Schwabing:Kinder, 2026 wird's was geben

Coronavirus - Sachsen - Kindergärten

Platz zum Spielen: Familienzentren gelten als wesentlicher sozialer Baustein in Neubaugebieten. Die Parkstadt hat bisher keines.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Nach Jahren der Vorbereitung soll nun endlich ein Familienzentrum mit angeschlossener Kita in der Parkstadt entstehen. Das Sozialreferat sieht erheblichen Bedarf für eine solche Anlaufstelle

Von Stefan Mühleisen, Schwabing

Viele Menschen in der Parkstadt Schwabing dürften gar nicht mehr zu hoffen gewagt haben, was der Stadtrat jetzt beschlossen hat: Nach drei Jahren Vorbereitung erteilte der Planungsausschuss im Rathaus den Projektauftrag für den Bau eines Familienzentrums mit Kindertreff sowie für eine Kindertagesstätte in dem Stadtteil nördlich des Mittleren Rings; Bauträger ist die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewofag, die zudem ein Wohnhaus mit 45 Einheiten errichten soll. Bis der Komplex auf dem städtischen Eckgrundstück Herbert-Bayer-Straße/Marianne-Brandt-Straße steht, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Die Gewofag wird, so heißt es in der Beschlussvorlage, im zweiten Halbjahr 2021 mit den Planungen loslegen, abgeschlossen soll das Projekt erst 2026 sein.

Damit entsteht nun eine feste Anlaufstelle für Familien in dem Neubaugebiet, welche bei solcherlei Siedlungsprojekten heutzutage üblicherweise gleich von vornherein mitgeplant wird. Doch in der Parkstadt lief vieles nicht so, wie es die Stadt wohl gerne gehabt hätte. Auf dem 40 Hektar großen Areal zwischen Schenkendorf- und Domagkstraße wohnen etwa 2500 Menschen; sie sind quasi umstellt von Bürokomplexen, in denen gut 12 000 Menschen arbeiten. Zudem haben sich vier Hotels mit insgesamt 900 Betten angesiedelt; es gibt keine Läden und Cafés, nur ein Einkaufszentrum sowie einen Park, den kaum jemand nutzen will, weil er nicht besonders einladend gestaltet ist. Eine gehörige Unwucht also zum Nachteil der Wohnbevölkerung - und die wird sich noch vergrößern, da der Generalentwickler der Parkstadt, die Firma Argenta, entschieden hat, statt der ursprünglich geplanten 800 Wohnungen nun doch Büros zu bauen. Seit acht Jahren bildet ein rühriger Nachbarschaftstreff das Rückgrat der sozialen Infrastruktur; dazu bietet der Träger "Haus am Schuttberg" Angebote für Familien in wechselnden Räumen an.

Als "Mindestmaß an familienorientierten Angeboten" bezeichnete das Sozialreferat diese Dauer-Übergangslösung vor drei Jahren, als der Stadtrat das Familienzentrum auf den Weg brachte. Die Behörde lässt dabei heute immer noch durchblicken, dass erheblicher Bedarf besteht. Der Anteil der Haushalte mit Kindern liege laut einer Erhebung von 2018 bei 77,4 Prozent über dem städtischen Durchschnitt; in der Parkstadt leben überdies 31,4 Prozent mehr Sozialhilfeempfänger als im übrigen Stadtgebiet. "Durch den hohen Anteil von jungen, teilweise belasteten Familien werden präventive und entlastende Angebote benötigt", teilt die Behörde mit.

Allein, lange fehlte das passende Grundstück, das mit dem Areal an der Herbert-Bayer-Straße zwar gefunden, aber zunächst nicht verwendbar war. Denn dort befand sich ein Betriebshof der Stadtentwässerung sowie ein Stützpunkt der Abteilung Gartenbau des Baureferats, der erst abgewickelt werden musste. "Das Warten hat sich gelohnt, das Familienzentrum in der Parkstadt Schwabing kommt. Ich freue mich sehr über diesen Gewinn für ein lebendiges Viertel und eine Stärkung des Zusammenhalts, die damit verbunden ist", kommentierte SPD-Stadtrat Lars Mentrup den Beschluss des Planungsausschusses.

Das Grundstück umfasst etwas mehr als 3100 Quadratmeter; es lassen sich gemäß der Stadtratsvorlage 5630 Quadratmeter Geschossfläche realisieren. 860 Quadratmeter entfallen auf die Kindertagesstätte, zusätzlich 740 Quadratmeter sind für die Spielfläche im Außenbereich reserviert. Daneben entsteht das Familienzentrum mit Kindertreff und Terrasse, in dem die Nutzer 456 Quadratmeter zur Verfügung haben werden. Bleiben 4314 Quadratmeter Geschossfläche für den Wohnungsbau; es sollen gemäß Verwaltungsvorlage 45 Einheiten in einkommensorientierter Förderung (EOF) werden.

Die Trägerschaft für das Familienzentrum soll der Verein Haus am Schuttberg übernehmen; die Einrichtungen gelten inzwischen als wesentlicher Baustein der familiären Hilfenetzwerke, fungieren als niederschwellige Anlaufstelle sowie als Bildungs- und Erfahrungsorte, die auch ehrenamtliches Engagement fördern wollen. Die Einrichtung in der Parkstadt wird nach den Worten des Sozialreferats besondere Schwerpunkte auf die frühe Förderung sowie Geburtsvorbereitung legen. Es wird Angebote für Grundschulkinder geben sowie besonderer Fokus auf Familien in sozial benachteiligten Lebenssituationen gelegt werden, teilt die Sozialbehörde mit.

© SZ vom 05.12.2020
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