehr traurig" sind die Schwabinger darüber, dass ihr Karstadt am Nordbad im Oktober voraussichtlich schließt. Zumindest, wenn es nach den derzeit so kolportierten Plänen des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof geht. Weil er, wie eine Seniorin es formuliert, "einfach immer schon das Kaufhaus für Schwabing gewesen ist". Die ältere Dame ist in der Gegend aufgewachsen und hat ihr "ganzes Leben lang" beim Karstadt eingekauft. Wo sie jetzt hingeht? "Keine Ahnung", sagt sie.

Andere Schwabinger empfinden ähnlich. Eine Mutter von Schulkindern findet die Schließung "richtig blöd", denn in dem Warenhaus bekommt sie alles, von Lebensmitteln über Klamotten bis hin zu Schulsachen. Ein 28-Jähriger bedauert vor allem, dass der Perfetto-Feinkost im Karstadt, bei dem er regelmäßig Kunde ist, damit auch zumachen muss. Egal, wen man fragt, von "schade" bis "furchtbar" ist alles zu hören. Insbesondere die älteren Schwabinger mögen den Laden, weil er "übersichtlich" ist und die Verkäufer nicht ständig wechseln. "Hier trifft man immer dieselben Leute und fühlt sich zu Hause", erklärt eine Frau, die "seit mindestens 20 Jahren täglich da drin ist".

"Extrem bedauerlich" finden auch Westschwabings Lokalpolitiker die geplante Schließung. Der Käufer wegen, die dann "für jede Stricknadel in die Innenstadt müssen", wie Bezirksausschuss-Vorsitzende Gesa Tiedemann (Grüne) die Situation umschreibt. Sorgen macht sich das Gremium aber auch um die Mitarbeiter: Um das Beste für sie rauszuholen, wollen die Bürgervertreter in den nächsten Tagen mit dem Betriebsrat, dem Leiter der Filiale und dem Leiter der von Karstadt unabhängigen Lebensmittelabteilung sprechen.

Das Gebäude an der Schleißheimer Straße gehöre der Highstreet Holding, einem Immobilien-Konsortium, dessen "einziger Zweck es ist, Geld zu verdienen", kritisiert Tiedemann. "Sollte Karstadt tatsächlich schließen, hätte Highstreet "ein wunderbares Grundstück in der Stadt". Um den "Kasten" selbst wäre es nicht schade, wenn er wegkäme, meint die Gremiums-Chefin. "Denn schön ist der nicht."

Das Stadtteilgremium will aber auf keinen Fall, dass anstelle des Kaufhauses auf diesem Sahne-Baugrund Luxuswohnungen entstehen. Daher erging bereits jetzt die Bitte an das Planungsreferat und das Referat für Arbeit und Wirtschaft, die Politiker bei möglichen Planungen mit einzubeziehen. "Und zwar, bevor Entscheidungen gefällt werden."

© SZ vom 26.06.2020

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