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Garten-Projekte:Wenig Chancen für junges Gemüse

Urban Gardening

Gemeinsamer Spaß am Beet: Zwei Frauen gießen Pflanzen auf dem Gartengelände des Vereins "o'pflanzt".

(Foto: Inga Kjer/dpa)
  • Die Stadt München will Urban-Gardening-Projekte zwar weiter fördern, eine grüne Offensive im großen Stil lehnt sie aber mit dem Hinweis auf knappe Flächen und hohe Kosten ab.
  • Eine Grünen-Stadträtin hatte gefordert, in sämtlichen Neubaugebieten Flächen für urbanes Gärtnern einzuplanen.
  • Die Stadt verweist auf viele Alternativen, die es für Münchner gibt. Etwa die Münchner Krautgärten oder die sogenannten Gemeinschaftsgärten.

Von Dominik Hutter

Mitten in der Stadt wird selbst gezogenes Obst und Gemüse geerntet: Was in der verarmten US-Autometropole Detroit ebenso klappt wie im wohlhabenden Boston, ist in München eher die Ausnahme - und wird es wohl auch bleiben. Zwar hält Stadtbaurätin Elisabeth Merk "Urban Gardening" für eine durchaus unterstützenswerte Idee, und zahlreiche Projekte belegten das Interesse der Münchner am Säen und Ernten zwischen Häusern und Straßen.

Nur: Im ganz großen Maßstab kann sich die Verwaltung den Spaß im Grünen dann doch nicht vorstellen - dazu sind die Flächen zu knapp und die Kosten zu hoch. Zudem funktionierten die meisten Urban-Gardening-Projekte nur, wenn sie von einer Initiative engagierter Freiwilliger betreut werden. Immerhin sollen die städtischen Wohnungsgesellschaften künftig genauer hinsehen, was auf den Dächern von Neubauten möglich ist.

Ja zum Urban Gardening, Nein zur ganz großen Lösung

Es ist ein klares "Ja, aber. . .", das Merk am Mittwoch dem Planungsausschuss präsentiert. Ja zum Urban Gardening, aber Nein zur ganz großen Lösung. Die hatte die Grünen-Stadträtin Sabine Krieger im Sinn, als sie im vergangenen Sommer ihre Gartel-Initiative startete: In sämtlichen Neubaugebieten, so forderte die Politikerin, müssen künftig Flächen für urbanes Gärtnern eingeplant werden, und bis die Kasernengelände mit Wohnungen bebaut werden, soll dort erst einmal ausgiebig gegraben werden dürfen. Krieger hatte zudem angeregt, öffentliche Flächen am Rande von Parks und Grünanlagen den Hobbygärtnern zur Verfügung zu stellen.

So weit will in der Verwaltung niemand gehen. In Neubaugebieten sei es sinnvoller, nach Bedarf vorzugehen, steht in der Beschlussvorlage Merks. Und auf den Kasernenarealen sei mit Altlasten und Sicherheitsproblemen zu rechnen - schließlich könnten die Gärtner nicht inmitten von Baggern und Betonmischern ihre Gießkanne schwingen. Sollten brachliegende städtische Flächen plötzlich als Gemüseacker dienen, rechnet das Kommunalreferat zudem mit richtig Ärger: Schließlich braucht München neue Wohnungen, neue Schulen und neue Kindertagesstätten. Da könne es durch den Wegfall weiterer Bauflächen sehr schnell zu weiteren Preissteigerungen bei den Grundstückspreisen kommen. Und das kann München nicht gebrauchen.

Wo die Sehnsucht nach dem Landleben erfüllt wird

Ohnehin gebe es in München zahlreiche und auch sehr unterschiedliche Projekte, bei denen die Großstädter schon jetzt ihre Sehnsucht nach dem Landleben austoben können. Die Münchner Krautgärten beispielsweise, auf denen ohne großen baulichen Aufwand Gemüse, Blumen oder Kräuter gezogen werden. Fast 1200 Parzellen an 19 Adressen gibt es bereits, das hat das Planungsreferat zusammengetragen - zumeist auf landwirtschaftlichen Flächen in Stadtrandnähe. Künftig soll jährlich ein neuer Standort dazukommen. 2014 war dies ein Grundstück in der Verlängerung der Drygalskiallee in Solln, in diesem Jahr ist Ludwigsfeld an der Reihe. Gemeinschaftlich gegärtnert wird inzwischen auch im sogenannten Südgarten auf dem Viehhofgelände. Im vergangenen Sommer gab es Urban Gardening auf der Bastion der Corneliusbrücke.

Voran geht es auch mit den sogenannten Gemeinschaftsgärten, die meist auf öffentlich zugänglichen Flächen eingerichtet werden: die Bewohnergärten Berg am Laim zählen dazu, der Generationengarten Milbertshofen oder der Garten der Kulturen in Neuhausen. Aus Sicht des Sozialreferats handelt es sich dabei um "sinnvolle Orte für die Ressourcenaktivierung und die Förderung des gedeihlichen Miteinanders." Zu den bestehenden 13 interkulturellen Gärten, in denen Menschen verschiedener Nationen zusammen garteln sollen, kommen demnächst weitere Flächen am Ackermannbogen. Insgesamt gibt es in München laut Planungsreferat 12 000 Parzellen in Klein-, Gemeinschafts- oder Krautgärten. In den kommenden fünf Jahren sind rund 1000 weitere geplant.

Sogar "Guerilla Gardening" ist im braven München bekannt - wenn auch nicht in der wilden Variante. Ursprünglich säten bei der anarchischen Form des Gartenbaus Protestierer irgendwo heimlich ihre Pflanzen aus. In München haben das die Organisationen Guerilla Gärtner und Green City übernommen, allerdings in Absprache mit dem Baureferat. Seitdem kümmern sich Privatleute auf öffentlichem Grund um ihre Beete, die zumeist in Baumgräben oder am Straßenrand sind.

© SZ vom 13.04.2015/infu
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